Auf den Zusammenhalt

von Redaktion

Zum Fest am Siedlerplatz kamen rund 700 Gäste. Allerdings gab es bei Tellerfleisch und Co. nicht nur launige Gespräche, es wurde auch über den Brenner-Nordzulauf gesprochen. Der Siedlerverein will sich jetzt wehren und plant eine Trassenbegehung.

Ein Siedlerfest ohne Kesselfleischteller? Absolut undenkbar.

Kolbermoor –„Einmal einen Siedlerteller bitte“, sagt der ältere Mann, lächelt, als er an der Reihe ist und bekommt einen Teller Kesselfleisch. Beim Fest der Kolbermoorer Siedlung geht nichts ohne den deftigen Teller mit Leberwurst, Sauerkraut und gekochtem Schweine- und Rindfleisch.

Das ist schon seit dem ersten Siedlerfest Mitte der 80er-Jahre so – Tradition pur also. Kein Wunder, beim Siedlerverein geht es um ideelle Werte: Um den Zusammenhalt und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Siedlung.

Thema brennt:

Brenner-Nordzulauf

Was die Anwohner derzeit extrem beschäftigt, ist die Westtrasse des Brenner-Nordzulaufs, die das Gebiet unmittelbar betreffen würde. Das konnte man auch an den Plakaten sehen, die am Eingang des Siedlerplatzes aufgestellt waren. „Wir würden“, sagt Wagner, „auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinaus inmitten einer Großbaustelle leben.“ Und fasst das Problem zusammen: „Wir selber hätten in unseren besten Jahren nur noch wenig von unseren Häusern und unsere Kinder und Enkel dann den durchrauschenden Zugverkehr.“

Diese Bedenken möchte man künftig lauter vorbringen, und deshalb findet am Sonntag, 15. September, ab 10 Uhr im Bereich der Siedlung eine Begehung der Trasse statt. Befürchtet man doch, wie Wagner sagt, „dass die Stadt hier zu zurückhaltend, weil zu optimistisch ist.“ Auf das Argument, dass die Trasse aus bautechnischen Gründen am Ende doch nicht nach Kolbermoor kommt, möchte man sich nicht verlassen. „Da muss man auch deutlich zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind.“ Und dass sich hier künftig Protest regt, scheint zweifellos. In der Siedlung hält man eben zusammen.

Und das seit vielen Jahren: Allerdings ist der Zweck des 1933 gegründeten Vereines, sich durch gegenseitige Hilfe neuen Wohnraum zu schaffen, seit Langem erfüllt. Allerdings scheint von dem Ursprungsgeist noch etwas vorhanden zu sein. Was sich daran zeigt, dass sich auf dem Fest beim Spielplatz am Siedlerplatz gut 700 Leute einfanden.

Noch mehr Beweis sei, so Vorsitzender Christian Wagner, dass man nicht um Hilfe betteln müsse, wenn Veranstaltungen wie das Siedlerfest anstehen. „Man kann sich darauf verlassen, dass, wenn zum Beispiel das Zelt aufgebaut werden muss, 15, 20 Mann – jung und alt – ohne viel Worte anpacken.“

Der Verein, dem jetzt rund 300 Familien angehören, verzeichnet einen behutsamen, aber stetigen Zuwachs. Offenbar ist es so, dass junge Leute, die durch Besitzerwechsel der Häuser neu in die Siedlung kommen, einen Wert sehen im Gefühl einer gewissen dörflichen Geborgenheit.

Gemeinschaft nimmt

neuen Schwung auf

„Es gab Zeiten“, sagt Wagner, „da haben wir um Teilnehmer fast betteln müssen, um den Bus vollzukriegen. Mittlerweile gibt es Wartelisten.“ Und sein Amtsvorgänger Franz Schrank ergänzt: „Da hat sich ein enges Netz entwickelt.“ Obendrein schafft man Geräte an, die der Einzelne ausleihen kann – eine Betonmischmaschine oder auch eine Obstpresse. Kurz: Das Gemeinschaftsleben in der Siedlung ist weit davon entfernt, an Lebendigkeit einzubüßen, im Gegenteil: es ist dabei, neuen Schwung aufzunehmen.

Das führt dazu, dass in der Siedlung, die jetzt rund 2800 Einwohner zählt, sicher nicht mehr jeder jeden kennt, aber ein Zusammengehörigkeitsgefühl vorhanden ist. Zwar gibt es auch mal Nachbarschaftskonflikte, doch rennt man damit nicht immer gleich zum Rechtsanwalt. Man geht zunächst einmal zum Vorstand und schaut, ob über diesen Weg nicht eine Vermittlung möglich wäre, was, erzählt Wagner auf dem Siedlerfest, „oft auch wirklich der Fall ist“.

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