Ein Leben für die Musik

von Redaktion

Heinrich Seyfried ist kürzlich 80 Jahre alt geworden, ist Ehrenmitglied des Fördervereins der Stadtsingschule und hat sich immer für die Einrichtung stark gemacht. Kurz: ein Tausendsassa und darüber hinaus auch noch der älteste Mann im Chor.

Kolbermoor –„Es war halt nix Besseres da und dann habe ich das eben übernommen“, sagt Heinrich Seyfried, den alle Heiner nennen. Und so wurde er eben der Leiter der Kolbermoorer Singschule, des Chores. Ja, bescheiden ist Seyfried – und dass, obwohl er viel für die Musik in der Stadt getan hat. „Ohne ihn gäbe es heute keine Musikschule“, ist Leiter Günther Obermeier überzeugt.

Denn via Stadtratsbeschluss wurde er im Januar 1969, also vor 50 Jahren, der Leiter der Stadtsingschule. Und sofort startete er mit Instrumentalunterricht: Gitarre und Flöte. Als Seyfried Mitte der 60er-Jahre von München nach Kolbermoor kam, hatte der Chor rund 25 Mitglieder – heute hat die Musikschule um die 650 Mitglieder. Und das Angebot ist groß: von der Musikspielwiese über den Chor bis zu Klarinetten-, Kontrabass- und Klavierunterricht.

Trauzeuge und Hochzeits-Ständchen

Im Juli 1974 unterzeichneten Bürgermeister Adolf Rasp und Seyfried den „Erlass einer Schulordnung für die Stadtsingschule Kolbermoor“ – die Musikschule wurde somit vor etwa 45 Jahren gegründet. Seyfried, der hauptberuflich als Lehrer tätig war, machte alles ehrenamtlich. Erst 1976 wurde Eduard Berger als Musiklehrer angestellt. Von da an arbeiteten Seyfried und Berger Seite an Seite, aber das Berufliche ging auch ins Private über: „Er war mein Trauzeuge“, sagt Berger und lacht. Gab es ein Ständchen auf der Hochzeit? „Na klar.“

Es folgte der Umzug in das heutige Gebäude. Oben im Saal hängen mittlerweile zwei Lüster –„die habe ich besorgt“, ebenso die Uhr an der rechten Wand. Seine Spuren sind überall. Auch wenn er heute nur noch singt, kommt er jeden Tag und besucht seinen einstigen Schüler Günther Obermeier – „zum Hallo sagen“.

Ja, es sind heilige Hallen, quasi seine heiligen Hallen, die er betritt. Auf die Frage, ob er das alles genauso geplant habe, sagt er „nein“. Es hat sich „alles gefügt, so ergeben“. Aber gekämpft hat er schon? „Ein bisschen“, sagt er und schmunzelt verschmitzt. 1990 hört er auf, legt die Chorleitung aus gesundheitlichen Gründen nieder. Heide Hauser folgt ihm, bis heute leitet sie den gemischten Chor – und Seyfried ist dessen ältestes männliches Mitglied. Hauser und Seyfried haben sich übrigens in München beim Joseph-Haydn-Singkreis kennengelernt – Musik verbindet eben. Hat Seyfried noch einen Wunsch? „Die Musikschule lebe, wachse und blühe.“

„Durch Heinrich Seyfried ist die Familie hier verwurzelt“

Das sagen Freunde und Wegbegleiter über den Kolbermoorer Heinrich Seyfried:

Eduard Berger, ehemaliger Leiter der Musikschule: „Ohne ihn gäbe es keine Singschule, geschweige eine Musikschule. Er ist ein Visionär und hatte ordentlich Durchsetzungsvermögen – kurz: eine natürliche Autorität.“

Norbert Scherbaum, ehemaliger Chorleiter: „Wir sind alle zugezogen. Durch Heiner, durch die Musikschule, ist die ganze Familie hier in Kolbermoor verwurzelt. Dank der Musikschule konnten wir in der neuen Heimat sesshaft werden. Das alles ist Heinrich Seyfried zu verdanken.“

Reiner Maras, Chorleiter: „Unermüdlich, freundlich, gut vorbereitet, so habe ich Heiner kennengelernt, als einen wahren Macher. In der Singschule haben wir uns immer wie zu Hause gefühlt. Das haben wir Heiner zu verdanken.“

Günther Obermeier, Leiter der Musikschule: „Ich bin ein Produkt seiner ganzen Bemühungen, denn ich bin schon bei ihm zur Schule gegangen. Die Musikschule hat ihm alles zu verdanken, denn ohne ihn gäbe es sie nicht.“

Heide Hauser, Chorleiterin: „Ich empfinde Heinrich Seyfried als Lebensader der Sing- und Musikschule.“

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