Leserforum

Mitten in Kolbermoor

von Redaktion

Zum Leserbrief „Niemand fühlt sich belästigt“ von Holger Mairoll im Lokalteil:

Der Besuch der Traunsteiner Anlage tagsüber ist wie ein Abgastest von VW. Es ist ein Leichtes, handhabbare Fälle tagsüber, und Problemfälle nachts zu planen. Keiner riecht was, sieht was, nachts dröhnen die Kühlanlagen und es riecht süßlich. In Traunstein weiter weg vom Wohngebiet, in Kolbermoor mitten drin. Nach Abschaltung der Kernkraftwerke wird es Spannungsschwankungen im Stromnetz und damit Störfälle geben. Dann geht die Anlage in den Sicherheitsmodus, das heißt ungefilterter Abbrand.

Das Notstromaggregat, besser Kleinkraftwerk, mit zusätzlichen Emissionen und Lärm, soll ja übernehmen. Bis zur Übernahme ist die Giftwolke draußen. Feinststäube und Quecksilber: 100-prozentige Filterung gibt es nicht. Die WHO lässt für Feinststäube keinerlei Maximalwert zu. Null Emissionen in Wohngebieten verstehen sich wohl von selbst. Klärwerke und so weiter werden weitab von Wohnräumen geplant. Warum nicht eine Großverbrennungsanlage, deren gesundheitliche Risiken weit größer sind?

7000 Verbrennungen haben industriellen Charakter – und das Tür an Tür mitLebensmittelhandel und Wohngebiet. Abseits jeglicher gesundheitlicher Diskussion würde doch niemand neben einer südbayerischen Leichen-Großverbrennungsanlage leben wollen. Nicht umsonst sucht Augen, der Betreiber, seit eineinhalb Jahren in ganz Südostbayern einen Standort.

Überall wurde abgelehnt, aber Kolbermoor, gesegnet mit der B15 neu im Osten und möglicher Brenner-Bahntrasse im Westen, soll diese Großanlage, mittendrin, zugemutet werden. Diese rücksichtslose Politik führt zur Aufgabe des gesellschaftlichen Konsenses in Kolbermoor. War‘s das wert?

Dave Corwin

Kolbermoor

Artikel 8 von 8