„Sie kommen wieder, gell?“

von Redaktion

„Mein Ehrenamt und ich“: Gerda Gottwald – Besuchsdienst bei der KFD

Kolbermoor – Jeder, der in diesem Jahr, in dem die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) in Kolbermoor ihren 100. Geburtstag feiert, irgendwo auf KFD-Frauen gestoßen ist, ahnt es: Das muss ein ziemlich umtriebiger Haufen sein. Und in der Tat: Egal ob auf Bundesebene oder in regionalem Umfeld: Wann immer in Kirche oder sonst im Leben etwas zu bewegen oder anzustoßen ist, ist die KFD nicht weit.

Zuständig für

Veranstaltungen

Möglich machen diesen Erfolg Frauen wie Gerda Gottwald. Ganze 38 Jahre ist sie jetzt Mitglied bei der KFD und 28 davon im erweiterten Vorstand. Und in dieser Funktion ist sie mit zuständig für die Veranstaltungen, die durchgeführt werden. 48 sind es heuer, also im Schnitt so gut wie jede Woche eine, vom Faschingstreffen bis zur Teilnahme am Adventsmarkt, dazu Morgenandachten, Lesungen, Ausflüge und Informationsveranstaltungen.

Immer mit dem Ziel, eine Gemeinsamkeit zu schaffen, die stark macht, so dass man die eigenen Vorstellungen von der Frau in Kirche und Gesellschaft auch nach außen tragen kann. Das alles aber muss organisiert und vorbereitet werden und allein damit wäre man schon gut beschäftigt.

Für die 78-jährige Gerda Gottwald ist das aber nicht genug. Sie hat sich der KFD angeschlossen, weil sie die Gewissheit hatte, dass das ein Verband ist, der sich gerade auch um die kümmert, denen es im Moment nicht so gut geht. Und hat deshalb in den 90er-Jahren angefangen, Krankenbesuchsdienste zu machen. Die Überlegung, die dahintersteht, ist einfach: So lange die KFD-Mitglieder noch jung oder zumindest rüstig sind, sind über die Veranstaltungen jede Menge sozialer Kontakte da. Aber irgendwann kommt man in das Alter, in dem man anfängt zu denken: „Heute Abend weg? Muss nicht sein. Ich bleib mal daheim.“

„Das muss man nur ein paarmal machen und schon hat man den Anschluss verloren, denn das Daheim bleiben ist zur festen Gewohnheit geworden.“ Sich dann später noch mal aufraffen, ist ganz schwer, denn da bietet der innere Schweinehund sofort die passende Ausrede an: „Was willst Du dort? Du kennst ja da kaum noch jemand.“ Die Folge: Die Zahl der Leute, mit denen man reden kann, wird langsam, aber sicher immer weniger. Das fällt einem selbst über lange Zeit wohl gar nicht besonders auf, in der Ausnahmesituation einer Krankheit aber wird es schlagartig deutlich.

Mit etwas Glück hat man Kinder oder Verwandte, die einen besuchen, aber was mindestens ebenso wichtig wäre, ist das Gefühl, dass man „vom Leben draußen“ noch nicht ganz vergessen ist. Außerdem ist Kranksein oft eine Zeit, in der man ins Grübeln kommt. Verwandte und Bekannte mag man mit seinen Gedanken nicht immer belästigen, aber ein Außenstehender, der nicht nur geduldig, sondern verständnisvoll zuhört, wäre da willkommen und genau in dieser Rolle sieht Gottwald ihre Aufgabe.

Ob sie das, was sie hört, nicht selbst belastet? „Man lernt mit der Zeit, nicht mehr alles so ganz nah an sich hinzulassen“, sagt sie. Außerdem seien die Besuche ja nicht durchweg schwer – man habe immer die Möglichkeit, dem Ganzen auch noch einen Dreh ins Positive zu geben. Dafür ist ja sogar ein gemeinsamer Erfahrungsschatz da – die Zeit in der KFD. Da gibt es fast immer ein „Weißt Du noch…?“ und das macht das Gespräch positiv.

Gottwald jedenfalls hat die Gewissheit, dass sie mit ihrem Besuch einem anderen Menschen den Tag etwas aufgehellt hat. „Sie kommen wieder, gell?“ ist eine Bitte, die sie oft hört. Und schöpft daraus für sich selbst das Gefühl, etwas Sinnvolles und auch Schönes geleistet zu haben. Und auch bei ihr ist es übrigens wie bei vielen Ehrenamtlern: Das Bedürfnis nach einem Dienst am Mitmenschen haben diese oft schon durch das Vorbild im Elternhaus eingepflanzt bekommen.

Auch Gottwalds Mutter besuchte kranke Leute in ihrer Nachbarschaft. Gerda Gottwalds Tochter Christine ist selbst in der KFD. Warum engagiert sie sich für andere: „Ich hab‘s vorgelebt bekommen.“

Ehrenamt: Besuchsdienst

Wer sich bei der KFD in Kolbermoor engagieren möchte, wendet sich an die Vorsitzende Marianne Mayer oder an die Stadtkirche Kolbermoor unter Telefon 08031/400710.

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