„Alles Augenwischerei“

von Redaktion

Brenner-Nordzulauf Rund 370 Bürger besuchten DB-Infoabend im Mareis-Saal

Kolbermoor – Anwohner Erwin Filip findet die Trassenführung durch die südlich gelegenen Filze „völlig unverantwortlich“, sagte er bei der Infoveranstaltung „Brenner-Nordzulauf“ von der Deutschen Bahn, die am Freitag im Mareis-Saal stattfand. Er war einer der rund 370 Bürger, die sich informierten – anhand von Schautafeln und bei den Mitarbeitern der Bahn. Vor Ort war auch Bürgermeister Peter Kloo: „Man muss es zugestehen: Ihre Aufgabenstellung hat die Bahn gut gelöst. Die Frage ist nur, ob die Aufgabenstellung die richtige ist.“

„Bahn ist ausführendes Organ“

Kloo sah sich dabei durchaus auch als Moderator. Und wurde in dieser Rolle nicht müde, auf die Tatsache zu verweisen, dass die Bahn bei der Planung des Brenner-Nordzulaufs nur ausführendes Organ ist, um einen von der Politik gegebenen Auftrag umzusetzen. Sie bemühe sich dabei um Transparenz und Offenheit, so der Rathauschef.

Allerdings habe sie dabei „schlechte Voraussetzungen“: Die „durch politische Vorgaben kaputt gesparte Bahn“ habe infolge Unpünktlichkeit, ausfallender oder überfüllter Züge in der Öffentlichkeit ein „dermaßen schlechtes Bild“. So traue man ihr auch bei den Planungen nicht über den Weg, so Kloo. Dazu werde der Einfachheit halber, die Trennung zwischen politischem Auftrag und planerischer Ausführung gar nicht erst vorgenommen. Die Bahn wird mit der Politik gleichgesetzt und bei der, so scheint es, halten viele Bürger alles für möglich.

Wie zum Beispiel das junge Pullacher Ehepaar, das vor den Grobtrassenplänen stand und meinte: „Das ist doch alles Augenwischerei, die haben sich doch die Strecke, auf die es dann hinauslaufen wird, längst ausgeguckt“, sagte das Paar resigniert.

Vor Ort war auch die Bürgerinitiative (BI) „Nordzulauf Kolbermoor“. Die Mitglieder hatten einen kleinen Stand aufgebaut. Zu BI-Sprecher Ralf Exler kamen die frustrierten Bürger: Sie glauben für Kolbermoor sei alles schon vorbei. Weil die westlichen Trassen alle über weite Strecken untertunnelt sind.

Zu Franz Lindemair, dem Sprecher der „Großprojekte Süd“, gingen die Bürger, die der Bahn glauben, dass zwischen den Trassen noch keine Entscheidung gefallen ist. Sondern, dass Schritt für Schritt alle Probleme und Einwände durchleuchtet werden. Die auch darauf vertrauen, dass die Sorgen und Ängste, die sie beispielsweise um eigenen Grund und Boden haben, im Planungsverlauf irgendeine Berücksichtigung finden.

Protest der

Bürger darstellen

Auch dass ein Punkt, bei dem Kloo versuchte, zu vermitteln und Hintergründe zu erklären. Ein ums andere Mal erläuterte er den Bürgern, die sich immer wieder um ihn scharten, dass die Streckenauswahl seiner Ansicht nach beileibe nicht zwangsläufig auf Kolbermoor zuliefe. Es sprächen da viele Punkte dagegen: Da sei unter anderem nicht zuletzt der Untergrund, der Seeton, der teilweise Tiefen über sechzig Meter erreiche. Das setze immens aufwendige Maßnahmen bei der Trassenverlegung voraus. Hinzu komme das Problem mit den ökologisch wertvollen Filzen im Süden.

Alles andere als glücklich war er damit, dass man mit den fünf Trassenvorschlägen nun in einer Situation sei, „in der beim Abwägen von Trassenvor- und nachteilen immer ein anderer der Dumme ist“. Und geht von daher mit den Bürgerinitiativen konform, dass es im Grunde richtiger wäre, man könnte noch einmal über die Sinnhaftigkeit des ganzen Projektes reden, von der auch er nicht wirklich überzeugt ist. Er bemängelt das Fehlen der Grundlage, eines Gesamtverkehrskonzepts, das auch den stetig wachsenden Nahverkehr berücksichtigt: „Wir bauen uns hier ein goldenes Dachl“, so sagte er, „haben aber in Wirklichkeit noch gar keinen Keller“.

Für die Bürgerinitiatve ein weiterer Ansporn, den Protest von der Bahn als dem falschen Ansprechpartner weg zu lotsen und dafür in Richtung Politik zu verstärken. Zum Beispiel mit der Unterzeichnung einer Petition an den Bundestag, die derzeit gerade noch im Genehmigungsverfahren ist. Gelänge es, hierfür aus der Region 50000 Unterschriften zu sammeln, habe man, so Exler, im Bundestag ein Rederecht und damit die Chance, den Protest der Bürger noch einmal auf einer ganz anderen Ebene darzustellen.

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