Oans, zwoa, g‘schuftet!

von Redaktion

Reporterin hilft an der Kolbermoorer Wiesn-Schänke

Kolbermoor/Wasserburg – „Beim Einschenken muss man sich Zeit lassen – wie bei einer Frau“, sagt Norbert Schrank und lacht. Der Kolbermoorer ist der Schankmeister im Festzelt auf dem Wasserburger Frühlingsfest und für die nächsten Stunden mein Chef. Als Reporterin der Wasserburger Zeitung versuche ich mich als Schankkellnerin. Ein Knochenjob – wie mir durch jahrelange Gastronomie-Erfahrung vorab bewusst war.

Fassl heben und umzapfen, Krügerlkisten und Träger auftürmen oder wegtragen, einschenken, spülen und das Ganze zack-zack. Dass hier hart geschuftet wird, vergisst man fast, bei der guten Laune und dem Schmäh, mit dem alle Beteiligten an der Wiesnschänke ihren Dienst verrichten.

Schänke in Familienhand

Das liegt auch an Norbert Schranks Charme – und dem Umstand, dass die Schänke fast ein Familienbetrieb ist. Norbert hat Sohn Seppe, Schwiegersohn Flori, Bruder Klaus, Cousin Christian und Neffe Simon an Board. Beim Rosenheimer Herbstfest wird die Runde erweitert. Norbert, der am Bauhof in Rosenheim angestellt ist, ist ein Schankmeister, wie aus dem Bilderbuch. Sein gemütliches Wohlstandsbäuchlein täuscht. Auch wenn er selbst im größten Stress keine Hektik aufkommen lässt, gleichzeitig hoch konzentriert arbeitet und freundlich zu den Bedienungen ist – er werkt und wetzt, sodass nie ein Stau an der Ausgabe entsteht. Seine 30-jährige Erfahrung am Zapfhahn ist nicht zu übersehen. „Rüssel ganz rein, voll aufdrehen und nach vier Sekunden zu“, erklärt er mir. Dann steigt der Schaum schön hoch und die Mass aus der Privatbrauerei von Gut Forsting ist perfekt eingeschenkt. Er deutet auf den Eichstrich.

Erste Mass

gelingt perfekt

Meine erste Mass gelingt mir perfekt. Juchzer und Applaus ernte ich von der Schrank-Familie. Bei der Zweiten macht mir ein ungeduldiger Ober Beine, „s’Bier werd’ warm“ rügt er mich und prompt lass‘ ich zu viel Schaum in den Krug. Lachend erlöst mich Norbert und schickt mich geduldig wieder an den Limo-Posten, wo ich mit Klaus die Radler vorbereite und sie am Schanktisch so postiere, dass Norbert und sein Sohn Seppe (32), die gerade im Akkord einschenken, zufrieden sind. Griffe immer Richtung Ausgabe, kapier’ ich schnell.

Nach zehn Minuten ist es kurz ruhiger. Zeit, neue Krüge aus der Spülstraße zu holen und sie mit Limo halb zu füllen. Dafür gibt es die Limo-Pistole, die an einem Schlauch hängt, der mit dem Kühlwagen verbunden ist. Hier stehen drei 50-Liter-Fässer Limo in einer Serienschaltung. Wenn die leer werden, hustet‘s und zischt‘s aus der Limo-Pistole, die sonst in Sekundenschnelle die Krüge zur Hälfte auffüllt.

Wenn es an einer Stelle nicht flutscht, ist klar, wer Schuld hat. Das Weiberleut, das die Mannerleut abgelenkt hat. Mit Blick auf seinen Bruder, den Schankmeister, sagt Klaus, „die Bedienungen lieben den Norbert“. Mit viel Witz erzählt er Anekdoten. 28 Mass Bier in einer Minute hat er auf der Münchner Wiesn gezapft. „Da haben‘s g‘schaut, die Mingara.“ Apropos Oktoberfest. Auf Nachfrage sagt der Wiesn-erprobte Schankmeister, dass es ein Urteil vom Bundesgerichtshof gegen „schlecht eingeschenktes Bier“ gibt. In München hat der „Verein gegen betrügerisches Einschenken“ dem Unterschank den Kampf angesagt. Das Prozedere kennt er, denn in München rücken die Kontrolleure mit dem Zentimetermaß an. Auf dem Frühlingsfest braucht‘s das nicht. Festwirt Schorsch Lettl will zufriedene Gäste und, dass gut eingeschenkt ist.

Trinken nicht

vergessen

Norbert hält mir sein Weißbier hin. „Trinken nicht vergessen, denk an dieFlüssigkeitszufuhr“, ermahnt er mich. Auch mit Klaus zische ich zwischen den Phasen, wo wir am Limoposten gut zu tun haben, um den Radler-Nachschub zu gewährleisten, „oiwei nur oa Aug“. Er schenkt mir und sich selbst ein paar Zentimeter Helles ein, sodass die untere Reihe an Kreisen im Krug, also „ein Auge“, bedeckt ist.

Mehr nicht. Nur so bleibt der Gerstensaft frisch. Wie viele Augen es bis zum Schankschluss um 23 Uhr sind, hat man besser im Griff, acht Augen sind schließlich zwei Mass. Also strecke ich meine Flüssignahrung mit Brause.

Als ich sehe, wie eine Kellnerin 14 volle Krüge stapelt und schleppt, komm ich mir mickrig vor. Obwohl ich einen bedeutenden Job an diesem Abend mache. „Der Limo-Posten ist sehr wichtig“, bestätigt Norbert. Weil‘s Radler gefragt sei. Der Konsum des Mischgetränks nehme zu. Auch Frauen trinken lieber Radler. „Bei der Hitze und viel Durst, ist das Radler die richtige Wahl.“ Bier knallt da zu sehr rein. „Die Leute wollen nicht um 22 Uhr bummvoll sein, sondern länger durchhalten“, sagt Silvia Obermaier von der Weißbier-Bar. kla

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