Ihr Kampf für Gerechtigkeit

von Redaktion

Kolbermoorer Rätezeit Gedenktafel für Alois Lahn an Georg Schuhmanns Grab

Kolbermoor – Seit Kurzem befindet sich an der Grabstelle auf dem Alten Kolbermoorer Friedhof für Georg Schuhmann (1886 bis 1919), dem Kolbermoorer Volksratvorsitzenden der Räterepublik, auch eine Tafel für seinen Sekretär Alois Lahn (1900 bis 1919). Schuhmann hätte dies gefreut. Die Plakette zeigt doch, dass man mittlerweile verstanden hat, worum es ihm ging und wofür er letztendlich ermordet wurde.

Schuhmann und Lahn

ein Gesicht geben

Denn im Zuge der Kolbermoorer Veranstaltungen zu 100 Jahre Novemberrevolution und Räterepublik hat man vieles über die Weichenstellungen erfahren: Zum Beispiel die Einführung des Frauenwahlrechtes und des Acht-Stunden-Tages. Weniger bekannt ist, dass diese Änderungen von einer mühevollen kommunalpolitischen Arbeit vor Ort begleitet waren.

Denn die Lebenssituation nach dem Krieg war katastrophal: Die Arbeit des Volksrates bestand darin, die Ernährung sicherzustellen. Man setzte sich aber auch für eine gerechte Entlohnung ein. Die Ziele der Räterepublik, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle, hat man wörtlich genommen, es ging immer um den sprichwörtlichen kleinen Mann, um Menschen, wie auch Alois Lahn einer war. Veranschaulicht wurde das alles in der Schau „Wir haben für unsere Überzeugung gekämpft“ im Rathaus.

Ihren Abschluss fand sie in einer Gedenkveranstaltung am Grab von Schuhmann, das jetzt auch das Grab von Alois Lahn ist – dessen eigene Grabstelle war vor einigen Jahren durch unglückliche Umstände aufgelassen worden.

Eingefunden hatte man sich an dem Tag, an dem die beiden vor 100 Jahren von Weißgardisten ermordet wurden. Gut 30 Kolbermoorer begleiteten Bürgermeister Peter Kloo, Stadtmarketingleiter und Ausstellungsinitiator Christian Poitsch und Andreas Salomon, auf dessen Forschungen zur Kolbermoorer Rätezeit die Ausstellung im Wesentlichen beruhte. Salomon sah ein wichtiges Ziel seiner Forschungsarbeit erreicht.

Ihm war es auch darum gegangen, Schuhmann und Lahn wieder ein Gesicht zu geben. Sie, die zu Lebzeiten bei der Bevölkerung hoch angesehen waren, sind im Laufe der Zeit zu bloßen Namen aus der Rätezeit verblasst.

Rathauschef zieht

Parallelen zu heute

Christian Poitsch zeigte sich erfreut über „die große positive Resonanz“ der Ausstellung. Und verband damit eine Hoffnung: „Man hat erfahren, wie mühsam die Anfänge der offenen und gerechten Gesellschaft, in der wir heute leben, errungen worden waren.“ Der Rathauschef wurde deutlicher, verband das Wirken von Schuhmann und Lahn mit aktuellen Rechtstendenzen: Nicht wegzuleugnen sei, dass es auch in der heutigen Zeit Menschen gäbe, die sich selbst auf der Verliererseite der Gesellschaft sähen. In dieser Lage gäbe es zwei Möglichkeiten. Die bequeme sei, die Schuld daran irgendwelchen Dritten zuzuschieben. „Damals waren es die Juden, heute sind es Ausländer und Flüchtlinge“, so der Bürgermeister.

Die unbequeme sei, sich für eine Veränderung einzusetzen, nicht in der „Ich bin gegen alles“-Protesthaltung des „Wutbürgers“, sondern in konstruktiver politischer Arbeit. Hier können Schuhmann und Lahn als Vorbild dienen. Rathauschef Kloo: „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, hat man im Grunde zwei Möglichkeiten. Auf den Kopf dessen zu steigen und zu treten, der unter einem steht oder selbst schwimmen zu lernen.“

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