Kolbermoor – Der Sorgfalt des Ingenieurbüros Grassl und des städtischen Bauamts ist es zu verdanken, dass die Stadt die Kosten von über 3,3 Millionen Euro nicht alleine tragen muss. Denn die Ausgangslage war aus Sicht der Bahn ursprünglich ganz klar: Ein Neubau der Unterführung liege nur im Interesse der Stadt, also müsse diese die Kosten alleine tragen. Selbst wenn die Bahn ihre in die Jahre gekommene Überführung hätte erneuern müssen, hätte sie dies nur im Ausmaß des jetzigen Bestands getan – das Nadelöhr wäre also geblieben.
Doch wurde Dr. Daniel Wingenfeld vom Ingenieurbüro Grassl (Planer für die Bahnüberführung) angesichts des Schotteraufbaus über der Unterführung stutzig. „Vermessungen durch das für die Stadt tätige Büro Roplan haben bestätigt, dass dieser Schotteraufbau nach den neuen Bauvorschriften um gut 20 Zentimeter zu niedrig ist“, erklärte Stadtbaumeister Andreas Meixner. Somit müsste die Bahn im Falle eines Neubaus also ebenfalls tiefer in den Untergrund gehen – so, wie es die Stadt ohnehin plant, um eine größere Höhe zu erreichen. „Somit ist ein beidseitiges Bauverlangen entstanden und die Bahn wird nun nicht nur selbst als Bauherr auftreten, sondern sich auch mit 41 Prozent an den Kosten beteiligen“, erläuterte Wingenfeld. Die Unterführung wird nun nicht nur deutlich breiter – mit zwei Fahrspuren, Gehbereich und abmarkierten Fahrradstreifen – sondern auch höher und zugleich kürzer.
Bahnverkehr
läuft weiter
Da der Bahnverkehr aufrecht erhalten bleiben muss und man nur spezielle Sperrpausen beantragen kann, wird die Unterführung in zwei Bauabschnitten erneuert. Begonnen wird im März 2020 auf der Südseite. Ab Juli 2020 soll es dann auf der Nordseite weitergehen (Bauzeitenplan siehe Kasten). Unter anderem sind im Norden und Süden Grundwasserwannen mit Stützmauern erforderlich, ebenso ein Regenwasserpumpwerk. Umgestaltet und abgesenkt werden muss außerdem die südliche Anbindung an die Unterführung. Diese Maßnahmen sind in dem Gesamtkostenpaket für die Eisenbahnüberführung enthalten.
Aufwendig wird auch die mit 725000 Euro veranschlagte und von der Stadt zu zahlende Absenkung (um einen Meter) und Umgestaltung der Straße Am Glasberg sowie der Grillparzer- und Bergstraße. Unter anderem sind zwei Querungshilfen für Fußgänger geplant. Der Kreisverkehr, der auf der Südseite an der Haßler-/ Bahnhofstraße gebaut wird, schlägt voraussichtlich mit 645000 Euro zu Buche. Zudem baut die Stadt eine eigenständige Geh- und Radwegbrücke in einer Stahlkonstruktion (Kostenpunkt: 310000 Euro).
Eineinhalb Jahre
für Verkehr gesperrt
Ob es denn keine Möglichkeit gebe, die Zeit der Vollsperrung zu verkürzen, wollte Markus Schiffmann (CSU) wissen: „Es handelt sich hier um wichtige Erschließungsstraßen für die Kolbermoorer, auch für die Geschäftsleute, die eineinhalb Jahre davon betroffen sein werden.“ Doch Dr. Wingenfeld und Georg Schollerer (Roplan) versicherten, alles bestmöglich berücksichtigt zu haben.
„Es wird eine grausame Zeit“, räumte Bürgermeister Peter Kloo ein. „Aber es wird nicht anders gehen.“ Sebastian Daxeder (CSU) sah auch zwei positive Seiten: „ Wir sehen endlich Land und werden die Fertigstellung doch noch erleben. Und die neue Unterführung bringt eine deutliche Verbesserung.“ Ein großes Lob sprach er dem Bauamt und den Planern dafür aus, dass sie den zu niedrigen Schotteraufbau entdeckt haben, der die Maßnahme nun in dieser Form ermöglicht. „Darauf muss man erst einmal kommen.“
Lob gab es auch von Dagmar Levin (SPD): „Diese Baumaßnahme ist gigantisch. Es ist enorm beeindruckend, was für Gedanken sich die Planer da gemacht haben. Die lange Sperrung ist ein zwar Riesenwermutstropfen, vor allem für die Fußgänger. Aber wir werden einmal sehr stolz auf diese Unterführung sein.“ Ein Überquerungsbauwerk für Fußgänger wird es während der Bauphase im Übrigen nicht geben: „Das wäre ein Treppenbauwerk über drei Stockwerke und noch über die Oberleitung drüber für 250000 Euro. Das benutzt niemand“, so Kloo.
Letztlich billigte der Stadtrat die Entwurfsplanung und stimmte der Vereinbarung über die „Eisenbahnkreuzungsmaßnahme“ mit der DB Netz AG zu. Geprüft werden sollen noch die frühest möglichen Termine zur Ausschreibung sämtlicher Arbeiten, um weiter steigende Kosten zu vermeiden. Auch will man versuchen, die Sperrung der Bergstraße durch eine provisorische Verbreiterung möglichst kurz zu halten, so Schollerer auf Nachfrage von Georg Kustermann (Grüne Liste).