Kolbermoor – Jeden Montag um Punkt 14.15 Uhr geht Maria Behrendt (73) die Treppe zur Kleiderkammer im Gemeindehaus der evangelischen Kreuzkirche hinunter. Jeden Montag soll schließlich die Kleiderkammer, die um 15 Uhr öffnet, für die Kunden hergerichtet sein, sagt sie. Und so schiebt sie zum Beispiel Kleiderständer in den kleinen Flur vor dem eigentlichen Raum der Kleiderkammer und sortiert Ware. Sie ist eine von fünf Frauen, die sich in der Kleiderkammer engagieren.
Erlös kommt
Familien zugute
Denn viele Kolbermoorer bringen die Woche über Säcke voller Kleidung, Geschirr und Tischwäsche zur Kreuzkirche. Die Ware wird dann jeden Montag von 15 bis 17 Uhr verkauft.
Die Preise sind niedrig: Blusen kosten 1,50 Euro, Shirts 50 Cent, Jacken 2,50 Euro und gut erhaltene Mäntel zwischen fünf und sechs Euro – „die Preise sind bei uns für jeden gleich“, sagt Behrendt.
Wichtig ist ihr, dass der Erlös der evangelischen Kirchengemeinde zugutekomme – „es geht zum Beispiel an notleidende Familien“, sagt Behrendt, der ihre Tätigkeit „einen Riesenspaß macht“.
Vor knapp fünf Jahren ist sie nach Kolbermoor zurückgezogen. Die Stadt hatte sie einst wegen der Liebe in Richtung Speyer (Rheinland-Pfalz) verlassen, als dann ihr Lebenspartner starb, kam sie zurück in die Mangfall-Stadt. „Ich brauchte einfach eine Aufgabe. Ich wollte mit meiner Freizeit etwas Sinnvolles machen“, sagt sie und lacht. Sie hörte dann von der Kleiderkammer, ging dorthin, stellte sich vor und seither ist sie im Team der Kleiderkammer, dessen Leitung Heidi Andrä innehat. „Wir sind ein tolles Team, verstehen uns sehr gut.“
Wenn die Kleiderkammer um 17 Uhr schließt, haben die Frauen noch jede Menge zu tun: Alles aufräumen und sortieren. Manchmal kommt Behrendt auch zwischendurch vorbei, um alles auf Vordermann zu bringen, falls etwas liegen geblieben ist. „Ich rufe dann eine Kollegin an und wir machen es zu zweit“, sagt sie.
Somit ist die Kleiderkammer nicht nur ein Ort, an dem man sich Kleidung, Geschirr und Tischwäsche zu günstigen Preisen kaufen kann, sondern auch ein Ort der Zusammenkunft. „Viele Kunden kennt man und viele kommen einfach so vorbei, um zu ratschen“, sagt sie.
Neben der Kleiderkammer engagiert sie sich auch noch für das Kirchencafé in der Kreuzkirche nach dem Gottesdienst.
„In Speyer gab es auch ein Kirchencafé und mir gefiel das sehr gut.“ Als sie nach Kolbermoor kam, vermisste sie diese Zusammentreffen nach dem Gottesdienst. So initiierte sie das Kirchencafé – und seit 2018 findet es einmal im Monat nach dem Gottesdienst statt. „Das bereichert die Gemeinde – das war auch in Speyer so.“
Und hat sie sich wieder gut in Kolbermoor eingelebt? „Ja, ich bin wieder angekommen“, sagt sie. Und dabei haben ihr ihre Ehrenämter geholfen. „Klar, wenn du nie etwas zu tun hast, wirst du doch verrückt.“