Gefangene verhalten sich anständig

von Redaktion

Notizen aus einem historischen Tagebuch

Kolbermoor – Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv in München hat Anton Hamberger Notizen des Spinnerei-Direktors Rudolf Hausenblas zu Kriegsende entdeckt: Die Unterlagen starten am 29. April 1945 und enden am 30. Mai. Im Mangfall-Boten werden sie jetzt veröffentlicht. „Dienstag, den 16. Mai. Es ist weiterhin heiss und wolkenlos. Die französischen Kriegsgefangenen verlassen Kolbermoor. Sie sammeln in der Pionierkaserne in Rosenheim und werden von dort nach Frankreich zurück transportiert.

Das Wirtschaftsamt Aibling überlässt uns 2 Waggon Waschgrieskohle aus einem Kohlenzug, der in der Station Kolbermoor steht. Der Verkehr ist noch nicht im Gang. Wir bekommen eine schwarzbraune Stute, die noch abgeschätzt werden wird. Es handelt sich um ein gutes Pferd, vermutlich einen Holsteiner. Amerikaner und Russen fahren von unserem Lager Brennholz und Kohl ab. Es kann festgestellt werden, dass die Kriegsgefangenen Franzosen und die 30 russischen Offiziere, die bei uns gearbeitet haben, sich während der ganzen Zeit viel anständiger verhalten haben als die Ausländer und Sträflinge, die bei BMW und Roeckl in Arbeit standen. Unsere Franzosen stellten sogar je einen ihrer Leute, um unsere Wachen an den beiden Fabrikeingängen zu verstärken. Die Ausgangszeit wurde auf 6 bis 20.30 Uhr festgesetzt.“

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