Kolbermoor – Nach Feldkirchen-Westerham, Bad Aibling und Bruckmühl hat nun auch Kolbermoor beschlossen, eine Sicherheitswacht aufzubauen. Das hat der Stadtrat jetzt mit einer Gegenstimme in seiner jüngsten Sitzung entschieden. „Ziel ist es, die Sicherheit der Bürger zu stärken“, sagte Polizeirat Mario Huber, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, der über die Sicherheitswacht informierte. Im Herbst könne gestartet werden, sagte Huber – „vor den Christkindlmärkten“.
Schon lange bei der Sicherheitswacht Rosenheim ist Jan Steffen Strygowski, der auch zu Gast war. „Ich möchte ein Quäntchen dazu beitragen, dass 14-, 40- und 80-Jährige sich sicher fühlen und durch jedes Viertel gehen können“, erklärte er seine Motivation – egal ob in Parks, in der Innenstadt oder auf dem Friedhof. Eine „wandelnde Notrufsäule“, quasi. Das begrüßte auch Bürgermeister Peter Kloo (SPD). So könnten beispielsweise die Hundehalter auf die Anleinpflicht hingewiesen werden – „Präsenz ist wichtig“, so der Rathauschef.
Sicherheitswacht
ist keine Bürgerwehr
Das Ziel des Projektes, das vom Bayerischen Innenministerium gefördert und unterstützt wird, ist: Bürger helfen Bürgern, die Sicherheitswacht übernimmt eine Vorbildfunktion und ist Ansprechpartner vor Ort, so Huber. Wichtig war ihm: Polizeiliche Aufgaben bleiben unberührt. Obendrein betonte er mehrfach, dass die Sicherheitswacht keine Bürgerwehr sei, schließlich sei sie unter „staatlicher Aufsicht“. Die Mitglieder durchlaufen Bewerbungsverfahren, werden geschult und bekommen Fortbildungen – alles seitens der Polizei.
Das bestätigte auch Strygowski. Er erklärte, dass die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung groß sei. So wurde er beispielsweise von einer Frau auf dem Friedhof angesprochen, die sich sicherer fühle, wenn die Sicherheitswacht vor Ort sei.
Und die Mitglieder der Sicherheitswacht sind leicht zu erkennen: Sie tragen einheitliche Pullover und Jacken samt Aufschrift „Sicherheitswacht“. Sie sind immer zu zweit unterwegs, höchstens vier Stunden pro Schicht, maximal 24 Stunden im Monat. Währenddessen sei die Polizei immer für die Sicherheitswacht ansprechbar, per Digitalfunk. Als Aufwandsentschädigung gebe es acht Euro pro Stunde.
Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) sagte: „Keiner hat etwas gegen erhöhte Sicherheit.“ Allerdings fragte er, ob es zu wenig Personal bei der Polizei gebe. „Die Polizei wurde durch die Politik kaputtgespart“, sagte Georg Kustermann (Grüne Liste Kolbermoor). Das sah Dagmar Levin (SPD) genauso: „Es wurden einfach nicht genügend Leute herangezogen.“ Eine Sicherheitswacht sei löblich, aber wie wolle man im Vorfeld „Rambo-Allüren“ ausschließen?
Um ein „Rambo-Tum“ unterbinden zu können, erklärte Huber, werden Gespräche geführt und Einsätze begutachtet. Außerdem müsse jedes Mitglied eine vierwöchige Ausbildung absolvieren und vier Fortbildungen im Jahr. Dennoch: „Eine Garantie gibt es keine.“ Sollte trotzdem die Macht missbraucht werden, werde derjenige „nicht mehr eingesetzt“, so Huber.
Flexibles
Dienstmodell
Darüber hinaus wurde auch über die Einsätze gesprochen, ob es täglich feste Gruppen an bestimmten Orten gebe oder nach dem Gießkannenprinzip verfahren werde, fragte Levin. Es sei ein flexibles Dienstmodell, so Huber. Obendrein wollte Dr. Berthold Suldinger (SPD) noch wissen, wie die Mitglieder ausgestattet sind: „Mit Schlagstöcken?“, fragte er. Lediglich mit Tränengas und Funkgeräten, sagte Strygowski.