Kolbermoor –„Grüß Gott Frau Bonaty“: So wird die Kolbermoorerin (72) jeden Dienstag von den Schülern der 1c der Adolf-Rasp-Schule begrüßt. Nach der Begrüßung wird es aber schnell Ernst: Die Kinder setzen sich neben sie und lesen zehn Minuten –„die meisten können lesen, verstehen aber nicht was sie lesen“, erklärt Christel Bonaty, die seit sechs Jahren Lesepatin an der Schule ist.
In einer Stunde kommen sechs bis sieben Kinder nacheinander zu ihr. Gemeinsam lesen sie die Lesefibel – Buchstabe für Buchstabe, erklärt sie. Für jedes Kind habe sie dann fünf bis sieben Minuten Zeit – nachdem die Kinder die Sätze gelesen und begriffen haben, gibt es was Süßes. Aber: „Ich bin auch streng“, sagt Bonaty und lächelt.
Pipi Langstrumpf
als Kind gelesen
Ihr Ehrenamt füllt sie aus: „Ich möchte einfach nicht zu-Hause rumsitzen und mich fragen, was ich mit meiner Zeit anfangen soll“, sagt Bonaty, die selbst vier Kinder und vier Enkel hat. Und sie weiß um die knappe Zeit der Eltern: „Heute frage ich mich oft, wie ich das damals alles geschafft habe“, erzählt sie. Heute mit viel mehr Zeit unterstützt sie kleine Kinder – „ich freue mich, wenn es mit dem Lesen besser klappt und bin glücklich, weil sie mir viel geben“.
Warum hat sich Bonaty ausgerechnet für ein Ehrenamt an einer Grundschule entschieden? „Mehr traue ich mir nicht zu“, sagt Bonaty, die sich auch ehrenamtlich für die Hausaufgabenbetreuung an der Schule engagiert. „Viele Textaufgaben sind schwierig, da muss ich oft zweimal lesen.“
Und wie hat sie selbst es mit dem Lesen? „Ich habe als Kind nicht viel gelesen, Pipi Langstrumpf, ja, aber das war es auch schon.“ Und auch heute liest sie eher selten, aber nicht ständig, deshalb weiß sie auch nicht, wie der Roman heißt, der auf dem Nachttisch liegt. Was die gelernte Bekleidungstechnikerin allerdings früher verschlungen hat, sind Mode-Zeitschriften – „die fand ich super“.