Kolbermoor als Radlmekka mit Vision

von Redaktion

Aktionstag: Neue Verkehrswege geplant – Trassen vorgestellt – Buntes Programm

Kolbermoor – Ein kleiner Blick in die Zukunft: Es ist Freitagnachmittag in Kolbermoor und auf dem Rathausplatz findet eine größere Veranstaltung statt, doch auf den Zufahrtsstraßen ist davon nichts mitzubekommen. Die Teilnehmer treffen entspannt ein, keiner klagt, dass er auf dem Herweg ewig im Stau gestanden wäre und es nur noch knapp geschafft habe, keiner, dass Parkplätze nur noch in elender Entfernung zu finden seien, die eine Viertelstunde Fußmarsch nötig machten.

Was derzeit noch wie eine Utopie klingt, war am vergangenen Freitag bereits Wirklichkeit, denn die Veranstaltung, um die es ging, war der Radlaktionstag und so gut wie alle Teilnehmer waren mit dem Fahrrad gekommen. Bei den Teilnehmern handelte es sich nicht zuletzt um Bürgermeister und Gemeinderäte aus den umliegenden Gemeinden, denn ausgerichtet hat die Veranstaltung die SUR.

Das ist eine Arbeitsgemeinschaft, zu der sich die Stadt Rosenheim und zwölf umliegende Gemeinden seit 1996 zusammengeschlossen haben, um in allen kommunalpolitischen Fragen enger und effektiver zusammenarbeiten zu können.

Vorteile und Herausforderungen

Die heutige Verkehrsinfrastruktur ist in erster Linie aufs Auto hin optimiert und muss für einen verstärkten Fahrradverkehr erst tauglich gemacht werden. Welche Überlegungen man sich da im Gebiet der SUR schon gemacht hat, wurde auf dem Radlaktionstag in einer Reihe von Vorträgen vorgestellt, dazu ein buntes Rahmenprogramm, auf dem auch zu sehen war, was es auf dem Radlmarkt derzeit alles so gibt: Das Ganze war als Werbeveranstaltung für die Fortbewegung mit dem Fahrrad gedacht.

Das Ziel der Staatsregierung, bis 2025 20 Prozent des Verkehrs auf das Fahrrad zu bringen, ist bei einem derzeitigen Anteil von elf Prozent ehrgeizig. Breiten Raum nahm in den Vorträgen auch die Idee von Fahrradschnellwegen ein, die in zwei Trassen – von Feldkirchen-Westerham nach Stephanskirchen und von Brannenburg nach Schechen – das Gebiet der SUR durchziehen sollen. Die Hoffnung: Fahrradwege, die ein schnelles und entspanntes Vorankommen ermöglichen, könnten selbst Berufspendler aufs Fahrrad locken. Das Problem: Was über Land noch einfach zu bewerkstelligen ist, das flotte Vorankommen nämlich, wird schwierig, sobald man sich innerhalb der Gemeinden befindet: Hier wird der Fahrradverkehr vom bestehenden Vorrang des Autos eingebremst. Abhilfe, da waren sich alle Beteiligten klar, ist nicht einfach, denn sie kostet viel Geld, etwa dadurch, dass man versucht, den Fahrradverkehr über spezielle Bauwerke möglichst kreuzungsfrei auszulegen.

Die angedachte West-Ost-Trasse etwa liegt bei einer Kostenschätzung von gut 25 Millionen. Zwar signalisierte Karl Schumacher vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in seinem Vortrag, dass es hier deutliche Unterstützung vom Land geben werde, aber ein Problem bleibt. Stephanskirchens Bürgermeister Rainer Auer brachte es auf den Punkt: „Wir müssen auch deutlich sagen, dass die Stärkung des Fahrradverkehrs zwangsläufig zu einer gewissen Einschränkung beim Autoverkehr führen wird.“ Das nicht klar zur Kenntnis zu nehmen, wäre blauäugig, meinte er, denn der zur Verfügung stehende Platz sei einfach beschränkt, eine durchgehend eigene Verkehrsführung für die Radler damit aber schlicht nicht möglich und nicht finanzierbar. Dass eine solche „Autofahrerbenachteiligung“ schwierig, aber nicht unmöglich durchzusetzen ist, zeigte im Rahmen der Vorträge Brunella Franchini aus Bozen. Die Stadt in Südtirol brauchte für die Verkehrsumgestaltung 28 Jahre. Im Gebiet der SUR hat man die Absicht, die Planung der Radschnellwege voranzutreiben und hofft, schneller zu sein. Auch der Kritikpunkt etlicher Zuhörer, dass man bei aller Zukunftsplanung die bestehenden Radwege und ihren Zustand nicht unter den Tisch fallen lassen dürfe, scheint zumindest in Kolbermoor berücksichtigt zu werden.

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