70 Fichten von Borkenkäfer befallen

von Redaktion

Fällungen am Tonwerkweiher unumgänglich – Verdacht auf Asiatischen Moschusbockkäfer

süden

Kolbermoor – Nördlich des Lehrbienenstandes am Tonwerkweiher reiht sich Baumstumpf an Baumstumpf: Rund 70 Fichten auf dem Gelände mussten jetzt gefällt werden. Diese Maßnahme war unumgänglich, da die Bäume vom Borkenkäfer befallen waren. Zuständig ist hier der Eigentümer des Geländes, der Landkreis Rosenheim. Das Landratsamt teilt mit, dass die Maßnahme jetzt abgeschlossen ist. Aber: „Sollte der Borkenkäfer wieder auftreten, muss nachgearbeitet werden“, so Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes. Und weiter: „Der Borkenkäfer stellt aktuell das größte Problem dar.“

Weiterer Schädling
an Kriecherlbaum?

Aber es könnte noch schlimmer kommen: Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) haben einen „Kriecherlbaum gefunden, der im dringenden Verdacht steht, vom Asiatischen Moschusbockkäfer befallen zu sein“, so der Sprecher. Der Baum, der nahe der Spielhahnstraße gefunden wurde, muss beseitigt werden. „Alternativen gibt es nicht“, so Fischer. Die Fällung ist für den Zeitraum zwischen 23. März und 3. April anberaumt.

Insekt bleibt
vorerst im Baum

Aber warum lässt man sich so viel Zeit, um den befallen Baum zu fällen? „Es ist keine Gefahr in Verzug“, so Fischer auf Anfrage. „Der Schädling verlässt den Baum nicht, es ist ihm viel zu kalt.“ Jürgen Halder vom Technischen Bauamt Kolbermoor erklärt, dass diese geplante Maßnahme die 13. Fällaktion wegen des Asiatischen Moschusbockkäfers in Kolbermoor ist.

Eigentlich dürfen Bäume nur bis 1. März gefällt werden, da ab diesem Datum die Vogelbrutzeit beginnt. Sind aber Schädlinge am Werk, wie der Borkenkäfer oder der Asiatische Moschusbockkäfer, gebe es Ausnahmen.

Darüber hinaus wurde auch eine alte Weide auf dem Tonwerkweiher-Gelände nahe des Rundweges gefällt – sie hatte einen Stammumfang von rund vier Metern. Sie fiel der Verkehrssicherheit zum Opfer: „Der Baum hatte sich bereits sichtlich geneigt und es bestand die Gefahr, dass er auf ein anliegendes Haus fallen könnte.“ Die Krone des Baumes wurde entsorgt, der Stamm bleibt auf dem Gelände liegen, da sich das sogenannte Totholz bestens für Insekten und Pilze eignet.

Alle Bäume, die nahe des Rundwegs stehen, werden zweimal jährlich von Gartenfachberatern im Auftrag des Landratsamtes kontrolliert –im belaubten und unbelaubten Zustand. Drohen sie umzufallen, werden sie zunächst ausgeschnitten und falls unumgänglich auch gefällt.

Eigentümer des Geländes ist der Landkreis. Das Landratsamt will sich jetzt um Nachpflanzungen kümmern. „Fest steht, dass keine Fichten mehr angepflanzt werden“, so Fischer. Anstelle dieser Art soll ein Mischwald mit insektenfreundlichen Arten entstehen.

Quarantäne-Zone und Co.: Infos über den Schädling aus Asien

Der Asiatische Moschusbockkäfer ist der Tod für Obstbäume: Der aus Asien eingeschleppte Schädling hält seit einigen Jahren Kolbermoor in Atem. Unzählige Bäume mussten gefällt werden. In Kolbermoor und Rosenheim wurden erstmals 2016 Käfer und Larven des Asiatischen Moschusbockkäfers und befallene Gehölze gefunden. Dies war der erste amtlich bestätigte Befall in Deutschland. Der Baumschädling befällt insbesondere die Pflanzengattung Prunus, dazu gehören unter anderem Kirsch-, Pflaumen- und Zwetschgenbäume, Aprikosen-, Mirabellen- und Pfirsichbäume und Zierformen wie das heimische Kriecherl, Blutpflaume und Zierkirsche (mit Ausnahme von Kirschlorbeer). Er bedient sich vorgeschädigter, aber auch gesunder Bäume. Nach der Eiablage am Baum erfolgt der Schlupf der Larven, die sich für zwei bis drei Jahre ins Holz hineinfressen und breite Gänge hinterlassen. Im Frühjahr 2019 wurde die Quarantänezone der bisherigen Teilflächen Kolbermoor, Bad Aibling, Rosenheim und Stephanskirchen des abgegrenzten Gebietes zu einer Quarantänezone zusammengefasst. Diese Zone wurde zum Schutz der EU gegen die Einschleppung und Ausbreitung des Moschusbockkäfers erweitert (wir berichteten). Das bedeutet, dass Besitzer von Gewächsen der Pflanzengattung Prunus innerhalb dieser Zone besondere Maßnahmen beim Umgang mit Schnittgut walten lassen müssen. Sämtliches Schnittgut dieser Pflanzengattung – mit Ausnahme des Kirschlorbeers – muss separat entsorgt werden. Die Sammelstellen für Schnittgut von Gehölzen der Gattung Prunus aus der Quarantänezone sind für Kolbermoor und Bad Aibling der Wertstoffhof Kolbermoor, Geigelsteinstraße 8.

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