Prävention ist Marathon, kein Sprint

von Redaktion

Neujahrsempfang des Kreuzbund-Diözesanverbandes München und Freising

Kolbermoor – Prävention und Selbsthilfe – diese beiden Begriffe prägten den Neujahrsempfang des Kreuzbund-Diözesanverbandes München und Freising im vollen Mareis-Saal in Kolbermoor. Der Kreuzbund ist eine Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige unter dem Dach des Caritas-Verbandes.

Kreuzbund-Geschäftsführerin Sonja Egger schilderte eingangs ihrer Ansprache die Situation eines Suchtkranken nach durchlaufener Therapie und Nachsorge. „Nach zwei Jahren ist der Betroffene auf sich gestellt, und jetzt wird es problematisch, denn die Sucht ist eine Krankheit“ konstatierte sie und ergänzte: „Gegen sie gibt es keine Medizin im herkömmlichen Sinn und auch keine Operation.“

Hier setze die Selbsthilfe an, darunter auch die diözesanweit 100 Kreuzbundgruppen mit insgesamt circa 1200 Besuchern. An den Gruppenabenden könne man ohne Angst und Scham Probleme ansprechen. Die Gruppe könne unter anderem vor einem eventuellen Rückschlag warnen und den Kranken wieder auffangen. Angebote gebe es auch für Angehörige; wichtig sei besonders auch die Prävention. Abschließend äußerte sie den Wunsch, dass die berufliche Suchthilfe mehr noch als bisher auf Augenhöhe mit der Selbsthilfe zusammenarbeiten möge.

Die Stärkung beider Institutionen nannte die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig in ihrer Rede als Ziel und würdigte die herausragende Leistung der Ehrenamtlichen, denen man nicht genug danken könne. Süchtige Menschen seien kranke Menschen, denen man helfen müsse. „Wir müssen raus aus der Stigmatisierung und hin zu mehr Menschlichkeit“, forderte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Die Prävention für Suchterkrankungen stelle immer neue Herausforderungen dar. Sie erwähnte unter anderem die neuen psychotoxischen Stoffe, die per DHL-Lieferung ins Haus kämen. „Prävention ist kein Sprint mit schnellen Erfolgen, sondern ein Marathonlauf“, stellte sie fest. „Raus aus der Ecke, rein in die Mitte – mit Unterstützung durch die Selbsthilfe“ nannte sie als Devise. Sie stand auch den Teilnehmern bei einer Diskussion Rede und Antwort. Themen dabei waren auch Cannabis und seine Verharmlosung, Prävention an Schulen sowie die Alkohol- und Tabakwerbung.

Eröffnet hatte den Empfang der Diözesanvorsitzende Franz E. Kellermann, der unter den rund 150 Gästen auch die Bundesvorsitzende Andrea Stollfuß willkommen hieß. Der Veranstaltung voraus ging ein Gottesdienst in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit, den der Präses des Diözesan-Caritasverbandes, Augustinus Bauer, zelebrierte.

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