Wer schläft denn hier?

von Redaktion

Spezielle Nistkasten-Kontrolle

Kolbermoor – In Kolbermoor stimmt noch das alte Kinderlied, vor allem wenn man es etwas umdichtet: „Viele Vöglein sind noch da.“ Die gefiederten Freunde zeigen sich insbesonderes frühmorgens im Spinnereipark: Vom Baumläufer und Buntspecht über Dompfaff, Eisvogel, und Gimpel bis zu Pirol, Singdrossel, Stieglitz und Zaunkönig – mehr als zwanzig verschiedene Vogelarten hat Jürgen Halder dort schon entdeckt.

Höhlenbrüter

unterstützen

Er ist bei der Stadt eigentlich für den Unterhalt von Straßen und Gebäuden verantwortlich, kümmert sich aber auch um die grünen Oasen, wie etwa den Karl-Daniels-Platz, den Werkskanal mit seiner Lindenallee oder eben auch den Spinnereipark. Dort wurden im Frühjahr auch über 50 Nistkästen aufgehängt (wir berichteten), mit denen man vor allem die Höhlenbrüter unterstützen will.

Das sind, laut Halder, zum Beispiel alle Meisen- und Schwalbenarten, aber auch Kleiber, Star und Spatz. Selbst der hatte in den letzten Jahren mit einem vorübergehenden Populationsrückgang von sich reden gemacht, und das, obwohl er bekannt ist für seine Anpassungsfähigkeit. Schuld für den Rückgang ist, so vermutet Halder, dass er wie auch die anderen Vögel in Städten immer weniger Areale finden, die noch nicht „nachverdichtet“ wurden. Moderne Bauten aber haben weniger Nischen, die für Höhlenbrüter tauglich sind und die fehlenden Freiflächen verringern das Nahrungsangebot.

Umso wichtiger ist es, dass das, was an Naturräumen noch erhalten ist, auch erhalten bleibt. Eine Tatsache, der man sich in Kolbermoor sehr bewusst ist, wie Halder sagt: „Die Grünflächen werden gehütet, alte Bäume in der Stadt so lange erhalten wie es nur irgend geht und obendrein hängt man eben noch Nistkästen auf.“

Erst letztes Jahr hat man die ursprüngliche Zahl auf insgesamt 53 fast verdoppelt, darunter auch Kästen für Fledermäuse. Mit dem Bereitstellen allein ist es nicht getan, man muss sich auch um sie kümmern. Nur wenige Vögel würden einen Nistkasten annehmen, in dem noch das Mobiliar – sprich das Nestmaterial – des Vormieters ist.

Stadt hütet Grünflachen

Deshalb ist Sebastian Demmel, stellvertretender Chef der Stadtgärtner, jetzt mit seinem Kollegen Rijad Ibraimi und einem Radlader samt Hebebühne ausgerückt, um die Nistkästen zu säubern – an ihrer Seite Biologin Stefanie Mühl. Hier zeigt sich, dass man in Sachen Naturschutz immer einen langen Atem braucht, denn, so Mühl, es dauert lange, bis die Wohnungsangebote als solche erkannt und angenommen werden.

In diesem Jahr sind 13 Kästen belegt gewesen, was rund der Hälfte der ursprünglich vorhandenen Kästen entspricht, die neu aufgehängten wurden offenbar noch nicht akzeptiert. Für den Naturschutz als Ganzes zeigt das, wie wichtig es ist, beständig dranzubleiben. Im Spinnereipark aber ist die Welt – alles in allem – aber noch ziemlich in Ordnung und das gilt nicht nur für die Vögel, sondern auch für die Fledermäuse. Anders als bei den Vögeln, die ja den Nistkasten nur zum Brüten verwenden, kann man bei der Kontrolle die eine oder andere Fledermaus antreffen. Heuer zum Beispiel hat Mühl einen Großen Abendsegler identifiziert, der sich einen Vogelnistkasten als Wohnung aneignete und eine Rauhhautfledermaus, die in einem speziellen Fledermauskasten schlief. Sie wurde bei der Kontrolle in ihrer Nachtruhe gestört – für die Störung bekam sie als Ausgleich ihren Baum etwas ausgeschnitten, um den Anflug an den Schlafkasten leichter zu gestalten – auch das ein Service der Stadt Kolbermoor, die sich hier als rundum vorbildlicher Vermieter zeigt.

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