Neugierde auf Natur wecken

von Redaktion

Interview Klaus Dehler über seine Ziele als neuer Vorsitzender des Bund Naturschutz

Kolbermoor – Der Bund Naturschutz hat in Kolbermoor rund 230 Mitglieder und jetzt bei der Jahresversammlung (siehe Kasten) mit Klaus Dehler einen neuen Vorsitzenden bekommen. Der 64-Jährige löste die langjährige Vorsitzende Katharina Meidinger ab, die sich nicht mehr zur Wahl stellte. Welche Pläne er hat und wie er das Thema Natur noch näher an die Kolbermoorer bringen möchte, erzählt er im Interview.

Herr Dehler, was sind Ihre Pläne als neuer Vorsitzender?

Soweit es die Zeit erlaubt, will ich versuchen die Natur weiter an den Bürger zu bringen. Aber natürlich sollen weiterhin Stellungnahmen zu Bauvorhaben eingereicht werden, wie bisher, aber das ist meist sehr abstrakt. Deshalb ist es wichtig, sie auf anderem Wege zur Natur zu bringen.

Wie soll das passieren?

Versuchen möchte ich das weiterhin beispielsweise mit Aktionen, wie dem Amphibiensammeln, Tümpel für Gelbbauchunken attraktiv machen, außerdem soll die von der Kreisgruppe neu gestaltete Insektenausstellung in Kolbermoor gezeigt werden. Und natürlich sind Führungen in die Natur geplant.

Heuer haben Sie erstmals Fledermaus-Führungen angeboten.

Ja, sie waren sehr erfolgreich und es sollen auch 2020 wieder welche stattfinden. Leider musste die Ameisen-Führung wegen Regens ausfallen. Aber ich kann mir beispielsweise vorstellen, Führungen anzubieten, die sich um die Themen Pilze und Flechten drehen. Wichtig ist einfach, die Neugierde für die Natur zu wecken.

Spielt Ihnen die „Fridays for Future“-Bewegung in die Karten?

Klima- und Naturschutz sind ja nicht automatisch das Gleiche. Vielmehr hat das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ genutzt. Da gab es eine starke Welle und die Diskussionen halten an. Jetzt ist es an uns, dieses Feuer am Brennen zu halten.

Was kann denn jeder Kolbermoorer selbst tun?

Das ist nicht so leicht zu beantworten und kommt auf die Lebensumstände an. Aber man kann sich natürlich überlegen, ob man für einen halben Tag nach Südtirol zum See fahren muss oder ob man das Auto für einen kurzen Weg nicht lieber stehen lasse und lieber das Rad nehme oder zu Fuß gehe.

Welche Projekte brennen Ihnen derzeit in Kolbermoor unter den Nägeln?

Der Naturnahe Kindergarten an der Hölderlinstraße beschäftigte uns sehr. Und mit dem jetzigen Ergebnis, die Fläche zu reduzieren, können wir leben. Eine 100-prozentige Lösung gibt es ja nie.

Wie stehen Sie zum Brenner-Nordzulauf?

Der Bund Naturschutz ist da im Zwiespalt. Denn einerseits sagen wir natürlich, dass der Bahnverkehr gegenüber dem Individualverkehr gestärkt werden muss, Andererseits sind die bestehenden Bahnstrecken nicht ausgelastet und das muss unserer Meinung nach erstmal gegeben sein. Vorher ist so ein Großprojekt nicht gerechtfertigt.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs beim Bund Naturschutz in Kolbermoor aus?

Wir versuchen natürlich mit Führungen und Biotop-pflegerischen Maßnahmen auch Jüngere anzusprechen. Aber es ist nicht so einfach, die zwischen 30- und 50-Jährigen sind meist fest im Berufsleben und in der Familie verankert. Und da bleibt einfach wenig Zeit.

Interview: Ines Weinzierl

Jahresversammlung

Bei der Jahresversammlung stand die Bautätigkeit in Kolbermoor mit den Folgen für Natur und Umwelt im Mittelpunkt: Die Vorsitzende Katharina Meidinger erklärte, dass der Bund Naturschutz in seinen Stellungnahmen zu den Bebauungsplänen immer wieder den Erhalt von alten Bäumen und Grünflächen sowie die Verbesserung der Fuß- und Radwegeverbindungen fordere. „Bei der wachsenden Zahl der Einwohner in Kolbermoor werden Flächen immer weniger, die als Wald, Wiesen, Grünflächen und Gärten lebensnotwendig für den Erhalt der Artenvielfalt sind.“ Meidinger betonte, dass jeder seinen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten könne. Dazu sei es notwendig, sich vom ständigen Wachstum zu verabschieden: also weniger Konsum, weniger Flugreisen, weniger Autos, weniger Straßen und keine Großprojekte, wie beispielsweise den Neubau der Nordzulaufstrecke zum Brennerbasistunnel.

Bevor die Neuwahlen begannen, wurden Katharina Meidinger als Vorsitzende und Michael Schwägerl als Kassenwart verabschiedet. Beide hatten erklärt, nicht mehr für diese Funktionen kandidieren zu wollen. Die Kassenführung wurde der Kreisgruppe übertragen. Anschließend wurde gewählt: Klaus Dehler ist neuer Vorsitzender und Michael Werner sein Stellvertreter. Den Vorstand ergänzen die Beisitzer: Gertrud Helbich, Katharina Meidinger, Ulrike Fuchsberger, Brigitte Woolridge, Ralf Exler sowie Josef Schrödl.

Interessierte willkommen

Die Ortsgruppe des Bund Naturschutz trifft sich jeden zweiten Dienstag um 20 Uhr im Mangfalltreff. Dazu sind auch Nichtmitglieder willkommen. Das nächste Treffen findet am 10. Dezember statt. Weitere Infos bei Klaus Dehler, Mail:
bnkolbermoor@web.de

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