Kolbermoor – „Nein“ sagt die Bürgerinitiative zum geplanten Krematorium am Neuen Friedhof. Die Argumente, die die Kolbermoorer Gegner anführen, sind: „Geruchs- und Lärmbelästigung, Schadstoffe in der Luft, erhöhte Verkehrsbelastung und Zerstörung der Natur“, sagt Klaus Zirngast, Mitinitiator der Bürgerintiave, deren Kern rund 20 Personen umfasst.
Auch Zirngast und weitere Gegner waren auch bei der Informationsveranstaltung im Mareis-Saal (wir berichteten). Klaus Zirngast sagt: „Die Buh-Rufe fand ich schlecht.“ Aber: „Die Leute sind halt sauer.“
Initiative favorisiert
Ratsbegehren
Deshalb hat die Bürgerinitiave jetzt vor, ein Bürgerbegehren zu starten. Allerdings unter Vorbehalt: „Wir wollen, dass sich die Stadt unseren Fragen stellt.“ Die Initiative hat Bürgermeister Peter Kloo diesbezüglich ein Schreiben geschickt.
„Passiert binnen der nächsten zwei Wochen nichts, werden wir ein Begehren auf den Weg bringen.“ Die Gruppe favorisiert allerdings ein Ratsbegehren. Das heißt: Bei einem Ratsbegehren gibt der Stadtrat die Entscheidung, die normalerweise er treffen würde an die Bürger ab.
Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Verwaltung wird jetzt beauftragt ein Ratsbegehren zu prüfen“, sagt der Rathauschef. „Wir haben das ja noch nie gemacht.“ Zum zeitlichen Ablauf kann er binnen der Kürze der Zeit noch nichts sagen, erklärt er.
Ziel sei es unter anderem auch, den Populisten keinen Raum zu geben, erklärt Kloo, der über die „Qualität der Diskussion bei der Infoveranstaltung sehr erschrocken“ war.
Auch darüber, dass die kirchlichen Vertreter ausgebuht worden sind. Sie hatten keine Möglichkeit, ihre Argumente für das Krematorium am Neuen Friedhof vorzubringen.
Die evangelische Pfarrerin Birgit Molnar sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass in der Zukunft Feuerbestattungen weiter zunehmen werden.
Gerade deshalb halte sie den Bau eines Krematoriums für unerlässlich. Bis zu vier Wochen könne es wegen der Wartezeiten aktuell dauern, bis eine Feuerbestattung stattfinden kann.
„Das ist für die Trauernden einfach zu lange.“ Darüber hinaus: „Die Nähe zum Friedhof und zur Aussegnungshalle finde ich sinnvoll.“ So können die Angehörigen auch in der Aussegnungshalle, die knapp 100 Menschen fasst, die Trauerfeierlichkeiten abhalten. Denn der Trend nehme zu, dass Trauergottesdienste in Aussegnungshallen stattfinden, so Molnar. Außerdem erklärt sie: „Der Platz der Toten ist der Friedhof.“
Tod gehört zum Leben – auch für Kinder
Das sieht das Seelsorgerteam der katholischen Stadtkirche genauso. „Für uns ist der Tod Teil des Lebens. Ein Krematorium im Friedhof bietet die Gelegenheit, den Tod wieder stärker als Teil des Lebens wahrzunehmen.“
Das Seelsorgerteam sagt: „Leider ist es nur sehr selten der Fall, dass wir eine kirchliche Aussegnung vor der Kremation feiern können“. Das sei für den Trauerprozess aber besonders wichtig, „den Menschen vor der Kremation mit all den Zeichen zu verabschieden, die uns zur Verfügung stehen“ Auch Kinder und Jugendliche müssen lernen, dass der Tod zum Leben gehört, sagt das Seelsorgerteam.
„Es muss ihnen auf angemessene Art vermittelt werden, sie müssen sprachfähig werden im würdevollen Umgang mit einem verstorbenen Menschen.“
Die Gegner prangern wie berichtet immer wieder an, dass „gleich nebenan der Sportplatz mit vielen Kindern sei“.