Rosenheim – Akrobaten, Komiker, Illusionisten: Beim internationalen Straßenkunst-Festival „Spektakel“ treten Künstler aus 13 Nationen in der Rosenheimer Innenstadt auf. Beginn ist am Freitag, 26. Juli, um 16 Uhr. Mit dabei: der Rosenheimer Profizauberer Rudolf Deeg.
Rudolf Deeg (52) träumte schon als kleiner Bub von einer Karriere als Zauberer. Er wuchs in Rosenheim auf, besuchte dort die Wirtschafts- und Berufsfachschule Dr. Kalscheuer und machte im Anschluss eine Lehre zum Bürokaufmann. Der Beruf bezahlte zwar die Rechnungen, machte ihm aber keine Freude. Anders als die Zauberei. Also begann Deeg in seiner Freizeit, Zauberbücher und Zaubervideos anzuschauen. Er besuchte Zauberläden, kaufte sich eine Vielzahl von Requisiten.
Faszination
Straßenzauberkunst
Die nächsten zehn Jahre verbrachte er damit, sich Zaubertricks beizubringen. Er recherchierte im Internet, schaute sich Aufführungen von anderen Künstlern an. Von Anfang an faszinierte ihn dabei die Straßenzauberkunst. „90 Prozent der Tricks sind für die Bühne gemacht, wo niemand neben oder hinter dir steht“, sagt er. Auf der Straße sei das anders, herausfordernder. Der Künstler muss eine Show kreieren, die so gut ist, dass die vorbeieilenden Fußgänger anhalten und zuschauen. Bestenfalls auch Geld in den Hut werfen.
Also übt Deeg weiter. Er überlegt sich Witze, um die Zuschauer zwischen seinen Einlagen zu unterhalten.
Sein erster Auftritt in der Münchner Fußgängerzone dauert 20 Minuten. Er verdient drei Euro. Eine „Katastrophe“, wie er heute sagt. Doch er lässt sich nicht entmutigen. Er lernt dazu. Weitere Auftritte folgen. Schließlich kündigt er seinen Beruf als Bürokaufmann und widmet sich ganz der Zauberei. Seine Entscheidung sorgt für Kopfschütteln bei Freunden und Familien. „Viele haben mir gesagt, dass Zauberer doch kein Beruf sei“, sagt er. Doch er lässt sich nicht umstimmen. Seine Entscheidung steht.
Martin Hilz ruft
Festival ins Leben
Mittlerweile soll Rudolf Deeg zu den besten Straßenkünstlern der Welt gehören. Er ist unter dem Künstlernamen „Mekks“ bekannt, hat pro Tag zehn Auftritte. Er reist durch die Welt, hilft beim Aufbau von Straßenzirkussen in Jemen und Namibia.
Er zauberte in Jamaika, zeigt seine Kunst auf Kreuzfahrten. „Ich bin sehr viel rumgekommen. Als Zauberer kann ich mich eigentlich überall hinstellen.“
Trotzdem gefällt es ihm in Deutschland am besten. Er zieht nach Bremen, zaubert für zwei Saisons im Heidepark Soltau. Danach tritt er auf dem Tollwut-Festival in München auf. Dort wird er vor drei Jahren von Martin Hilz entdeckt.
Hilz stellte vor zwölf Jahren, gemeinsam mit seiner Frau, das Straßenkunst-Festival „Spektakel“ in Landshut auf die Beine. „Für Straßenkünstler ist Landshut die erste Adresse. Alle wollen dort hin. Die Künstler sind Weltklasse und handverlesen“, sagt Deeg. Er selbst muss nicht lange überlegen und nimmt das Angebot von Hilz an.
Dass das Festival jetzt auch nach Rosenheim kommt, bedeutet Deeg viel. Und nicht nur ihm. Auch Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des Rosenheimer City-Managements, fiebert der Veranstaltung entgegen. Lange hatte Obermoser überlegt, wie sie das 20-jährige Bestehen des City-Managements feiern könnte. Idee sei es gewesen, ein Veranstaltungsformat zu finden, das unterschiedliche Zielgruppen anspricht. Als sie vor zwei Jahren das „Spektakel“ in Landshut besuchte, war für Obermoser klar: „So etwas brauchen wir in Rosenheim.“
Mit dabei sind Künstler wie Andy Snatch aus England, Jyoti Supernatural aus Frankreich und Shiva Grings aus Irland. Die Auftritte finden am Ludwigsplatz, am Mittertor, auf der City-Management-Bühne und auf dem Max-Josefs-Platz statt. Für jeden Standort gibt es eine Alternative, für den Fall, dass es regnen sollte.
Die Veranstaltung, die unter anderem auch vom OVB-Medienhaus gesponsert wird, findet heute von 16 bis 22 Uhr statt, sowie am Samstag, 27. Juli, von 12 bis 22 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Künstler spielen für den „Hut“. „Das Hutgeld ist der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Hilz. Die Künstler bekommen keine Gagen und sind auf das Hutgeld angewiesen, da sie ihren Lebensunterhalt finanzieren.