Kolbermoor – Die Kinder sind traurig, die Erwachsenen fassungslos! Ein Unbekannter hat ihren geschmückten Christbaum in einem Waldstück nahe des Tonwerkweihers „mutwillig zerstört und alle Äste abgesägt“, erzählt Brigitte Petzinger (57) aus Kolbermoor.
Sie ist eine der Leiterinnen der Mäuseburg des SV-DJK, die unter anderem Eltern-Kind-, Wald- und Kreativgruppen anbietet. Sie stellen seit über 15 Jahren einen Tannenbaum in dem Waldstück, etwa 20 Meter fernab des Weges, auf, und feiern dort eine Waldweihnacht – jedes Jahr kurz vor Weihnachten. „Und bis Mitte Februar bleibt er dort. Viele freuen sich darüber und hängen Äpfel an den Baum für die Tiere. Es ist wie ein Treffpunkt“. Heuer gibt es ihn nicht.
Spaziergänger
vermissen Baum
Am 24. Dezember gegen Mittag erhielt Petzinger eine Nachricht auf ihrem Handy von einer Mäuseburg-Mutter: „Der Christbaum ist komplett zerstört. Wahnsinn, was für Menschen es gibt.“ Petzingers Mann ist dann sofort zu dem zerstörten Baum gefahren und hat alles aufgeräumt inklusive der Eisenstangen, die den Baum halten – „nicht, dass sich jemand verletzt“, sagt sie. „Zuerst war ich stinksauer, aber dann habe ich gesagt: Wir lassen uns Weihnachten nicht verderben“, erzählt sie rückblickend. Sie hat sich dann ans Handy gesetzt und den Mäuseburg-Leitern und -Eltern eine Nachricht ob des zerstörten Baumes geschickt.
Landratsamt
erlaubt Aktion
Aber von vorne: Seit über 15 Jahren hat die Mäuseburg die Tradition, kurz vor Heiligabend eine Waldweihnacht zu feiern und stellt seither eine Tanne samt roter Schleife ins Waldstück. „Wir haben dafür auch vom Landratsamt die Erlaubnis“, sagt Brigitte Petzinger. Denn der Grund gehöre dem Freistaat.
Am selben Tag treffen sich alle Mäuseburg-Kinder, -Eltern und -Leiter samt Familien und gehen den Weg, den Petzinger und ihre Kollegen mit Kerzen in Gläsern gesäumt haben, zum aufgestellten Baum. „Das ist wirklich schon Tradition, heuer waren wir um die 80 Personen“, sagt sie. Die Kinder bringen Anhänger in Form von Tierfutter mit – Apfelstücke zum Beispiel. Dort kommt man zur Ruhe, singt „Oh Tannenbaum“ und „Stille Nacht“. „Es ist wirklich romantisch.“
Der mit Futter für die Tiere geschmückte Baum bleibt dann meist bis Februar stehen. „Viele Kolbermoorer spazieren vorbei, hängen auch Äpfel an den Baum für die Tiere.“ Petzinger und die anderen Leiter werden oft angesprochen – „das ist so wunderschön“.
Keine Anzeige
erstattet
Diese Sätze fallen derzeit nicht. Bis jetzt werden Petzinger und die anderen Leiter der Mäuseburg angesprochen, warum es heuer keinen Baum gibt. Jedem erzählen sie die Geschichte. Anzeige haben die Leiterinnen nicht erstattet –„das war nie ein Thema“, sagt sie auf Anfrage der OVB-Heimatzeitung.
Trotz „des unbekannten Zerstörers“ lassen sich die Mäuseburg-Leiter nicht entmutigen: „Heuer feiern wir wieder Waldweihnacht – mit Baum und Schleife. Das lassen wir uns nicht kaputt machen.“