Kolbermoor – Es ist 9.45 Uhr, als am 1. Mai in Kolbermoor der Kirchturm kurz läutet. Die Menschen strömen in Richtung Rathausplatz, alle haben sich fein herausgeputzt. Groß und Klein, viele von ihnen in Tracht. Auch das Wetter spielt mit. Die Sonne scheint an einem blau-weißen, bayerischen Himmel. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto, alle haben es eilig. Denn schon um 10 Uhr morgens beginnt das Hauptprogramm des Maibaumfestes auf dem alten Rathausplatz.
Musikschule ist
voll im Einsatz
Unter dem Motto „Lieder und Tänze der Jugend“ singen, musizieren und tanzen sehr viele Ensembles und Chöre der Musikschule sowie der beiden Trachtenvereine „Immergrün“ und „D’Mangfalltaler“. Viele ehrenamtliche Helfer sind gekommen, um Geld für den Förderverein der Sing- und Musikschule Kolbermoor zu sammeln.
Direkt am Eingang der Schule ist eine Getränketheke aufgebaut, daneben gibt es verschiedene Kuchen. „Einen Chef gibt es nicht“, sagt einer der Kellner und lacht. Bier hat um diese Zeit zwar noch keiner bestellt, aber das kommt noch – da sind sich alle sicher.
Dann startet das erste Highlight auf der Agenda. Der Moderator des Geschehens, der Chef der Musikschule Günther Obermeier, kündigt Tanzlieder an. Stolz laufen etwa 50 Kinder, in Begleitung von Erwachsenen, auf den Platz. Ein paar von ihnen sind sogar verkleidet. Es wird musiziert, gestampft, geklatscht, gesungen und gehüpft. Auf die Frage, ob alle zufrieden mit der Leistung waren, antwortet Ursula Harzenetter: „Ja selbstverständlich, außerdem haben wir den Niedlichkeits-Bonus dabei. Perfektionistischen Stress haben wir hier nicht.“
Harzenetter gibt Klavierunterricht an der Musikschule und Kurse für musikalische Früherziehung. Dort sind ihre Schützlinge im Alter zwischen vier und fünf Jahre. Die Vorbereitung für die Show dauert immer etwa sechs Wochen.
Martin Stolz leitet unter anderem die Bläserklasse der Musikschule. Bei ihm sind die meisten Kinder etwas älter – die meisten sind in der dritten und vierten Klasse. Er ist vor allem für die staatliche Förderung des Programms „Kultur macht stark“ sehr dankbar. Dadurch hätten viele Kinder aus sozial schwachen Familien die Möglichkeit, ein Instrument zu spielen und die Musik kennenzulernen.
Beim Maibaumfest in Kolbermoor zeigen die jungen, musischen Talente ihr Können. Unter den Instrumenten ist auch ein neuer Kontrabass dabei. Das erste Instrument, das durch eine Crowdfunding-Aktion gekauft wurde.
Um solche Dinge weiter zu ermöglichen, waren die ersten ehrenamtlichen Helfer schon um 6 Uhr morgens in Kolbermoor auf den Beinen. Ab 7 Uhr startete ein Flohmarkt, zu dem viele Freunde und Gönner der Musikschule im Vorfeld allerlei „Flöhe“ gespendet hatten. Bücher werden für 50 Cent oder einen Euro verkauft. Geschirr und Schmuck zählt ebenfalls zu dem Angebot.
Irina Lorenz und Juliane Kreidt verteilen kleine bunte Blümchen-Anstecker, ebenfalls für einen Euro. Ab etwa 11.15 Uhr spielt die Combo „Jazzed Married“ eine Stunde mit swingender Musik, bis die Stadtkapelle um 12.30 Uhr übernimmt. Gegen Nachmittag wird es viel ruhiger, die Theken sind leerer, die Bänke nicht mehr voll besetzt. Die vielen Helfer können langsam in den Feierabend und die restlichen Sonnenstrahlen auf den heimischen Terrassen genießen.