Leserbriefe zur Berichterstattung „Krematorium in Kolbermoor“ im Lokalteil:
Im Mangfall-Boten steht: „Deshalb wird das Projekt auch von den in Kolbermoor tätigen Seelsorgern unterstützt.“ Bevor ich diesen Artikel heute gelesen habe, kamen schon Anrufe bei uns an. Ich möchte die Position der evangelischen und katholischen Seelsorgern noch einmal klar stellen. Ob ein Krematorium gebaut wird oder nicht, ist eine politische Entscheidung. Diese ist durch einen Bürgerentscheid an die Kolbermoorer Bürger übertragen worden. Wir Seelsorger/innen halten uns in dieser politischen Diskussion zurück.
Maurus Scheurenbrand
Kolbermoor
Bei unserer Fahrt mit der VHS ins Krematorium Traunstein mit 29 Teilnehmern, wurden wir durch eine gepflegte und saubere Anlage geführt. Es wurden uns die Filteranlage und die Ofenlinie gezeigt, bei der jeder, der wollte, einen Blick durch das Schauglas ins Feuer werfen konnte.
Auf Nachfrage bezüglich der Bypässe wurde uns erklärt, dass im Falle einer Öffnung das gesamte Abgas ungefiltert ins Freie geleitet wird. Dieser Vorgang wird messtechnisch nicht erfasst.
Laut verschiedenen Aussagen von Herrn Engmann kommt das in „unregelmäßigen Abständen“ vor. Die genaue Ursache ist nicht bekannt und kann auch nicht beeinflusst werden. Das heißt, dass wir Bürger in Kolbermoor auf „Unregelmäßigkeiten“ gefasst sein müssen. Mit allen ungefilterten Giften in der Umgebung.
Des Weiteren wurden wir auch zur Lagerstätte der Särge und der daneben befindlichen Urnenwand zur Abholung durch den Bestatter geführt. Dort schlug uns sofort ein Geruch entgegen, der eindeutig dem natürlichen Prozess der Sache geschuldet war. Selbst den Befürwortern des Krematoriums konnte man die Wahrnehmung an der „Nasenspitze“ ansehen. Uns wurde immer wieder unterstellt, dass es den Geruch nicht gibt, oder er von dem in der Nähe befindlichen Schlachthof kommt.
Nun wurde das Gegenteil 29-fach bewiesen. Als wir vor Ort waren und den Geruch im Außenbereich der Anlage wahrgenommen haben, war es sehr heiß und alle Türen und Fenster standen auf. Dass der Geruch dann in die Umgebung dringt, ist logisch. Auch durch die An- und Abfahrten mehrmals täglich müssen die großen Tore geöffnet werden. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass bei der Verabschiedung in der Aussegnungshalle dieser Geruch die Trauernden belastet.
Sabine Zirngast
Kolbermoor
In den vergangenen Tagen wurde mir von der BIK wiederholt das Wort im Mund verdreht. Ich studiere im 5. Semester Produktdesign. In den Semesterferien arbeite ich regelmäßig in unserem Familienunternehmen EHG in Traunstein. So übernahm ich auch eine Gruppe der von der VHS Kolbermoor initiierten Führung durch die Feuerbestattungsanlage. Überrascht stellte ich fest, dass auch Mitglieder der BIK anwesend waren. Diese – allen voran das Ehepaar Zirngast – nahmen mich dabei mit zahlreichen Absurditäten ins Kreuzverhör. Jedes Wort wurde mir sofort im Mund verdreht, sodass ich einen Großteil der Führung mit der Richtigstellung des falsch Verstandenen verbrachte. An der Frage, was denn mit den künstlichen Gelenken passieren würde, die der Verstorbene in sich trägt, entspann sich eine Diskussion, auf deren Klärung ich auf die Abschlussrunde nach den Führungen verwies. Dies wurde dann auch so gehandhabt, worauf klar wurde, dass eine Trennung der künstlichen Gelenke von der Asche der Verstorbenen nicht stattfindet, sondern diese übergroßen Teile entsprechend zerkleinert werden, damit sie in die Aschekapsel passen.
Auf die persönlichen Verleumdungen der BIK, unter anderem Zitat Herr Zirngast: „dass der arme junge Mann noch nicht in die hohe Schule der ‚alternativen Wahrheit‘ eingeführt wurde“, kann ich nur entgegnen, dass ich dafür wohl am besten bei der BIK in die Schule gehen müsste.
Entgegen dieser bleibe ich aber lieber bei den Fakten. Und diese beweisen dass sich statistisch gesehen wohl auch von der BIK einmal 60 bis 70 Prozent feuerbestatten lassen werden. Davon wollen sicher die Wenigsten dann durch die halbe Republik gefahren werden.
Ben Engmann
Traunstein
Frau Levin stellt sich in diesem Artikel vor Kolbermoorer Bürger, die für den Bau eines Krematoriums sind und bedroht werden. Das ist ein schöner Zug. Aber wer stellt sich vor die Bürger, die dagegen sind und bedroht werden? Hätten diese es nicht genauso verdient? Da lese ich leider nichts. Soll dieser Artikel eine Wahlwerbung der Stadt sein? Sie erzählt, dass dieses Ausmaß unsäglich wäre. Ja, sie hat recht, aber wer hat denn dieses Feuer gelegt und zündelt weiter? Egal wie die Wahl ausgehen wird, eines bleibt: Eine gespaltene Bürgerschaft. Jahre werden vergehen, bis Vertrauen wieder aufgebaut ist. Die Verantwortung tragen der Bürgermeister und die Stadträte. Alle wurden gewählt, um „zum Wohle aller Bürger“ zu handeln. Zu einen, nicht zu spalten. Gesundheit und Menschlichkeit vor Profit zu stellen.
Mir zeigt sich bis jetzt nur, dass ein Mann aus unerkennbaren Gründen sein Projekt auf Biegen und Brechen durchziehen will und alle Bürger dann den Schaden zu tragen haben. Ich hätte mir von allen Entscheidungsträgern „Neutralität“ erwartet, das Gegenteil zeigt sich! Bis auf drei Stadträte die so viel Mut aufgebracht haben sich neutral auf jeder Seite zu informieren. Hut ab! Da frage ich mich, was haben die als Minderheit vom Rest zu erwarten? Die Bürger von Kolbermoor werden erst im nächsten Jahr zu den Wahlen das Thema aufarbeiten. Es braucht dann keiner überrascht sein, wenn dabei ein Ergebnis erzielt wird, das vielen von uns so gar nicht gefällt. Die derzeitige Politik in Kolbermoor schreit jedenfalls nach Veränderung und Wechsel.
Christa Schneider
Kolbermoor
Wie das OVB recherchiert hat, gibt es, anders als von Bürgermeister Kloo behauptet, keine Wartezeiten in umliegenden Krematorien. Dadurch ist der Beweis erbracht, dass es keinen Bedarf einer solchen industriellen Leichenverbrennungsanlage in Kolbermoor gibt. Die Frage ist: Bei welchen Aussagen wurde uns noch die Wahrheit verschwiegen? Bei den hochmodernen Filteranlagen, die angeblich fast alle Giftstoffe beseitigen? Bei der Sicherheit der angeblichen Referenzanlage Traunstein? Bei den angeblich nicht vorhandenen Störfällen? Bei den angeblichen Wartungen, die regelmäßig durchgeführt werden? Bei der Umweltverträglichkeit der „modernen“ Anlage? Beim Verkehrsaufkommen? Man sieht, wie skeptisch und leider auch misstrauisch man sein muss, wenn es um das große Geldverdienen geht. Letztendlich muss man sich immer wieder fragen: „Cui bono“, wer zieht den Vorteil aus dem Bau dieses Krematoriums? Die Kolbermoorer Bürger sicher nicht. Solange nur der geringste Verdacht besteht, dass es Gesundheitsgefahren für die jetzigen und künftigen Generationen gibt, muss man in meinen Augen mit „Nein“ stimmen!
Maria Seehuber
Kolbermoor
Lage des Krematoriums direkt neben der Wohnbebauung, das kritisiert die BI: Da es leider keinen Minimalabstand gibt, sollte man sich an den Gesetzgeber wenden! Sportanlagen, Gasthäuser, Schulen, Kindergärten sind auch in anderen Städten in der Nähe eines Friedhofs und niemand nimmt daran Anstoß. Warum nicht auch ein Krematorium? Dort werden Menschen auf ihren Wunsch hin eingeäschert. Die größte Anlage im kleinsten Friedhof, so die Gegner. Es ist nicht die „größte“ Anlage, es gibt größere zum Beispiel das Krematorium in München am Ostfriedhof. Es kommt nicht darauf an, wie viele Urnenbestattungen es in Kolbermoor gibt, sondern auf den Bedarf insgesamt und der steigt, auch in Bayern. Aus ganz Bayern werden wohl nicht Verstorbene nach Kolbermoor gefahren.
Kein Grenzwert für Quecksilber, so die Gegner? An den Gesetzgeber wenden! Auch habe ich nichts von Todesfällen wegen Quecksilberbelastung in der Nähe von Krematorien gehört, und das wäre mit Sicherheit in den Medien gewesen. Zerstörung des idyllisch gelegenen Waldfriedhofs? Einen Waldfriedhof stelle ich mir anders vor, es ist noch nicht einmal ein Park. Warum kein Krematorium in Kolbermoor?
Holger Mairoll
Kolbermoor