Kolbermoor – Bis auf den letzten Platz füllte sich die Stadtpfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit anlässlich des Trauergottesdienstes für Heinrich Seyfried, den bekannten und beliebten Bürger Kolbermoors, der durch sein unbändiges pädagogisches und musikalisches Wirken das Gesicht der Stadt so positiv und nachhaltig geprägt hat.
Pater Albert zelebrierte das Requiem und streifte in seiner Predigt den bunten Lebensweg des Verstorbenen im Rahmen seiner großen Familie. Mit Ehrgeiz und Liebe habe er seine unermüdliche Arbeit geleistet und in seinem christlichen Glaubensverständnis diese Liebe an seine Mitmenschen gemäß dem Auftrage Jesu weitergeschenkt.
Einfühlsam begleitet wurde der Gottesdienst von der gesanglichen und musikalischen Bandbreite seiner „Stadtsingschule.“ Die Chöre, der „Mannagsang“, die Stubnmusi mit Streichern und die Stadtkapelle verinnerlichten durch ihre Stücke der Trauergemeinde einmal mehr, wie umfangreich dem „Heiner“ seine Aufbauarbeit gelungen ist. Und beileibe nicht alle großen und kleinen Elementarteilchen der Institution „Stadtsingschule“ konnten hier ihren Beitrag leisten.
Dankbar zeigte sich am Ende eines sehr ergreifenden Gottesdienstes Christian Staudinger, Vorstand des Trachtenvereins „Immergrün“, für die 30-jährige Mitgliedschaft von Seyfried, der immer für einen guten Rat zu haben war und schließlich auch die gemeinsame Maibaumaufstellung 2016 mit den Trachtenvereinen initiierte.
Für den „Sängerkreis Wendelstein“ erinnerte Vorsitzender Alois Hundhammer an einen sehr umtriebigen einstigen Vorsitzenden, der viele Ideen einbrachte, die Gemeinschaft zusammenschweißte und ungewohnte gesangliche Unternehmungen mit der vielchörigen Sängerschar auf seine Schultern lud.
Natürlich wussten alle in der Kirche, wie gewaltig die Leistungen des Verstorbenen waren und doch war man überwältigt, als diese ganzen Mosaiksteinchen seines Lebenswerkes in den Reden zum Leuchten gebracht wurden. Für die „Singschui“ erzählte Norbert Scherbaum als treuer Wegbegleiter von der Gestaltungskraft Heiners, der seit Beginn seines Wirkens in den frühen 60er-Jahren, inspiriert vom „Giesinger Viergesang“, mit einer ungemeinen Dynamik seine Arbeit für die Musik in Kolbermoor ausweitete. Viele Ehrungen und Auszeichnungen, so Scherbaum, wurden dem Mentor zuteil und wenn man am Ende sein Leben so betrachte, scheine es fast so, als ob Heiner Seyfried eine unbändige Schaffensfreude für mehrere Leben besessen habe.
In würdevollen Worten nahm am Ende Bürgermeister Peter Kloo Abschied von einem Mitbürger und Bürgermedaillenträger, der kulturell so viel wie kein anderer für die Stadt geleistet habe. Ohne die Vorredner zu doppeln, schilderte das Stadtoberhaupt die Anfänge des Junglehrers im Jahre 1965, der ganz bewusst auf Vermittlung von Professor Ernst Hauser und Hans Lorenz nach Kolbermoor geholt wurde. Das „Unternehmen Seyfried“ konnte beginnen und im Jahre 1969 wurde er auf Beschluss des Stadtrates zum Leiter der Stadtsingschule bestellt. Nach dem Erlass einer Schulordnung, gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Adi Rasp, war der Grundstein für die „Musikschule“ gelegt.
Kloo verdeutlichte die Leistung Seyfrieds eindringlich: „Dass die Stadtsing- und Musikschule heute mit ihren 600 Schülern, mit großem Lehrkörper, mit unzähligen Chören, Ensembles und Solisten weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und anerkannt ist, das ist auf sein Wirken hinzuführen. Bereits im Jahre 2000 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen und über die Ehrenmitgliedschaft des von ihm gegründeten Fördervereins hat er sich besonders gefreut.“
Ein stimmgewaltiges und doch inniges „Herr, bleib bei uns, es will Abend werden“ von Josef Gabriel Rheinberger packte am Ende doch sehr emotional die mitfühlende Trauergemeinde in ihrem Innersten. Wie oft hat jeder schon den Satz gehört: „Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren“. Hier tun sich viele Kolbermoorer leicht, dieses Versprechen zu erfüllen, den Heinrich Seyfried kann nicht vergessen werden, und zahlreiche Weggefährten werden sagen: „Gott hat es gut mit mir gemeint, dass ich gerade jetzt auf der Welt bin, wo der ,Heiner‘ so viel für meine Heimatstadt getan hat“. Josef Sedlbauer