Heide Hausers starke Stimmen

von Redaktion

Der Frauenchor der Stadtsing- und Musikschule feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Aber die Freude ist getrübt, die Frauen sind traurig und können es nicht fassen, dass ihr Mitglied Maria Echtler so plötzliche verstorben ist (wir berichteten).

Kolbermoor – Es war königlich: Im Schloss „Sans Souci“ in Potsdam erhoben die Damen des Frauenchores der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor ihre Stimmen und legten los. Geplant war das nicht: Bei einem Besuch der Stadt samt Auftritt in einer nahegelegnen Kirche haben die Frauen an einer Schloss-Führung teilgenommen – die Reiseführerin hatte erfahren, dass es sich bei den Frauen um einen Chor handelt und bat um ein Ständchen. Ganz spontan erhoben sie ihre Stimmen. „Ein unvergessliches Ereignis“, erinnert sich Silke Büttner (54).

Jeden Montag

proben die Frauen

Sie ist eine von 20 Frauen, die den Frauenchor zum Klingen bringen. Eigentlich waren es bis Ende Mai 21 Frauen, der plötzliche Tod von Maria Echtler reißt eine Lücke in die Truppe. „Wir können es nicht fassen“, sagt Leiterin Heide Hauser, die den Chor 1999 gegründet hat. Dennoch haben sich die Frauen entschieden, das Konzert am Freitag, 28. Juni, ab 19 Uhr beim Kistlerwirt in Bad Feilnbach zu geben – für Maria.

Dafür wird jetzt geübt. Jeden Montag trifft sich die Truppe von 18 bis 20 Uhr in der Musikschule: Und dann geht es los. Das Repertoire umfasst alpenländisches, geistliches und weltliches ein Streifzug durch die Jahrhunderte –bis zu modernen, zeitgenössischen Werken. Und wer denkt, da treffen sich Frauen, um zu ratschen und ein bisschen herumzuträllern, der irrt: „Die Messlatte liegt hoch“, sagt Hauser. Wer seine Stimme verbessern möchte, kann bei ihr zur „Stimmbildung“ gehen –das bietet sie einmal wöchentlich an.

Denn ihr entgeht nichts: „Ich höre jede Stimme“, sagt sie und lacht. Heißt im Klartext: Niemand kann sich verstecken. Aber das wollen die Frauen auch nicht, denn sie finden den Anspruch Hausers sehr gut. „Andernfalls würden wir ja nicht vorwärtskommen“, sind sie sich einig.

Hauser: „Ich habe eine gewisse Klangvorstellung – und die Stimmen forme ich, bis es homogen klingt“. Die Strenge gibt ihr Recht: Die Frauen sind erfolgreich, treten fünf- bis zehnmal jährlich in Kolbermoor und dem Umland, darunter auch beim Maxlrainer Kultursommer, auf.

Gesungen haben sie auch schon im Prinzregententheater und im Herkulessaal der Residenz in München, unter anderem mit dem Münchner Polizeichor. Ihr Resümee: „Wir sind über dem Boden geschwebt“, sagt Hauser und lacht. Ein Erlebnis, das sie nie vergessen.

Jedes Konzert hat seinen Reiz, so die Leiterin. Und Sängerin Barbara Grießl ergänzt: „Am liebsten treten wir vor heimischem Publikum auf.“ Die anderen stimmen zu. Schließlich ist Kolbermoor das Zuhause.

Angefangen hat ohnehin alles in der Mangfall-Stadt: 1999 gestaltete Hauser mit acht Gesangsschülerinnen eine Matinee. „Wir hatten viel Freude daran und so entstand die Idee, einen Frauenchor ins Leben zu rufen“, sagt Hauser. Das ist 20 Jahre her. Und wenn es nach den Frauen geht, freuen sie sich auf die nächsten 20 Jahre. Auch Heide Hauser, die nicht ans Aufhören denkt – und das danken ihr die Sängerinnen, die die Zusammenkünfte lieben: Die Proben am Montag, die Auftritte und die Gemeinschaft.

Was bedeutet Ihnen der Frauenchor Kolbermoor?

Heide Hauser (72) Chorleiterin: „Mich macht der Chor glücklich. Es ist einfach ein Gemeinschaftserlebnis. Singt man alleine ist man ja ein Einzelkämpfer. Die Harmonie, die Schwingungen ergreifen meine Seele. Es ist einfach faszinierend im Chor zu singen“

Barbara Grießl (53), Notenwart: „Mir bedeutet der Frauenchor sehr viel. Es ist wie eine Familie, eine Gemeinschaft –ohne die ich es mir nicht vorstellen kann. Es sind Freundschaften daraus entstanden, die ich auf keinen Fall missen möchte.“

Monika Hofmann (55), Sängerin: „Der Wunsch zu singen war bei mir immer vorhanden. Seit 15 Jahren singe ich im gemischten Chor. Seit 2011 bin ich beim Frauenchor dabei. Ich finde das Repertoire und die Gemeinschaft toll. Es ist wie eine Familie.“

Silke Büttner (54), Sängerin: „Ich habe früher in Potsdam gesungen und als ich nach Kolbermoor gezogen bin wollte ich gerne weitersingen. Dann habe ich von der Chorwoche in Bad Feilnbach gehört. Aber ich kann ja kein bayerisch, habe ich damals gedacht. Dennoch habe ich Heide Hauser angesprochen, die mir sagte, dass es kein Problem sei, schließlich sei bayerisches Repertoire nicht der Schwerpunkt. Seither bin ich dabei und ich bin begeistert. Die Gemeinschaft und das Klangerlebnis sind so toll.“