Kolbermoor – Als Johanna Posch ein kleines Mädchen war, ging sie mit ihrer Tante oft in die Rohrdorfer Kirche. Ihre Tante war dort Mesnerin – „sie gab mir den großen, schweren Kirchenschlüssel und ich durfte die Kirchentür aufschließen“, erinnert sich die heute 18-Jährige und lächelt. Heute hat sie zwar keinen Kirchenschlüssel, aber der Mesner der Kolbermoorer Stadtkirche schließt ihr bereitwillig die Tür auf, wenn sie in die Kirche Heilige Dreifaltigkeit treten möchte.
Ministrantin
seit zehn Jahren
Hier ministriert sie, seit sie acht Jahre alt ist. „Nach meiner Kommunion gab es ein Ministranten-Treffen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich gerne mitmachen wollte“, erzählt die 18-Jährige. Seither ministriert sie – viermal im Monat, seit vier Jahren als Oberministrantin. Ist sie nicht bald zu alt? Sie lacht: „Ich mag es so gerne und kann mir gar nicht vorstellen, nicht zu ministrieren.“ Aber was ist so besonders? „Die schöne Gemeinschaft. Jeder kann mitmachen.“ Und so erzählt Johanna Posch, dass auch ein Mädchen mit Down-Syndrom Teil der Gruppe ist – „das finde ich sehr schön“. Der Zusammenhalt hat sich auch beim Dekanats-Ministrantentag in Tuntenhausen gezeigt.
17 Gruppen aus dem ganzen Dekanat Bad Aibling haben sich dort getroffen und einen Postenlauf absolviert – die Kolbermoorer machten den zweiten Platz – eine silberfarbene Gemeinschaft also. Obendrein gefällt es ihr, Sommerfreizeiten für die Kinder zu organisieren – eine führte die Truppe mal nach Ruhpolding. Des Weiteren, dass man den Gottesdienst mitgestalten kann: Weihrauch schwenken, Kreuz und Leuchter halten und Glöckchen bei der Wandlung klingeln. Was ihr am besten gefällt? „Klingeln bei der Wandlung“, sagt Posch prompt.
Besonders nahe fühlt sie sich Gott, wenn sie den Leuchter hält und der Pfarrer das Evangelium liest, erzählt sie. Ganz nahe war sie vor zwei Jahren übrigens dem Papst Franziskus: Sie stand mit ihrer Familie am Ostersonntag auf dem Petersplatz in Rom. „Das war ein so schönes, ergreifendes Erlebnis“, sagt die 18-Jährige.
Studium in München
beginnt im Oktober
Ab Oktober beginnt ihr Studium an der Musikhochschule München, dort studiert sie „Elementare Musikpädagogik und Querflöte“, erzählt sie. Ihr berufliches Ziel ist es, mit Jugendlichen zu arbeiten.
Musikalische Früherziehung, Musiktherapie für Behinderte oder einen Musikchor leiten. Läuft alles nach Plan, ist sie in vier Jahren fertig. Fest steht aber, dass sie in Kolbermoor bleiben möchte. Klar hier ist Johanna Posch tief verwurzelt, nimmt Unterricht an der Musikschule und ministriert einmal die Woche und auf diese Gemeinschaft kann und möchte sie einfach nicht verzichten.