Kolbermoor – Alten, einsamen und bedürftigen Kolbermoorern helfen – das haben sich Gabriele Endter und Nik Kannengießer vom Projekt „Helfende Hand“ der Nachbarschaftshilfe Kolbermoor auf die Agenda geschrieben. „Denn die Not ist groß“, weiß Vorsitzender Kannengießer aus Erfahrung und Endter gibt ihm recht. Auch die Zahlen geben ihnen recht: „Knapp 2000 Kolbermoorer sind über 75 Jahre alt – davon beziehen rund 50 Personen eine Grundsicherung“, erklärt Endter, die die Zahlen von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen hat.
Kolbermoorer
in Bauwagen
Und Endter kann auch ein Beispiel nennen, was zwar länger zurückliegt, aber bei aktuellen Fällen halten sich die beiden zurück –„es gibt sie, aber wir können nicht darüber sprechen“. Endters Beispiel: Vor Jahren hat ein einsamer, armer, alter Mann in einem Bauwagen in einem Waldstück südöstlich von Kolbermoor gelebt. „Über Umwege sind wir damals informiert worden, dass der Mann operiert werden solle, man aber nicht wisse, ob er nach der OP in seinem Zuhause zurechtkommt.“
Endter und andere ehrenamtliche Helfer der Nachbarschaftshilfe sind daraufhin zu dem Bauwagen des Mannes gefahren. Der Mann hat in einem unbeheizten Wagen ohne sanitäre Anlagen gelebt, erinnert sich Endter. „In dieser Umgebung hätte er nach der Operation niemals gesund werden können“, sagt sie. Die Lebensgefährtin des Mannes habe damals schon in einem Altenheim in Kolbermoor gewohnt. „Wir haben dann alles daran gesetzt, den Mann mit seinem Einverständnis dort unterzubringen.“ Das hat geklappt – auch die OP sei gut verlaufen.
Dieser Fall sei natürlich extrem, aber es gebe viele alte, arme, einsame Menschen in der Stadt, das wissen die beiden aus Erfahrung und deshalb wollen sie helfen. Beispielsweise mit Besuchen, Hilfestellungen bei Anträgen, Hilfe im Haushalt oder „einfach mal für die Menschen einkaufen gehen“, sagt Endter. Denn viele leben nahe am Existenzminimum – „da kann es schon zum Problem werden, wenn man die Medikamente nicht mehr zahlen kann“, so Kannengießer.
Kontaktaufnahme
ist schwierig
Schwierig sei aber, mit den Bedürftigen in Kontakt zu kommen. Aufgrund des Datenschutzes gelange man nicht an die Personen. Deshalb hat Endter schon Kontakt zur Stadt aufgenommen – sie habe Sozialhilfeempfänger angeschrieben und auf das Angebot der Nachbarschaftshilfe aufmerksam gemacht. In die Schreiben setzte Endter ihre Hoffnungen: „Aber es hat sich niemand daraufhin bei uns gemeldet.“
Jetzt gehe sie neue Wege: Über den Verein Kolbermoorer helfen, die Weihnachtspäckchen packen, haben Endter und Kannengießer Wunschzettel mit in die Päckchen gelegt. „Auf ihnen stehen beispielsweise, ob man bei Anträgen helfen kann, ob man besucht werden möchte oder anderweitig Hilfe benötigt“. Endter hofft, dass sie so an die Bedürftigen herankommt. Kannengießer sagt: „Auch Nachbarn wissen ja manchmal, wem es besonders schlecht geht.“
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