Bitte einsteigen! Stadt nimmt Fahrt auf

von Redaktion

ÖPNV stärken: Rat stimmt für dritten Bus – Ab Herbst soll der Betrieb starten

Kolbermoor –Aus zwei sollen drei werden, langfristig sogar vier: Der Stadtrat hat jetzt einstimmig entschieden, einen dritten Stadtbus auf die Straßen zu schicken – ab Herbst 2020 soll es losgehen. Die Anschaffung soll etwa 200000 Euro betragen – die Jahreskosten für den dritten Bus belaufen sich auf etwa 170000 Euro.

Taktung muss
erhöht werden

„Wir müssen den ÖPNV stärken“, sagte Elisabeth Kalenberg, geschäftsführende Beamtin in der Sitzung und blickte in punkto Stadtbus zurück und in die Zukunft. Mit einem neuen Bus könne künftig auch die Taktung erhöht werden: Zu Beginn des Stadtbus-Pilotpojektes 2013 lag sie bei 33 Minuten. Derzeit sind die Busse im 55-Minuten-Takt unterwegs. Der Grund: Die Linienführung habe sich geändert – die Anbindung von Schlarbhofen und Lohholz habe sich beispielsweise verbessert. Aber: „Diese Taktung geht zu Lasten der Akzeptanz“, so Kalenberg.

Dagmar Levin (SPD) betonte: „Wir sind große Anhänger des Stadtbusses – der ÖPNV ist die Zukunft.“ Und deshalb sei sie auch gleich für einen vierten Bus. „Ziel muss die 30-minütige Taktung sein.“ Eine engere Taktung befürworteten alle.

Georg Kustermann (Grüne) ging noch einen Schritt weiter: Ziel müsse sein, dass man keinen Fahrplan mehr braucht, da alle zehn Minuten ein Bus kommt. „Der Stadtbus ist unser geistiges Kind – der ÖPNV ist wichtig.“ Und: Straßen, die für den Individualverkehr geschlossen sind oder werden, können für den Bus geöffnet werden, so Kustermann weiter. Bürgermeister Peter Kloo (SPD) sagte, dass man diesen Gedanken aufgreifen werde.

Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) berichtete, dass Kolbermoor wegen des Stadtbusses von anderen Gemeinden „neidig beäugt wird – wir tun eben was für den ÖPNV“.

Sebastian Daxeder (CSU) erklärte, dass auch er für den dritten Bus sei – er aber nach zwei Jahren auf den Prüfstand müsse, hinsichtlich des Defizits. Rathauschef Kloo sagte daraufhin: „Der ÖPNV ist nie kostendeckend.“

Sigrid Kumberger (SPD) sagte den Stadträten, dass sie alle mit dem Stadtbus fahren sollten – „man muss das auch vorleben“. So sei sie auch schon mit Senioren von Lohholz mit dem Bus gefahren – „für sie ist es wie ein neues Leben“.

Für alle Bürger ist der Stadtbus ab 8 Uhr greifbar: Vorher, zwischen 7 und 8 Uhr, werden beide Grundschulen angefahren, um die 100 bis 113 Kinder zum Unterricht zu bringen. Insgesamt liegt die Beförderung von Schülern monatlich bei 1540, rund 1760 Fahrten fallen auf Erwachsene – monatlich finden also 3300 Beförderungen statt. Fünf Busfahrer sind derzeit im Einsatz – mit dem neuen Stadtbus muss deren Anzahl um 2,5 erweitert werden.

Angedacht sei auch, bestehende Haltestellen wie die Aiblinger Au zu streichen, dafür aber das Tierheim oder die Mietrachinger Straße anzufahren, so Kalenberg. Dennoch: Die zwei bestehenden Linien sollen so gefahren werden, wie bisher – ein dritter könnte den Süden bedienen und in entgegengesetzte Richtung unterwegs sein.

Langfristig solle auch ein vierter Bus angeschafft werden, dann könne dieser den Norden in die entgegengesetzte Richtung befahren, erklärte Kalenberg. Hinsichtlich des Vorschlages von Levin in punkto vierter Bus sagte Peter Kloo: „Wir müssen an dem System lernen und wachsen und erst den dritten und dann den vierten Bus anschaffen – in kleinen Schritten.“ So war es auch bei den ersten Bussen: „Wir haben ständig gelernt und nachjustiert“. Seine Vision: „Ein landkreisweites ÖPNV-System – unser ÖPNV darf nicht an den Stadtgrenzen aufhören.“

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