Kolbermoor –„Der Eingriff ist so gering wie möglich“, erklärte Bürgermeister Peter Kloo (SPD) bei der jüngsten Stadtratssitzung, als es um den naturnahen Kindergarten an der Hölderlinstraße ging. Das Grundstück ist etwa 3300 Quadratmeter groß – rund 1000 Quadratmeter nördlich des Weges bleiben jetzt Biotop. Letztlich wurde der Entwurf des Bebauungsplanes mit zwei Gegenstimmen durchgewunken.
Keine Versiegelung: Häuser aufgeständert
Das heißt: An der Hölderlinstraße entsteht ein naturnaher Kindergarten für das Kindergartenjahr 2020/2021. Zunächst mit zwei Gruppen – jede weitere bedarf der Zustimmung des Stadtrates. „Die überbaubare Fläche des 3300 Quadratmeter großen Grundstücks wurde von 800 Quadratmetern auf 480 Quadratmeter reduziert“, erklärt Thomas Beer vom Bauamt. Die Holzhäuser sollen aufgeständert werden, so dass auch der Boden nicht versiegelt werden muss. Eine Erschließung erfolgt auf kurzem Wege von der vorhandenen Wohnbebauung.
Die Zufahrt soll einem Forstweg gleichen – „auch hier wird nichts geteert“, so Beer. „Wir haben viel Herzblut hineingesteckt.“ Entstehen sollen auf dem Gebiet drei Gebäude – eines davon ist als Abstellraum für Fahrräder gedacht, in den zwei weiteren spielen die Kinder. Auch wurde der Sanitär-Bereich in einem Haus nahe der Straße gewählt – die Erschließungsleitungen sind daher nah.
In der Sitzung wurden auch die Stellungnahmen vorgetragen – darunter auch die der Bürger. Sie fragten unter anderem „warum Wald abgeholzt werden muss, um Blockhütten aufzustellen“. Darauf habe man reagiert und eben den nördlichen Teil jetzt so belassen, so Beer. Laut Beer werden für den Kindergarten sechs Bäume gefällt, dafür aber neue gepflanzt.
Plätze werden
dringend benötigt
Stadtrat Stefan Reischl (Parteifreie Kolbermoor) sagte: „Da wo ein Teil der Bürger jetzt wohnt, standen vorher auch Bäume.“ Und Rathauschef Kloo betonte nochmal: „Der Eingriff ist so gering wie möglich.“ Dagmar Levin (SPD) findet den naturnahen Kindergarten „super“. Und ergänzte: „Kinder zerstören die Natur nicht. Vielmehr erfahren sie dort die Natur.“ Und weiter: Die „Kinder sollen doch nicht in dem Glauben aufwachsen, dass die Kuh lila ist.“ Und Dr. Berthold Suldinger (SPD) erklärte: „Ein naturnaher Kindergarten verdrängt nichts.“ Kindergartenplätze werden in Kolbermoor dringend benötigt – über 50 Plätze fehlen 2020. Ins Stocken geraten war das Projekt, nachdem die CSU-Fraktion im Sommer beantragte, über ihre Alternativvorschläge zu entscheiden – das tat die Kolbermoorer Verwaltung und überprüfte die Verfügbarkeit der Flächen am Tonwerk (wir berichteten).