Kolbermoor – Durch Roswitha Stamps (66) Hände, die in Plastikhandschuhen stecken, gehen viele Lebensmittel. „Wir müssen schließlich kontrollieren, ob die Waren noch in Ordnung sind“, sagt die Kolbermoorerin, die als Waren-Sortiererin bei der Kolbermoorer Tafel jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr mit anpackt. Bevor Stamp allerdings loslegt, müssen andere Helfer die Lebensmittel, die der Tafel gespendet werden, von den Märkten in Rosenheim, Kolbermoor und Bad Aibling abholen. Sind die Waren vor Ort, legt Stamp los – für die Tafel-Kunden, die nachmittags die Lebensmittel entgegen nehmen.
Obst, Gemüse,
Babynahrung
Stamp ist seit Anfang an bei der Kolbermoorer Tafel aktiv. „2004 bin ich über eine Nachbarin dazugekommen“, erzählt sie. Seither hat sie alles gemacht: Lebensmittel abgeholt –„damals noch im Privatwagen“, Waren sortiert, aber auch die Lebensmittel an die Kunden ausgegeben.
Das macht sie nicht mehr, „mir gefällt das Sortieren“ – und einmal in der Woche treffen sich die Frauen in dem kleinen Häuschen und kümmern sich um die gelieferten Nahrungsmittel. Sie sortieren sie in die Regale, in die Kühl- und Eisschränke. Obst, Gemüse, Brot, Babynahrung, Fleisch, Fisch, Yoghurt und Aufstriche. „Was ist das denn?“, fragt sie sich und liest das Etikett: „Artischocken-Mus“ – sie zuckt mit den Schultern. Nachdem sie das Haltbarkeitsdatum überprüft hat, packt sie das Gläschen zurück in die Kiste. „Früher wurden bei der Lebensmittelvergabe auch Rezepte dazugegeben“, erinnert sie sich und lacht. „Ja, einige wissen nicht, was sie beispielsweise aus Roter Bete kochen können.“ Beim Artischocken-Mus ist Stamp auch ratlos. Eventuell als Aufstrich aufs Brot.
Aber warum engagiert sie sich ausgerechnet bei der Tafel? „Weil viele Bürger nicht genug zu Essen haben, Langzeitarbeitslose zum Beispiel.“ Und denen möchte sie helfen. „Armut sieht man nicht auf den ersten Blick. Aber es gibt sie.“
Obendrein tut ihr die Lebensmittelverschwendung „weh“, sagt sie. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass so viel weg geworfen wird“, so Stamp. Von den Waren, die zur Tafel gebracht werden, werfen Stamp und Co. rund ein Drittel in die Tonne – „es ist nicht mehr genießbar“.
Zugleich Treffpunkt zum Ratschen
Und woran macht sie es fest? „Wenn ich es selbst noch essen würde, kommt es in die Kiste und dann ins Regal. Ja, es sei soziales und ökologisches Engagement und deshalb sei sie bei der Tafel. Dass sie übrigens schon einmal einen Tafel-Termin hat ausfallen lassen, daran kann sie sich nicht erinnern, erklärt Roswitha Stamp. „Außer ich bin im Urlaub.“ Denn das Ehrenamt mache ihr Freude. Und falls an einem Mittwochvormittag etwas Leerlauf sein sollte, trinken die Waren-Sortierer einen Kaffee und ratschen. Beim nächsten Mal vielleicht über ein Rezept mit Artischocken-Mus.