Gelegenheit zum Austausch untereinander und das Hoffen auf Fragen „von außen“. Darum ging es beim Frühstück der KFD-Frauen. Fotos Thomae
Kolbermoor – Semmeln, Brezen, Kaffee: Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) Kolbermoor hatte jetzt zum Frauenfrühstück vors Rathaus geladen. Rund 35 Frauen kamen zusammen – sie ratschten, lachten und frühstückten. Ziel der Aktion, die im Rahmen des 100-jährigen Bestehens stattfand, war es, über die Tätigkeiten zu informieren. Die 180 Frauen der KFD Kolbermoorer sind Teil des Verbands der fast 500000 Mitglieder fassenden deutschen Gemeinschaft.
Frauen wollen auf sich
aufmerksam machen
Ein Verband, der zwar den Glauben als Basis sieht, für das Tun aber weder Weisung noch Erlaubnis von der Amtskirche braucht. Eher andersherum: Der Einsatz für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft – auch, aber nicht nur für Frauen – wirkt auf die Kirchenstrukturen zurück. Die Verbands-Erfolgsliste ist lang und reicht beispielsweise von der Zulassung von Mädchen als Ministrantinnen bis zur Anerkennung von Erziehungsleistungen in der Rente.
Die Frauen nehmen kurzerhand ihren 100. Geburtstag zum Anlass, um auf sich aufmerksam zu machen. „Wir müssen raus aus unseren vier Wänden“, sagt Martina Mauder, Pastoralreferentin in Kolbermoor und geistliche Begleiterin der KFD. Denn so wichtig die politische Arbeit auch sei, es geht nicht nur darum, dass man die Anliegen der Frauen in den „oberen Etagen“ von Politik und Kirche an- und einbringt. Es gehe auch darum, sich vor Ort für ein gerechteres Miteinander einzusetzen.
Hier aber sieht sie die Gefahr, dass viele gerade der jüngeren Frauen der Meinung sind, es passe mit der Gleichberechtigung. Kein Anlass also, sich besonders zu engagieren. Für Mauder ist das allerdings mehr Wunsch als Realität. Sie hält es da mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig, die auf einer Kolbermoorer KFD-Veranstaltung vor dieser Haltung warnte. Auf dem Papier sei man mit der Gleichberechtigung ziemlich weit, in der Praxis aber stünde man noch am Anfang: Gleiche Aufgabenverteilung sei noch immer nicht zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Mauder sieht sogar die Gefahr eines Rückschrittes, denn es würden wieder Stimmen laut, die meinten, eine Frau gehöre, so lange die Kinder klein sind, ins Haus und nicht an ihren Arbeitsplatz. In der KFD weiß man nicht zuletzt wegen der 100-jährigen Geschichte: Gerechtigkeit ist in einer Gesellschaft nichts, was man einmal erreicht hat und dann als feste Basis annehmen kann, sondern etwas, was immer wieder verwirklicht und erstritten werden muss.
Das aber setzt ein Bewusstsein voraus und ein kleiner Baustein kann ein Frauenfrühstück sein. Und so wurden viele Frauen, die zufällig vorbeikamen, neugierig, wer da auf dem Platz sitzt und warum. „Ihnen zu erklären, was unsere Anliegen sind, schafft noch keine neuen Mitstreiterinnen“, sagt Mauder, „aber es schafft Wiedererkennungswerte. Trifft man uns beim nächsten Mal wieder, dann denken die anderen ,die kenn ich doch‘.“ Und steter Tropfen, da sind die Kolbermoorer Frauen optimistisch, höhlt auch den härtesten Stein. jt