Leserforum

Krematorium im Gewerbegebiet: Eine Pietätsfrage

von Redaktion

Leserbriefe zur Berichterstattung über das Krematorium im Lokalteil:

„Am 10. Juli fuhr eine Gruppe zum Krematorium. Die Führung war informativ. Geräusche der Gebläse waren nur auf der Friedhofseite zu hören, außerhalb war von nichts zu hören. Rauch, geschweige denn schwarzer Rauch, war nicht zu sehen.

Die Feinstaubbelastung durch drei bis vier Diesel PKW/km (Euro sechs) ist höher, als die Anlage in einer Stunde ausstößt. Schadstoffe, auch Quecksilber, sind weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Werten. Erreicht wird dies durch den Einsatz von Aktivkohle. Ein Verwesungsgeruch war weder innerhalb, noch außerhalb der Anlage zu riechen, obwohl während der Besichtigung Einäscherungen durchgeführt wurden. Särge, die auf die Verbrennung warten, sind in einem Kühlraum abgestellt. Bei Stromausfall wird der Betrieb durch ein Notstromaggregat sichergestellt. Die Anlage wird von der Herstellerfirma viermal im Jahr gewartet, Kontrolle durch das Landratsamt einmal im Jahr.

An Wochenenden werden die Gebläse abgestellt. Die zusätzliche Verkehrsbelastung in Kolbermoor hält sich in Grenzen. Bei 3500 Einäscherungen pro Jahr und 220 Arbeitstagen macht es maximal 16 Anlieferungen pro Tag. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich jedes Mal Angehörige vor der Einäscherung im Krematorium von ihrem Toten verabschieden, ist dieser Verkehr vernachlässigbar.

Ein Krematorium in einem Gewerbegebiet geziemt sich aus Pietät nicht. Auch ein Platz außerhalb der Stadt ist ethisch nicht zu begründen. Auch dort muss die Infrastruktur bereitgestellt werden. Die Toten gehören zu uns, wie anders ist ein Friedhof in der Stadt zu erklären? Da der Tod zum Leben gehört, darf auch ein Sportplatz in der Nähe sein. Beim Leichenschmaus wird nicht nur geweint, es wird auch gelacht. Gegner und Befürworter des Krematoriums im neuen Friedhof können sich in Traunstein zu einer Führung anmelden.“

Katharina Nebauer

Kolbermoor

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„Überlegung zum geplanten Krematorium in Kolbermoor: Wenn man bedenkt, dass beim geplanten Standort am Neuen Friedhof die nächste Wohnbebauung gerade einmal 70 Meter entfernt ist, muss man sich seitens der Stadt Kolbermoor schon die Frage gefallen lassen, ob man nicht gegen die eigenen Bürger agiert. Selbst ein ,Kleintier-Krematorium‘ hat einen Mindestabstand von 100 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten. Wobei die Tiere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mit Giftstoffen und Schwermetallen, zum Beispiel Quecksilber und so weiter, durch Amalgam-Plomben und künstliche Gelenke belastet sind.

Was bis heute noch nicht eindeutig von der Stadt Kolbermoor dargelegt wurde, ist doch die Frage: Welchen Vorteil oder Nutzen haben die Bürger Kolbermoors durch den Bau dieser industriellen Verbrennungsanlage. Die Andeutung des Ersten Bürgermeisters, dass wir eine allgemein-gesellschaftliche Verantwortung haben, kann so nicht akzeptiert werden.

In erster Linie hat der Erste Bürgermeister diese Verantwortung gegenüber den Bürgern Kolbermoors und nicht für ganz Oberbayern. Da sich in Kolbermoor nur circa 100 Bürger für eine Einäscherung entscheiden, steht das Ganze in keinem Verhältnis zu 7000 Verbrennungen im Jahr.

Und ganz ehrlich Herr Bürgermeister: Würden Sie eine solche industrielle Verbrennungsanlage mit allen gesundheitlichen Risiken – die übrigens auch vom Bund Naturschutz und führenden Gesundheits- und Umweltexperten bestätigt werden – neben Ihrem eigenen Wohnhaus und dem Lebensmittelpunkt Ihrer Familie akzeptieren?“

Sabine Zirngast

Kolbermoor