Kolbermoor – Als ein „Jahrhundertprojekt“ hat Architekt Gotthard Fellgiebel vor rund 26 Jahren die Sanierung der Werkssiedlung in Kolbermoor bezeichnet. Damals startete die Maßnahme – jetzt steht der letzte Abschnitt an. Die Häuser mit den Nummern 10, 11, 11a und 11b wurden im Frühjahr entkernt (wir berichteten), jetzt geht es weiter. Bezugsfertig sollen die Gebäude im Herbst 2021 sein.
Neun Wohnungen
sollen entstehen
Rund 50 Mietanfragen sind bei Claudia Kristian, Leiterin der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Kolbermoor, schon eingegangen, erzählt sie auf Anfrage. Jetzt schon? „Ja, die Wohnungen sind zentral und ruhig, haben teilweise einen kleinen Garten und die Mieten sind günstig“, sagt sie. Zwischen 8,50 und 9,50 Euro soll der Quadratmeter die Mieter kosten.
Insgesamt sollen neun Wohnungen entstehen: Sechs im Haus Nummer 10 und jeweils eine in den Nummern 11, 11a und 11b. Im großen Gebäude Nummer 10 direkt an der Von-Bippen-Straße sind sechs Wohnungen à rund 60 Quadratmeter geplant, erklärt Architekt Fellgiebel in der Bauausschusssitzung im Rahmen der Vorstellung des Entwurfsplanes. Es ist in der Siedlung übrigens das einzige Haus, das Balkone hat. Die neuen Mieter haben obendrein einen Gemeinschaftsgarten. Das Besondere in diesem Haus ist, dass ein Fahrradkeller entstehen soll, erklärt Architekt Fellgiebel.
Auf dem Gelände soll ein neues Gebäude entstehen, „ein Technik-Gebäude“: Neben einem Radunterstand werden dort die Elektrizität und die Heizung untergebracht. Die soll auch erneuert werden, so Fellgiebel, ebenso die „uralten Leitungen – ein Rundumschlag“.
In den Häusern 11, 11a und 11b werden drei Wohnungen realisiert – à 86 Quadratmeter. Alle sollen einen Zugang zum eigenen kleinen Garten erhalten. Dort ist jeweils eine Terrasse samt Häuschen (zehn Quadratmeter) vorgesehen. Sigrid Kumberger (SPD) regt ob der „kleinen Gärten“ an, ob es nicht sinnvoller sei, die öffentlichen Flächen zu verkleinern. Die Gärten sind zwischen 48 und rund 60 Quadratmeter groß. Die Terrassen variieren zwischen elf und 18 Quadratmetern Größe. Architekt Fellgiebel sagte daraufhin, „dass die Erfahrung gezeigt habe, dass die Mieter gar keinen so großen Garten benötigen“. Obendrein: „Je größer der Garten, desto mehr Hütten stehen.“ Und das wolle man vermeiden. Bürgermeister Peter Kloo: „Wir vermieten Wohnungen, keine Doppelhaushälften.“ Kloo wies auch auf die öffentlichen Flächen hin. Schließlich soll der „Werkssiedlung-Charakter erhalten bleiben“.
Diese öffentliche Fläche beispielsweise, die am Ende der drei Gärten geplant ist, soll eine Blühwiese werden, so Kloo. Wenn es öffentlich sei, könne auch garantiert werden, dass es eine Blühwiese wird und nicht sofort der Rasenmäher zum Einsatz kommt. Kerim Bacak (Parteifreie Kolbermoor) sagte begeistert: „Die Mieter wohnen mitten in einem Park.“ Rund 4,5 Millionen Euro kostet die Maßnahme des letzten Abschnittes. „Es ist viel Geld, aber es ist gut angelegt“, so Bürgermeister Kloo. Kumberger: „Ich schnappe nach Luft, wenn ich diese Zahl höre, aber ich habe vollstes Vertrauen in den Architekten. Das hat die Vergangenheit gezeigt“, sagte sie. Kloo sagte, „es werden Werte geschaffen und erhalten“. Das Gremium stimmte den vorgestellten Planungen einstimmig zu.