Kolbermoor – Dass Katharina Artmeier mit über 4000 Fotos im Gepäck zurück nach Kolbermoor kommt, hätte sie nicht gedacht, aber die Eindrücke waren „zu schön“, sagt die 15-jährige Kolbermoorerin. Sie und die beiden Kolbermoorer Katharina und Severin Wagner waren drei von 1300 deutschen Pfadfindern, die im Sommer am „World Scout Jamboree“ teilgenommen haben (wir berichteten). Das ist das Weltpfadfindertreffen in den USA, in West Virginia – rund 45000 Pfadfinder kamen dort zusammen. Und um die Eindrücke nochmal Revue passieren zu lassen, steht bald ein Nachtreffen mit den Pfadfindern aus der Region München/Rosenheim an.
Übernachten in einer großen Zeltstadt
Ziel der Reise war, „ein Zeichen für den Frieden zu setzen und zu zeigen, dass sich alle Nationen, alle Kulturen verstehen und sie gemeinsam viel Zeit miteinander verbringen.“ Das hat bestens funktioniert: Die 14- bis 18-Jährigen aus aller Welt wohnten Seite an Seite in einer großen Zeltstadt, sie haben sich kennen gelernt, zusammen Wäsche gewaschen, gekocht und Sport gemacht, wie schwimmen, raften, klettern – Völkerverständigung pur. „Das war super interessant“, sagt Katharina Artmeier. Kennengelernt hat sie Jugendliche aus Tobago, Mexiko, Brasilien, Italien und Ungarn – und aus den USA.
Bevor es allerdings nach West Virginia ging, besuchte sie mit anderen deutschen Pfadfindern Washington D.C. Dort wurde unzählige Male das „Weiße Haus“ fotografiert – klar, die Eltern zu Hause wollten alles genau wissen und sehen. Von dort ging es nach West Virginia – zum weltgrößten Pfadfindertreffen. Was ihr genau in Erinnerung geblieben ist, dass „viele Pfadis aus anderen Ländern ihre Kluft akkurat tragen, das Hemd in der Hose, Gürtel. „Wir sind da lockerer.“ Hatten sie die Kluft angezogen, mussten sie sich ums Essen kümmern – via App stand ihnen im Supermarkt ein gewisses Budget zur Verfügung. „Meistens gab es Pasta, Wraps – das war nicht so gesund“, sagt sie und lacht. „Und vieles war so super süß. Der Apple Pie zum Beispiel.“ In diesen Momenten hat sie sich nach Hause gesehnt – nach Mamas Apfelkuchen und Schweinebraten – „und richtigem Wasser – in Amerika ist es ja gechlort“.
Während der zehn Tage in West Virginia haben die Jugendliche auch Tücher und Abzeichen getauscht zur Völkerverständigung. Artmeier hat jetzt zwei Tücher aus den USA und Slowenien, obendrein Abzeichen aus Brasilien, USA, Kambodscha und Ungarn – „die Kluft ist voll“, erzählt sie. Und wie war es bei den Gastgebern? „Sehr schön, die Amerikaner sind offen, nett und freundlich. Es war eine der tollsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.“ Nach dem Camp ging es für die meisten nach Hause – nicht für Artmeier. Die reiste mit einer rund 35-köpfigen Pfadfinder-Gruppe weiter nach New York. Und? Die Stadt haben die Pfadis erobert – Shopping und Sightseeing stand auf dem Programm – Fotos? 350 ganz bestimmt. Vom Rockefeller Center hatten sie einen perfekten Blick, des Weiteren waren sie auch beim „September 11 Memorial and Museum“ – „das war beeidruckend“, sagt Artmeier. Und die Stadt selbst? „Es war schon schön, aber aufgefallen sind die vielen, vielen Obdachlosen – das war traurig.“ Vom Big Apple ging es weiter nach Kanada in die Provinz Nova Scotia – 21 Stunden saßen sie im Bus. „Kanada ist so toll“, schwärmt die Kolbermoorerin. Ahorn-Sirup-Farm, Meer und zum Abendessen gab es bei einem Kanadier Hummer. Und? „Sehr gut“, sagt sie. Dennoch hat sie den Schweinebraten vermisst. Und als sie nach knapp vier Wochen wieder zu Hause war, stand der auf dem Tisch – und die über 4000 geknipsten Fotos kommen jetzt in ein Album.