Rosenheim – Die Bushaltestelle an der Traberhofstraße in Happing wird nicht mehr angefahren. Die Stadt hat sie verlegt in die Kaltwiesstraße. Das sorgt für Unmut im Rosenheimer Ortsteil. Vor allem ältere Menschen fühlen sich abgeschnitten vom Busverkehr in die Innenstadt. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) sucht den Dialog.
Neue Regelung
zum neuen Schuljahr
Seit dem 1. September ist die Haltestelle „Naabstraße“ an der Traberhofstraße geschlossen. Der Bus der Linie 3 fährt dafür jetzt eine neue Haltestelle an, in der Kaltwiesstraße/Kreuzung Eichenholzstraße. Damit habe man auf die „massive Kritik“ von Eltern reagiert, deren Kinder die Grundschule in Happing besuchen und einen Haltepunkt nahe an der Schule gefordert hätten, teilte die Verwaltung währen der jüngsten Stadtratssitzung mit.
Dort hatte Markus Dick, Stadtrat der Freien Wähler/UP Rosenheim, die neue Regelung angesprochen und gesagt, dass ihn zahlreiche Beschwerden von Busnutzern erreicht hätten. Insbesondere sei die nun fehlende Haltestelle ein Problem für Senioren, die entlang der Traberhofstraße wohnen. Unglücklich sei zudem, dass weder die Stadt noch die „Kroiss GmbH – Stadtverkehr“ über die Verlegung informiert hätten, sagte Dick. „Wir brauchen eine Lösung. Jetzt. Sonst geht das Vertrauen der Menschen in den ÖPNV flöten.“
Der Busstopp an der Traberhofstraße gilt als gut ausgelastet. Die Linie 3 ist beliebt, stand sie doch auch in Nachbarschaft zu einer Wohnanlage mit 144 Einheiten, in der viele ältere Menschen leben, die sich hier vor Jahren Eigentum gekauft haben. Nicht alle sind noch gut zu Fuß, viele haben mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen und können den nun längeren Weg in die Eichenholzstraße nur mit Mühe bewältigen. Rund sieben bis acht Minuten müsste man jetzt länger zur Haltestelle laufen. „Für diese Menschen ist die Verlegung eine Strapaze“, sagt Renate Stadel. Die 75-Jährige lebt mit ihrem Mann ebenfalls an der Traberhofstraße und ist selbst gut zu Fuß. Trotzdem hat sie sich mit einem Hilferuf an die Redaktion gewandt. Mehrfach sei sie von betroffenen Bekannten angesprochen und um Hilfe gebeten worden, sagt Renate Stadel. Und bittet die Stadt inständig: „Verlegen Sie die Haltestelle wieder in die Traberhofstraße.“
Den Wartepunkt zu verlegen hat also unterschiedliche Folgen: Währen die Kinder der Grundschule Happing einen kürzeren Weg zum Bus haben, laufen die Anwohner der Traberhofstraße einen weiteren Weg. Ein Dilemma. „Wir können es nicht allen gleichzeitig recht machen“, sagt Ingmar Töppel, Geschäftsleitung bei „Kroiss GmbH – Stadtwerke“. Die ganze Diskussion woge mal in die eine, mal in die andere Richtung. Die Eltern hätten zunächst eine bessere Anbindung gefordert, weil sich mit Hort, Ganztagesschule und variablen Unterrichtszeiten neue Notwendigkeiten für den Fahrplan ergeben hätten. Dann habe die Stadt sowohl in der Traberhofstraße als auch in der Eichenholzstraße die Fernwärme-Leitungen verlegt – und immer habe man versucht, den Busverkehr irgendwie anzugleichen. Die Entscheidung sei nicht ohne das Wissen gefallen, dass die Haltestelle „Naabstraße“ für Senioren und Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung die komfortablere Variante ist, sagt Töppel.
Beide Haltestellen anzufahren, sei von der Linienführung her nicht möglich. Und einen zweiten Bus einsetzen? Zu teuer für das eigenwirtschaftliche Unternehmen. Dass Oberbürgermeisterin Bauer während der Stadtratssitzung ein Gespräch mit ihm in Aussicht gestellt und dazu auch gleich Stadtrat Markus Dick eingeladen hat, das erschließt sich Töppel nicht. Da werde eine Entscheidung infrage gestellt, die man gemeinsam getroffen habe. Das nehme er hin, sagt er, „im Sinne des Gemeinwohls“ sei ihm alles recht.