Offene Wunde vor Schließung

von Redaktion

Für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses musste in Pullach der Bolz- und Kinderspielplatz weichen. Jetzt klaffe eine Wunde im „viergeteilten Ort“, meinen Bürger. Deshalb soll der Kolbermoorer Stadtteil neue soziale Treffpunkte erhalten.

Kolbermoor – „Das war ideal da hinten“, meint Hermann Tutschka. Er deutet hinüber auf die andere Straßenseite, wo ein Kran und Bauzäune stehen. Dort, zwischen Tankstelle und Pullacher Kreisel, entsteht bis Anfang 2020 ein 600 Quadratmeter großes neues Feuerwehrgerätehaus. Vor dem Spatenstich im April war ein kombinierter Bolz- und Spielplatz auf dem Gelände.

Pullach

empfindlich getroffen

Die dadurch „klaffende Wunde“ treffe den Ort empfindlich, betont Hans Zurl, Vorsitzender des SC Pullach. Er sitzt mit Tutschka, der sich als Ortskartellvorsitzender um die Angelegenheiten der fünf Pullacher Vereine kümmert, und fünf weiteren Bürgern im alten Feuerwehrhaus zusammen. Sie alle sind in Vereinen des Kolbermoorer Ortsteils engagiert. Sie wollen den Ort mit Leben erfüllen.

Der Fußballverein war zum Beispiel treibende Kraft hinter dem Spielplatz. Dieser wurde 2013 angelegt. Fußballverein und Bolzplatz waren bereits 2003 gegründet worden. Zurl sagt: „Wir haben gesehen, was es Positives für Pullach getan hat.“ Die Bürger sehnen sich nach dieser Geselligkeit in ihrem Ort, der durch den Kreisel und die abfließenden Straßen „viergeteilt“ sei. Pullachs Einwohnerzahl hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Besonders stark ist die Entwicklung im Bereich der Kinder und Jugendlichen: Waren es 1998 noch 31, hatte Pullach im Vorjahr 115.

Die Kinder sind da, sagt Zurl, „aber uns fehlt aktuell ein zentraler Treffpunkt für sie“. Wer mit seinem Nachwuchs oder Enkeln auf den Spielplatz will, der fahre jetzt nach Willing, Bad Aibling oder Kolbermoor. „Da spielt sich dann das Leben ab.“

Fünf Kilometer

zum Heimspiel

Der SC Pullach 03 fährt nach Kolbermoor, um seine Heimspiele auszutragen. War es früher die Turner Alm des SV-DJK, ist nun der Platz an der Pauline-Thoma-Schule die Heimspielstätte des SC. Jede Partie dort ist mit einigem Aufwand verbunden, sagt Zurl: Trikotboxen, Ausrüstung, Getränke, Kuchen – „alles müssen wir von Pullach dorthin karren“. Der SC hat an der Heimspielstätte keinen Abstellraum. „Wir müssen jedes Mal komplett ein- und ausziehen.“

Rund fünf Kilometer sind es von Pullach aus zu den „Heimspielen“. Die Distanz mache sich in der Zuschauerzahl bemerkbar, meint Anton Bauer, stellvertretender SC-Vorsitzender. Spontane Pullacher Besucher kämen selten für das Spiel und die Geselligkeit vorbei. 45 Zuschauer verfolgten das Heimspiel gegen LR 1981 Kolbermoor.

„Wir werden öfter gefragt: ‚Pullach – wo spuit‘s es eigentlich?‘“, sagt Hubert Stadler, Kassier des SC. Er wünscht sich eine eigene Sportanlage, „einen Ort, wo du sagst: Do bist dahoam“.

Und das nicht nur, was das Sportliche betrifft. Einen Treffpunkt nach den Spielen wie ein Sportheim hat der SC nicht. Und wer aus Kolbermoor komme, mache im bestehenden Feuerwehrhaus keinen Zwischenstopp, meint Bauer: „Nach den Spielen zerstreut sich alles in alle Himmelsrichtungen. Wenn der Platz und die Kabinen in der Nähe wären, hast du mehr Belebung im Feuerwehrhaus.“

Planungen für Ersatz laufen seit 2015

Die Stadt Kolbermoor hatte bei den Pullachern die Hoffnung geweckt, dass sie eine eigene Sportanlage bekommen. Im Sommer 2015 genehmigte der Stadtrat den Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses im Ortsteil. Dabei sprach sich das Gremium nicht nur für eine Verlegung von Bolz- und Kinderspielplatz aus – es kalkulierte auch 188000 Euro für die Pullacher Fußballer ein. Bürgermeister Peter Kloo sprach von einer „Chance, die Sportanlage ganz neu zu planen.“ Der Pullacher Sportverein solle eine Perspektive bekommen, die er auf dem bisherigen Gelände nie gehabt hätte. Um welches Gebiet es sich dabei handelt, dazu hielt und hält sich Kloo bedeckt. Der SC reichte bereits nach Aufforderung ein eigenes Konzept für einen Fußballplatz bei der Stadt ein. „Es wurde auch für gut befunden“, sagt Zurl.

Die Fußballer suchten seitdem immer wieder Gespräche mit der Stadt. Als dann aber der Neubau des Feuerwehrgerätehauses begann und weder eine Verlegung des Bolz- noch des Kinderspielplatzes in Sicht war, wurden die Pullacher unruhig. Zurl: „Wie es ohne Platz mit uns weitergehen soll, ist fraglich. Wir sind an den Grenzen. Wir können sportlich und als Gemeinschaft nicht wachsen.“

Nun glimmt bei den Pullachern aber wieder Hoffnung auf, dass zumindest die „Wunde“ geschlossen wird und Pullach wieder soziale Anlaufstellen bekommt. Bürgermeister Kloo erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass die alten Brunnen im ehemaligen Pullacher Brunnengebiet gezogen werden: „Dies wird in diesem Jahr passieren, die Aufträge sind bereits vergeben.“ Die Stadt wird – wohl im nördlichen Eck – einen Bolzplatz anlegen, dessen Wiese verdichtet wird. Wie Kloo zudem sagt, „ist die Idee noch nicht gestorben“, dass der SC Pullach 03 noch eine eigene Sportanlage erhält.

Bezüglich des Kinderspielplatzes hat sich die Stadt festgelegt: Die Anlage soll nach Aussage Kloos – zuerst einmal in provisorischer Form – ans alte Feuerwehrhaus kommen. Der Bürgermeister sieht es als Pullacher „Ortszentrum“ an.

„Wenn es so

kommt, ist es gut“

Die Pullacher nehmen Kloos Aussagen erfreut, aber auch mit Zurückhaltung auf. Tutschka erfuhr vom Mangfall-Boten über den Beschluss der Stadt. Er hätte zwar lieber den Bolz- und den Kinderspielplatz nebeneinander, „aber wenn es jetzt so kommt und es auch zeitnah passiert, ist es auch gut. Dann tut sich bei uns wieder was“.

Zum Beispiel im alten Feuerwehrhaus, das laut Sigi Ebert bei den Einheimischen seit Kurzem als „Vereinsheim“ firmiert. Das soll es auch bleiben, aber es müsse noch stärker mit Leben gefüllt werden, meint Ebert. „Vor 30 Jahren war im Feuerwehrhaus mehr los“, sagt Tutschka. „Gerade wird es von den Jungen nicht mehr so genutzt. Die Fußballer, mit eigenem Platz im Ort, wären ein Zugpferd und es würden wieder mehr Leute kommen.“

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