Kolbermoor –Bevor die Stadtratssitzung am Mittwoch abend im Rathaus begann, standen rund zehn Bürger vor dem Gebäude und hielten Plakate hoch: „!Stopp! Industrielles gewinnorientiertes Krematorium“ und „100 Urnenbegräbnisse im Jahr in Kolbermoor rechtfertigen keine Industrieanlage mit 7000 Verbrennungen im Jahr“ stand darauf.
Sie und weitere Bürger waren zur Sitzung wegen des Tagesordnungspunktes „weiteres Vorgehen Ratsbegehren Feuerbestattungsstätte“ gekommen – bei einem Ratsbegehren gibt der Stadtrat die Entscheidung, die normalerweise er treffen würde, an die Bürger. Bürgermeister Peter Kloo sagte: „Dieses Thema weckt viele Emotionen.“ Kurz: Die Bürger sollen via Ratsbegehren entscheiden – dem stimmte der Rat geschlossen zu.
Was den zeitlichen Rahmen und die Fragestellung betrifft, dazu konnte der Rathauschef noch nichts sagen. Nur soviel: Wenn alles nach Plan läuft, soll im Juli das Ratsbegehren noch formal vorgestellt werden –„dann steht auch die Frage fest“, so Bürgermeister Kloo auf Anfrage unserer Zeitung.
Dagmar Levin (SPD) begrüßte die Entscheidung, so könne der Dampf herausgenommen werden, sagte sie. Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) erklärte: „Bei diesem emotionalen Thema darf die Bevölkerung nicht gespalten werden.“ Und: „Es sollen vernünftige Informationen an den Mann gebracht werden.“
Des Weiteren riet Kerim Bacak (Parteifreie Kolbermoor), zum Krematorium Traunstein zu fahren, um Vorurteile abzubauen und sich ein Bild zu machen. „Ich habe dort nichts gerochen und nichts gehört.“
Tobias Müller (CSU) wollte genaueres in Bezug auf Fragestellung des Ratsbegehrens wissen: „Man muss mehrschichtig abfragen, dass auch der Standort Teil der Frage ist.“ Rathauschef Kloo sagte daraufhin, dass er wie gesagt, dazu „noch nichts sagen kann“.