Rosenheim/Kolbermoor – Das „Il Monastero“ ist Geschichte. Endgültig. Unwiederbringlich. Von dem italienischen Restaurant und seiner mittelalterlich anmutenden Einrichtung wird nichts bleiben. Der neue Inhaber, Giuseppe Tedesco, will die Räume im neuen Gillitzer in Rosenheim entkernen und im Stil seiner bisherigen Gastronomie betreiben.
Fassungslos über
das neue Konzept
Mario Mattera (57) ist entsetzt. Traurig und fassungslos, wie er sagt. Das liegt nicht an der Nachricht, dass sein Nachbar im neuen Gillitzer, Giuseppe Tedesco vom „Giuseppe e amici“, sein Restaurant übernimmt. Das war naheliegend, sind die beiden Gaststätten doch im gleichen Gebäude untergebracht, lediglich wenige Schritte voneinander entfernt.
Nein, was Mattera betrübt, ist, dass Tedesco plant, das Restaurant umzugestalten, alle Einbauten zu entfernen. Der Steinfußboden, die dicken Wände, das schwere Holz, die Feuerstelle: Alles wird verschwinden, nichts mehr an die Idee von einst erinnern, italienische Küche in einem Ambiente zu servieren, das an die Zeit des Mittelalters angelehnt ist. Das Konzept dafür hatte Rudolf Rechl aus Amerang nach Rosenheim gebracht. Damals, in den 1990er-Jahren, eine Einmaligkeit in der Region. Umso enttäuschter ist Rechl (66) heute, wenn er hört, wie es weitergehen soll mit dem „Il Monastero“, dem Kloster. Die Einrichtung sei hochwertig und nachhaltig in Form und Gestalt, sagt er. Ein Stil, der bei vielen durchaus gefragt sei. Dass man sich nun einem anderen Zeitgeist beuge, hält er für falsch. Einzigartigkeit gehe verloren, im Kleinen wie im Großen. Mit solchen und ähnlichen Entscheidungen verliere die Stadt nach und nach ihre Identität. „Die Gesellschaft redet von Nachhaltigkeit und macht genau das Gegenteil. Ich bin ziemlich resigniert“, sagt Rechl. Ein Gemütszustand, der nicht weit weg ist von dem, was Mario Mattera fühlt.
Er könne nicht nachvollziehen und verstehen, dass all die Details seines Restaurants, das er knapp 22 Jahre geführt hat, in Kürze schon Geschichte seien.
Vinothek
mit viel Licht
Mario Mattera hatte eine kleine Abschiedsfeier im „Il Monastero“ organisiert. Im Anschluss daran begannen seine Mitarbeiter Stühle, Tische und anderes Mobiliar auszuräumen. Einiges, so hofft Mattera, kann er noch einmal verwenden, will es unterbringen in seinem Hotel „San Gabriele“ in Heilig Blut. Das Haus an der Zellerhornstraße baut er gerade um, erweitert es. Genau dieses Projekt war eigentlich für ihn der Anlass, das „Il Monastero“ aufzugeben. Er wolle sich auf eine Sache konzentrieren, hatte er vor gut einer Woche erklärt. Dass ihm der Abschied nicht leicht fallen würde, war schon damals zu merken. Jetzt aber spricht er von dem „Ende einer Romantik“, dem „Ende eines Herzensstückes“.
Giuseppe Tedesco kann Matteras Emotionen durchaus verstehen. Er selbst war auch einmal begeistert vom Konzept des „Il Monastero“. Nun aber sei der Zeitgeist ein anderer. Nach der Einigung mit den Eigentümern steht für ihn fest: Die Räume werden zunächst entkernt, sollen dann hell und weitläufig gestaltet werden. Wo einst Kellner in Mönchskutten italienische Spezialitäten servierten, soll eine Vinothek im Stil der „Giuseppe e amici“-Restaurants entstehen. Dazu soll auch eine „Eventlocation“ Platz finden. Ein Ort also, an dem Feste veranstaltet werden können, vom Geburtstag bis zur Weihnachtsfeier.
Am Ende, sagt Tedesco, wird eine „städtische Oase“ eingerichtet sein. Ein Treffpunkt für Jung und Alt. Gepflegte Gastronomie. „Wir planen keine Bar und auch keinen Club“, betont der Gastronom angesichts einiger Gerüchte, die bereits in Umlauf gewesen sind. Eröffnung der Vinothek soll so rechtzeitig sein, dass die Gäste schon in diesem Jahr ihre Weihnachtsfeier in der neuen Lokalität begehen können.