Zwei aus dem Team des Secondhand-Ladens: Christine Thaler (83/rechts) ist seit 15 Jahren dabei, Iris Tschichholz (64) seit ein paar Wochen.
Kolbermoor – Treffen sich zwei Frauen aus Kolbermoor: „Wo hast du diese tolle Bluse her“, fragt die eine. „Aus dem SecondhandLaden an der Rosenheimer Straße. Für fünf Euro“, antwortet die andere. „Wow.“ Hinter dieser Szene steckt eine Erfolgsgeschichte: Denn der Secondhandshop des Roten Kreuzes an der Rosenheimer Straße 7 feiert am heutigen Montag von 9 bis 18 Uhr sein 15-jähriges Bestehen. Und dass mit vielen Aktionen: So kann man für einen Gutschein, der per Post in Kolbermoor verteilt wurde, kostenlos ein Kleidungsstück eintauschen oder an einem Glücksrad drehen sowie die aktuelle Secondhand-Ware einkaufen.
Erster Laden 2000
in Rosenheim eröffnet
Die Vorläufer dieser Läden, von denen es mittlerweile sechs im Landkreis gibt, waren die sogenannten Kleiderkammern. Bei denen, so Gitti Baumann, die als Bereichsleiterin für die Freiwilligenarbeit beim Roten Kreuz Chefin der Läden ist, traf der Name ins Schwarze. Denn es waren kleine Räume, die oft in Untergeschossen der Rettungswachen des Roten Kreuzes untergebracht waren. Obendrein war „ein selbstständiges Aussuchen nicht möglich“, erzählt sie. Brauchte ein Kunde eine Jacke, musste er die nehmen, die ihm gegeben wurde.
35 ehrenamtliche
Helfer aktiv
Für Martin Schmidt, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, ein „Unding“, das es zu ändern galt. Und so eröffnete der erste Secondhand-Laden im Landkreis vor 19 Jahren in Rosenheim. Das Konzept für ein breites Publikum wurde ein großer Erfolg: 2004 wurde der Laden in Kolbermoor eröffnet, fünf Jahre später zog man in größere Räume. Dieser Erfolg geht laut Baumann und ihrer Stellvertreterin, Claudia Rieger, auf das ehrenamtlichen Personal zurück.
In Kolbermoor sind 35 ehrenamtliche Helfer aktiv – acht sind seit 15 Jahren dabei. Von Beginn an dabei ist beispielsweise Christine Thaler (83). Ihr macht es Riesenspaß: „Der Kontakt zu den Menschen und das prima Klima untereinander.“ Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch, dass sie entscheiden, was von den Kleiderspenden in den Laden kommt. Und das sollte attraktiv sein: „Wenn im Laden über vier, fünf Wochen immer nur dasselbe hängt, würden wir Kundschaft verlieren. Auch bei uns ist es wichtig, dass die Leute immer wieder mal hereinschauen, um zu sehen, was es Neues gibt“, sagt Rieger. Wichtig ist auch, dass für jede Altersgruppe was dabei ist – sozusagen für Kunden von einem bis 88 Jahren.
Wesentlich sind die Ehrenamtlichen auch für eine gute Kundenbetreuung: Denn das Wohlfühlambiente wäre umsonst, wenn die Helfer unfreundlich wären. „Glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall“, so Rieger. Sie berichtet von vielen Kunden, die oft nur in den Laden kommen, weil sie wissen, dass „ihre“ Crew heute Dienst hat.
Wobei die Kolbermoorer auch jede Menge Anekdoten zu erzählen haben. Wie etwa von einer Kundin, die beim Stöbern ein Brautkleid entdeckte, sich darin verliebte und es kaufte: Den passenden Mann dazu hätte sie zwar noch nicht, aber den werde sie schon noch finden.“ Ein Einkaufsverhalten, das man sich bei Preisen, die bei 50 Cent beginnen und bei etwa 30, 40 Euro für ein Dirndl oder eine Lederhose enden, leisten kann.
Wobei die Bedürftigen nie aus den Augen verloren werden. Für sie gibt es die Möglichkeit, über eine Art Kundenkarte auf alles 50 Prozent Nachlass zu bekommen. Die Grenzen sind dabei so gesteckt, dass viele darunterfallen: Bei einer alleinstehenden Person liegt die Einkommensgrenze bei 2100 Euro brutto. Für Gitti Baumann sind diese Grenzen praxisnah, „denn wenn zum Beispiel eine Friseurin über die Runden kommen will, kann es eine Riesenhilfe sein, wenn man sich für eine Handvoll Euro tatsächlich schön kleiden kann.“
Übrigens hat der Kolbermoorer Secondhand-Laden noch eine Besonderheit – auf Grund seiner Größe können hier auch Möbel angeboten werden – auch das garantiert ein buntes Publikum. So können beispielsweise junge Leute, die von Zuhause ausziehen wollen, einen Stuhl für zehn Euro kaufen – für 500 Euro bekommen sie eine Küche samt Elektrogeräte.
Für viele von ihnen ist der Secondhand-Kauf übrigens keine Einschränkung, sondern ein Weg in die Zukunft: „Upcycling“ oder „Aus Alt mach Neu“ lautet die Devise. Der Einkauf schont den Geldbeutel – und die Ressourcen.