Leserforum

„Freude an Politik sieht anders aus“

von Redaktion

Leserbrief zu „Zwei Redner, drei Statisten – Podiumsdiskussion mit Kandidaten in Kolbermoor“ im Lokalteil.

Gratulation, ich gehöre jetzt zur OVB-Fangemeinde! Gute Schlagzeile. Redakteur Mathias Weinzierl beherrscht sein Fach: So muss man schreiben, wenn man zu weitgehender Objektivität verpflichtet ist. Ich möchte noch einige „Kommentar-Fußnötchen“ ergänzen:

Die Versammlung begann fad, doch nach ersten Zurufen aus dem Plenum merkte man der Versammlungsleitung nervöse Parteilichkeit an. Augenmerk und Fingerspitzengefühl haben hier gefehlt. Die Kandidaten waren überwiegend saftlos, weil zum Teil lausig vorbereitet. Es schien gerade so, als ob das Etablishment – bis auf einen (oder drei) vielleicht – vorher Kartellabsprachen über die gegenseitige Unfehlbarkeit getroffen hätten, so dass das Urteil missmutig ausfallen musste: Verkehrs- und Bauprobleme reißen in Kolbermoor keinen mehr vom Hocker, in dem Sinne, dass diese Themen in Kommunen, die unter Zuzugsdruck leiden weithin bekannt sind, innovative Lösungen auf sich warten lassen.

Allerdings richtig Spaß machte der Einwand einer Dame, die – als Akademikerin und damit selbstverständlich Angehörige der Oberschicht – die Wohnungsnot beklagte. Jedenfalls war ich erleichtert darüber, dass die Studierenden den Sprung in die Oberschicht jetzt wieder schaffen.

Der „Brüller“ des Abends war aber unumstritten der Versprecher eines Kandidaten, der die Zuzügler im Falle seiner Wahl „umbringen“ werde. Gemeint war natürlich „unterbringen“, wiewohl der erstere Vorschlag. Sie wissen schon, die Überbevölkerung, ach lassen wir das. Alles in allem blieb die Zusammenkunft ohne Kurzweil und Neugestaltung. Freude an Politik sieht anders aus. Den Kolbermoorern sei angeraten: seid nicht so „spinnereilastig“.

Hans Pingel

Bad Aibling