Kolbermoor – 4000 Stechmücken verzehrt eine Fledermaus am Abend, wenn es dunkel ist. Da es derzeit um 21 Uhr noch ziemlich hell ist, sind beim Start der ersten Kolbermoorer Fledermausführung des Bund Naturschutz mit Klaus Dehler auch noch viele Mücken unterwegs. Heißt: Das Abendessen der Fledermäuse steht noch aus.
Dehler startet mit rund zehn Teilnehmern am Alten Kesselhaus die Mangfall entlang Richtung Spinnerei-Insel. „Dort ist ein beliebter Einkehrort der Fledermäuse“, sagt er. „17 Arten gibt es in unserem Teil Bayerns und drei davon – den Abendsegler, die Wasserfledermaus und die Zwergfledermaus – kann man dort sehen.“
Säuger sind
gut zu hören
Nun ja: „sehen“ ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Zumindest am Anfang, denn es braucht Zeit, bis sich Auge und Reaktionsvermögen angepasst haben. Meist sieht man, wenn einer der anderen Teilnehmer ruft „da, da ist eine“. Hören aber kann man sie von Anfang an gut, denn Dehler, der sich in seiner Freizeit ganz diesen Säugern verschrieben hat, hat einen Detektor dabei. Der setzt die Ultraschall-Laute, mit denen sich die Fledermäuse orientieren, in Frequenzen um, die der Mensch wahrnehmen kann. Und das, was aus dem Detektor tönt, ist ein unaufhörliches Zwitschern. Fledermäuse, so der Eindruck, müssen geschwätzige Tiere sein.
Wasserfledermaus
über der Mangfall
Das ist sogar halb richtig: Zwar dienen die Geräusche, die im Moment zu hören sind, allein der Orientierung. In ihren Schlafquartieren „unterhalten“ sich die Tiere allerdings lebhaft. Das tun sie allerdings in tieferen Frequenzen, die man teilweise auch ohne Hilfsmittel wahrnehmen kann.
Die Fledermaus plaudert also in tieferen Tönen, sie „sieht“ mit hohen. Warum? Ihr Gehirn muss Sehen und Hören trennen. Außerdem sei es anstrengend, so hohe Töne auszustoßen, vor allem weil das, wie Klaus Dreher erklärt, in ganz enormer Lautstärke geschieht. „In menschliche Frequenzen übersetzt, kämen die Schreie dem Geräuschpegel eines Presslufthammers gleich.“ Und warum wird die Fledermaus nicht binnen kurzem vom eigenen Lärm stocktaub? Sie hat einen Trick: sie koppelt in dem Augenblick, in dem sie schreit, ihren Gehörknochen aus, sodass sie ihren Schrei nur gedämpft, das Echo aber ganz normal wahrnimmt. Das sei schon sehr anstrengend, deshalb setzt sie die Laute vor allem zur Jagd ein. Zur normalen Orientierung setzt sie auf eine Landkarte im Kopf, da sie mit den Augen nur Hell-Dunkel-Kontraste erkennt.
Die Landkartenmethode hat aber auch ihre Nachteile. Versuche, so Dehler, haben gezeigt, dass es ausreicht, einen Fledermauskasten einen halben Meter zu versetzen, um der Fledermaus ihre Heimkehr vorübergehend unmöglich zu machen: Dort, wo nach der Landkarte im Kopf das Zuhause sein müsste, ist ja im Moment nichts mehr.
Wer Fledermäuse am Haus hat, sollte wenig verändern – „und idealerweise das Fledermausvorkommen bei der Unteren Naturschutzbehörde melden“. Um den Bestand der geschützten Tiere zu sichern, sei ein Überblick über die Vorkommen wichtig.
Mittlerweile ist es bei der Führung sehr dämmrig geworden. Die Zeit der Wasserfledermaus ist angebrochen und damit hat auch der Laie die Chance, eines der Tiere zu sehen: Sie jagen nah über der Wasseroberfläche, deshalb sind sie leicht zu erkennen. Wenn man mit einer Taschenlampe über die Mangfall leuchtet, huschen immer wieder welche durchs Licht. „Wer der Fledermaus gegenüber rücksichtsvoll sein möchte, stülpt über die Taschenlampe einen schlichten Hundekotbeutel. Der färbt das Licht leicht rot und macht es für das Tier weniger störend“, erklärt Dehler. Auch für den Laien besteht also die Chance, beim nächsten Abendspaziergang ganz neue Bekanntschaften zu machen. Weitere Führungen sind: 26. Juni sowie 10./24. Juli. Treffpunkt ist um 21 Uhr am Kesselhaus in der alten Spinnerei, gutes Wetter vorausgesetzt: Bei Regen bleibt auch die Fledermaus zuhause und macht sich kopfunter hängend einen schönen Abend.