Kolbermoor – Zuversicht lebt oft von kleinen Zeichen. Ein solches ist auch die Stele, die an die 100-jährige Tradition der Katholischen Frauengemeinschaft Kolbermoor erinnern soll und die nun im Garten des Pfarrhauses Heilige Dreifaltigkeit aufgestellt ist. Sie steht nämlich nicht irgendwo, sondern hat Platz an vorderster, auffälliger Stelle: Wer im gegenüberliegenden Eiscafé sitzt, hat sie im Blick, wer am Pfarrhaus vorbeigeht, dem fällt sie sowieso auf.
Wenn man die Stele zum Maßstab nimmt, sind zumindest in Kolbermoor die Zeiten vorbei, in denen die Frauen in der Kirche allenfalls hinter den Kulissen kleinere Hilfsdienste leisten durften und dafür keine besondere Anerkennung erfuhren. Hier im Pfarrgarten sind sie über die Stele präsent, hoch aufgerichtet, selbstbewusst und dabei bunt und vielfältig.
Daniela Ludwig
als Schirmherrin
Am Ziel sei man deshalb noch lange nicht, meinte die Schirmherrin des Jubiläumsjahres der Kolbermoorer KFD, die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. Sie kenne das aus den frauenpolitischen Vereinigungen aller Parteien. „Da werden immer wieder Stimmen laut, dass die Zeit dieser Vereinigungen langsam ablaufe, weil die Forderungen erfüllt, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hergestellt sei. Das höre ich seit Jahrzehnten, doch in der Praxis ist man vom Ziel nach wie vor weit entfernt.“ Sie bat die Frauen deshalb, auf der Basis ihres christlichen Glaubens weiterhin aufzustehen und sich für Veränderungen einzusetzen. Welche Veränderungen man sich wünscht und wie das Bemühen darum aussehen könnte, das machten die Frauen der KFD im Laufe des Gottesdienstes durch ein kleines Szenenspiel deutlich. Da bemängeln drei Frauen, dass das Wort der vorangegangenen Lesung, „die Taten der starken Frauen soll man preisen und ihre Werke am Stadttore ausstellen“, mit der Realität noch immer nicht viel zu tun habe: „Wo sind sie denn die starken Frauen in der Kirche? Die wichtigen Entscheidungen in Rom treffen immer noch die Männer.“ Zu diesen drei Frauen treten zwei weitere, die Marcella und Birgitta verkörpern, zwei Theologinnen aus dem frühen christlichen Rom beziehungsweise dem Mittelalter. Marcella erzählt, dass sie in ihrer Zeit die Männer, allen voran den heiligen Hieronymus, durchaus in Bewegung gebracht hätte: „Durch meine hartnäckigen Fragen brachte ich ihn zum Nachdenken und zu neuen Erkenntnissen.“ Mehr noch: Marcella kann berichten, dass sie in ihrer Zeit bei der Auslegung und Interpretation der Bibeltexte durchaus als Autorität anerkannt war. Einen Status, den sie sich, wie sie erzählt, jedoch auch erkämpfen musste, möglich durch ihre Persönlichkeit, die sich von Konventionen und traditionellen Rollenvorstellungen frei zu machen wusste. Der Einwand der beiden Theologinnen: Es sei ja gar nicht in erster Linie die Kraft der Einzelnen gefordert, Wirksamkeit entfalte man durch den Zusammenschluss, durch Solidarität unter den Frauen und eine vom Glauben gespeiste Hartnäckigkeit. Damit würden am Ende auch große Veränderungen möglich.
Stele von großer Symbolkraft
Die Stele, die in diesem Moment während des Gottesdienstes noch in der Kirche steht, ist also auch hier wieder ein Bild von großer Symbolkraft: Die Frauen haben auf ihrer Oberfläche ein Mosaik aus lauter kleinen Glasscherben zusammengesetzt (wir berichteten). Jede ist ganz individuell geformt und für sich genommen eher unscheinbar, als Ganzes aber ergeben sie ein Bild, das vielfältig ist, bunt und eine Geschlossenheit ausstrahlt.
Schirmherrin Daniela Ludwig jedenfalls sah diesen solidarischen Zusammenschluss und das Bemühen um Außenwirkung geradezu als Auftrag: „Unsere moderne Gesellschaft verlangt mehr denn je nach einer Werteorientierung“, sagte sie, „das kann man an jeder Ecke feststellen.“ Im katholischen Glauben stecke sehr wohl ein Wertegerüst, das in seinen Grundprinzipien allgemein akzeptiert werden könnte. „Soll das jedoch der Fall sein, dann kommt man in der Kirche an den Frauen nicht mehr vorbei.“