Kolbermoor – Mitten in der Nacht schreckt Thomas
Leithner (81) aus dem Schlaf: Er sieht Lichter und hört einen Pkw. Nicht schon wieder, denkt Leithner, der seit 50 Jahren gegenüber des Elektrizitätswerks an der Conradtystraße wohnt. Seitdem die Bahnüberführung an der Hassler-/Aiblingerstraße gesperrt ist, „verirren sich Autofahrer zu uns“, sagt er – „bis zu zehn am Tag“.
Durchfahrt trotz
Sackgassenschild
Und zwar läuft es laut
Leithner so: Die Autofahrer fahren in die Conradtystraße – obwohl gleich zu Beginn ein Sackgassenschild aufgestellt ist. Ihr Ziel: Lohholz oder Bad Aibling. Sie fahren bis zum asphaltierten Ende. Nach rechts führt ein schmaler Weg ab – rechts sind Gleise, links die Baustelle. Weiter geht es. Nahe des Turbinenhauses steht ein Schild: Privatweg.
Seit der Sperrung des Bahnüberganges ist zusätzlich eine rot-weiße Barriere aufgebaut, „aber die wird einfach weggeschoben“, so Leithner.
Und am Ende landen sie bei Leithner im Garten. „Hier geht es ja nicht weiter“, sagt er und so wenden die Autofahrer in Leithners Garten – auch Wohnmobile sind darunter. „Für sie ist es eng.“ Vor der Sperrung der Straße „verirrte sich fast niemand“, sagt Leithner. Auch ein Passant erzählt an einem Donnerstag gegen 11 Uhr, dass er schon öfter von Autofahrern angesprochen wurde, ob man da nicht nach Bad Aibling kommt, erzählt er.
Stadt: „Sperrung
verläuft ruhig“
Sieht man von Leithner und den „verirrten“ Autofahrern ab, sei die Zeit der Sperrung laut Stadt „sehr ruhig“ verlaufen. „Beschwerden gab es keine, außer einigen Meckerern“, sagt ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Das bestätigt auch das Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung: „Uns liegen weder von der Stadt Kolbermoor noch von der Polizeiinspektion Bad Aibling Mitteilungen vor, dass es im Zusammenhang mit der Vollsperrung des Bahnüberganges zu größeren Problemen gekommen wäre“, Michael Fischer, Sprecher der Behörde.
Könne denn nicht deutlicher zu Beginn der Conradtystraße darauf hingewiesen werden, dass es dort nicht nach Bad Aibling und Lohholz geht? „Hier stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Vor Abfahrt von der Hasslerstraße (RO 13) in die Conradtystraße hat der Verkehrsteilnehmer bereits mehrere Verkehrszeichen ignoriert. Zudem ist hier ein bestehendes Sackgassenschild vorhanden“, so Fischer weiter.
Die Deutsche Bahn teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Nach derzeitigem Stand wird die Sperrung des Bahnübergangs wie geplant bis einschließlich 8. September andauern.“ Ist die Durchfahrt vielleicht schon eher möglich? Gerüchten zufolge hieß es, dass am 3. September die Sperrung aufgehoben werden soll. Aber davon wisse der Bahnsprecher nichts. Ab welcher Uhrzeit es am 9. September freie Fahrt für die Fahrzeugfahrer heißt, konnte der Sprecher der Bahn nicht mitteilen. Rathauschef Peter Kloo hatte mit einer früheren Aufhebung der Sperrung gerechnet, schließlich sehe er dort niemanden mehr arbeiten Aber auch ihm liegt der 8. September vor.