Kolbermoor – Das Gesicht völlig zerstört, Bart und Haarpracht größtenteils hinüber – der Sturz des über 300 Kilogramm schweren Kolosses von seinem Sockel an der Hasslerstraße hatte es in sich. Ein heftiger Sturm hatte die Bronze-Statue von König Ludwig II. Anfang März, wie berichtet, regelrecht umgefegt.
Zum Kunsthistoriker nach Regensburg
Arg demoliert, war der „Kini“, wie er von vielen alteingesessenen Kolbermoorern genannt wird, zuletzt vorübergehend im Bauhof untergebracht. Gestern nun ging es für ihn auf große Reise: Er soll wieder auf Vordermann gebracht werden – in einer Fachwerkstatt in Regensburg.
Dort erwartet ihn Maximilian Heimler, Kunsthistoriker und Experte in Sachen Metallplastiken (Werkstatt „Haber & Brandner“). Von ihm erhofft sich die Stadt Kolbermoor nun Rat und Tat, denn insbesondere der Kopf ist arg in Mitleidenschaft gezogen. „Da braucht es einen Künstler, um das wieder hinzubekommen“, ist Jürgen Halder von der Stadtverwaltung und mit dem Thema König-Ludwig-Statue betraut, überzeugt. Denn das Gesicht müsse völlig neu modelliert werden. Glimpflicher davongekommen ist der Korpus, hier sind zwar Mantel und Hose betroffen, allerdings nicht massiv. Und die Dauer der Restaurierung? Ungewiss, schüttelt Jürgen Halder den Kopf. „Bei dieser Arbeit spielt Zeit keine Rolle“, betont er. „Hauptsache, wir bekommen das wieder hin.“ Dieses Jahr, schätzt Halder, wird der König aber auf keinen Fall nach Kolbermoor zurückkehren – voraussichtlich erst 2020.
Welche Kosten werden auf die Stadt zukommen? Dazu kann Halder bis dato noch keine konkreten Aussagen machen. Die Statue muss erst einmal in Regensburg gründlich unter die Lupe genommen werden. „Erst dann erfolgt eine erste Kostenschätzung“, erklärt der Rathausmitarbeiter im Gespräch mit unserer Zeitung. In einer ersten, vorsichtigen Einschätzung ging Kunsthistoriker Heimler bei einem Vor-Ort-Besuch in Kolbermoor zumindest von einer fünfstelligen Summe aus. Wobei die Stadt in jedem Fall den Versuch starten will, Fördertöpfe anzuzapfen. Schließlich ist die Statue bereits knapp 110 Jahre alt (19. September 1909) – und durchaus von historischer Bedeutung für Kolbermoor. „Doch dazu brauchen wir aber erst einmal einen groben Grundriss, was die Restaurierung kosten wird“, so Halder.
Ebenfalls mit nach Regensburg gesandt wurden die Schriftplakette, die am Denkmal angebracht war, und die Metallplatte, auf der die Statue fixiert war – denn beides war beim Absturz in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Tafel enthält im Übrigen die Inschrift: „Gedenktafel für die gefallenen Krieger 1866, 1870 und 1871 – gewidmet vom Veteranen- und Kriegerverein Kolbermoor“.
Mitunter deshalb könnte die König-Ludwig-Statue bei ihrer Rückkehr nach Kolbermoor einen neuen Platz erhalten: am Friedhofsvorplatz, wo sich auch das Kriegerdenkmal befindet. Thematisch würde das durchaus Sinn machen. So sehen zumindest die Überlegungen von Bürgermeister Peter Kloo aus.
Neuer Platz
für den „Kini“?
Für den „Kini“ wäre der Umzug an einen neuen, prominenteren Platz sicherlich nicht das Problem – schließlich hat er schon einmal in seiner knapp 110-jährigen Geschichte seinen Standort wechseln müssen: 1963 musste er seinen ursprünglichen Platz im Karl-Daniels-Park wegen dessen Umgestaltung „verlassen“ und es ging an die Hasslerstraße – wo er bis zu seinem durchaus spektakulären Sturz Anfang März ein eher wenig beachtetes Dasein fristete.