Leserbrief zum Artikel „Krematorium sorgt für hitzige Diskussionen“ im Lokalteil:
„Die Info-Veranstaltung war wichtig und informativ. Danke an Bürgermeister Kloo und die anwesenden Fachleute. Leider haben sich nicht alle Gegner so aufgeführt, wie es sich für zivilisierte Mitbürger gehört. Mit Buh- und Zwischenrufen Redner zu unterbrechen, um andere Argumente nicht zu hören, Vertreterinnen der Kirchen erst gar nicht ihre Sichtweise darlegen zu lassen, zeugt von ungehörigem Benehmen, Unwürdig!
Danke auch an Frau S., die ihre Meinung mit den passenden Worten darlegte. Auch meine Meinung ist: Der Tod gehört zum Leben, und neben einem Friedhof, Krematorium, darf man sich auch freuen und spielen.
Ich hoffe, dass bei einer nächsten Veranstaltung sich die Gegner an eine gepflegte Debattenkultur halten. Diese Würde hat der Tod eines Menschen verdient.“
Holger Mairoll
Kolbermoor
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„Die Veranstaltung zur Errichtung eines geplanten Krematoriums brachte in eindeutiger Weise ein erhebliches Demokratiedefizit ans Licht. Man nimmt zwar vollmundig das Recht einer unmittelbaren Bürgerdemokratie in den Mund, billigt dies aber andererseits Andersdenkenden nicht zu. Dies stellt aber im Gegenteil keine Ausdrucksform von Demokratie, sondern von massiver Autokratie dar, nach dem Motto: Nur die eigene Meinung zählt.
Ein ,gutes‘ Beispiel für unsere Jugend. Wenn Andersdenkenden und auch Kirchenvertretern das Wort unter lauten Buh-Rufen abgeschnitten wird, so ist dies Ausdruck einer erheblichen gesellschaftlichen Verwahrlosung, die auch anderweitig zu verzeichnen ist.
Argumentativer Austausch scheint dieser Gruppe fremd zu sein; ganz abgesehen davon, dass offensichtlich auch Tatsachen verdreht werden. Mit ,Geifer‘ lässt sich kein Problem lösen. Zum Schluss: Hinsichtlich der beanspruchten Pietät fragt man sich bezüglich deren Zielrichtung. Doch wohl nicht gegenüber den Verstorbenen, die man zynisch nur unter dem Blickpunkt eines ,Leichentourismus‘ betrachtet. Wie weit sind wir doch ge-(ver)kommen.“
Erich Endter
Kolbermoor