Kolbermoor – Eine wahrhaft große Trauergemeinde nahm gestern Abschied von Ludwig Kalhammer (93) und begleitete ihn auf seinem letzten Erdenweg zum Alten Friedhof der Stadt. Der leidenschaftliche Trachtler, Volkssänger und beliebte Alleinunterhalter hat seiner Familie und zahlreichen Weggefährten eine Lebensgeschichte hinterlassen, vor der man sich nur staunend und ehrfurchtsvoll verneigen kann.
Schon beim Requiem, das von Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand zelebriert wurde, konnte man die Fülle seines Schaffens im übervollen Gotteshaus bereits erahnen. In ihrer Predigt spannte Pastoralreferentin Christine Maier den Bogen von Lesung und Evangelium zu den Psalmen Davids, die da von Klagen erzählen, die sich in Tanzen verwandelten. So darf auch Ludwig Kalhammers Leben bezeichnet werden, dessen Humor nie verstummte, der seine berechtigte Trauer, verursacht durch große Schicksalsschläge, immer wieder unverdrossen gegen seine lustigen Lieder, Gstanzln und Gedichte eintauschte.
Musikalisch umrahmt wurde die Messe von der Stubnmusik des Trachtenvereins Stamm I und den „Riederinger Sängern“, die Annette Thomas „Bauernmesse“ sangen, die den verstorbenen Volkssänger selbst ein gutes Stück seines Lebens bei den „Lohholzer Buam“ begleitete. Angeführt von der „Wasener Musi“ und über zehn Fahnenabordnungen bewegte sich der Trauerzug zur letzten Ruhestätte von Ludwig Kalhammer.
Mit sehr persönlicher Note nahm Pastoralreferentin Christine Maier die Aussegnung vor, gesanglich begleitet von den „Riederinger Sängern“, die schon sehr emotional vom endenden Almsommer und von der Sterblichkeit des Menschen sangen.
Wie sehr der „Lugge“ seine Arbeit, die Kameradschaft und beispiellose Arbeit für seine Vereine und Gemeinschaften geschätzt und geliebt hat, schilderten eindrucksvoll die Grabreden. Viele Ämter übernahm dieses Kolbermoorer Original beim Siedlungsverein, beim Rauchklub und zentral bei seinem Trachtenverein „Immergrün Kolbermoor“. Allesamt erlebten durch sein Wirken eine segensreiche Zeit, die ihm mit hohen Auszeichnungen vergolten wurde. Trachtenvereinsvorstand Christian Staudinger erzählte da vom zehnjährigen „Taferlbuam“, der bereits 1936 in den Verein hinein schnupperte, im Anschluss viele Posten bis hinauf in die Führungsriege der „Immergrünen“ bekleidete und als „Fasslkasperl“ beim „Schäfflertanz“ unvergessen bleiben wird.
Unter den Klängen des „guten Kameraden“ mischten sich die Salutschüsse, so, als wollten sie den Verstorbenen nochmals anzeigen, wie sehr ihn seine Familie und seine Weggefährten geliebt und geschätzt haben. Es werden nicht wenige unter den Trauergästen gewesen sein, die sich in diesen sehr nachdenklichen letzten Minuten des Grabganges so manch lustige Begegnung oder Anekdote mit diesem leidenschaftlichen Trachtler in Erinnerung gerufen haben. Ludwig Kalhammer hat viel für Kolbermoor getan. An ihn und seine Arbeit wird man sich bleibend erinnern.
Josef Sedlbauer