Alltag eines Handwerkers in der Krise

von Redaktion

Blick über die Schulter am Beispiel von Heizungsbaumeister Josef Artmeier

Kolbermoor – Vor vier Wochen war die Welt noch in Ordnung. Da freute sich Heizungsbaumeister Josef Artmeier aus Kolbermoor noch auf die kommenden Wochen mit vielen Aufträgen und auf den anschließenden Kurzurlaub in Südtirol über Ostern. Doch nun ist alles anders, jetzt beherrscht das Coronavirus auch seinen Alltag, der Kurzurlaub ist abgesagt.

Josef Artmeier, 46, ist selbstständiger Heizungsbaumeister seit 2005. Er hat auch die Wirtschaftskrise 2008 erlebt und überlebt. Aber diesmal ist alles anders. Man kann die Lage schlecht einschätzen, was da alles auf uns zukommt. „Es erscheint alles viel größer und ungewisser“. Momentan arbeitet er noch, fährt noch zu den Kunden. Aber es wird immer schwieriger. Die Leute sind verunsichert, wollen einen teilweise aus Angst vor Ansteckung nicht mehr ins Haus lassen. Er arbeitet auch stundenweise für ein Planungsbüro, da ist natürlich Homeoffice eine Alternative.

Er selbst versucht, keine Panik aufkommen zu lassen, ruhig und besonnen zu bleiben. Natürlich gibt es auch die Empfehlungen der SHK-Innung, wie man sich während der Corona-Krise zu verhalten hat. Er setzt vieles davon um. Er informiert sich vor einem Kundentermin telefonisch, ob er noch erwünscht ist. Er zieht Handschuhe beim Kunden an, versucht, möglichst hohen Abstand zum Kunden zu bewahren.

Am liebsten ist es ihm, wenn die Kunden ihn alleine in Ruhe arbeiten lassen. Oft ist er ohnehin im Keller bei der Heizung oder im Freien, da hat er nicht den direkten Kundenkontakt.

Nach jedem einzelnen Termin vernichtet er die Handschuhe, und wäscht sich die Hände. Dazu hat er sich extra einen Kanister Wasser ins Auto gestellt und eine Seife hat er auch dabei. „Eigentlich ist das unser Wasserkanister fürs Campen“, grinst er, aber jetzt wird er halt zweckentfremdet. Die Handschuhe sind kostbar, es gibt sie nirgends mehr zu kaufen, alle vergriffen. Das Lenkrad, der Werkzeugkoffer, sein Handy werden desinfiziert. Mehr kann und will er nicht tun.

Mit Neuaufträgen sieht esmomentan allerdings schwierig aus, weil die Kunden einfach abwarten wollen. Viele verschieben die Termine nach hinten. Es wird auch immer schwieriger, Material und Ware zu bekommen. Die meisten örtlichen Großhändler haben momentan noch eingeschränkt geöffnet. Bei einem Kolbermoorer Großhändler ist die Kundenzahl aber auf maximal drei Kunden gleichzeitig im Verkaufsraum beschränkt.

Die Ware sollte am besten telefonisch bestellt werden. Sie wird dann vorbereitet und kontaktlos übergeben. Lkw-Lieferungen sind auch noch möglich. Aber wer weiß, wie lange noch?

Eine Kundin wollte ihr Bad umbauen. Dazu wäre ein Termin in der Badausstellung eines Großhändlers nötig gewesen. Das ist nur noch in dringenden Einzelfällen und mit Anmeldung möglich. Sie hat den Badumbau jetzt verschoben. Bleibt abzuwarten, wie es hier weitergeht. Online bestellen, wäre natürlich eine Alternative, aber das will er eigentlich nicht, kauft lieber vor Ort.

Artmeier denkt darüber nach, aus Sorge und Rücksicht auf sich, seine Familie und auch auf die vielen älteren Kunden für ein bis zwei Wochen zu Hause zu bleiben, wie schon viele seiner Kollegen. Bei Notfällen, wie Heizungsstörungen oder Wasserschäden wird er seine Kunden nicht im Stich lassen. Er ist alleine, hat seit ein paar Jahren keine Angestellten mehr. Da muss er zumindest nicht auf seine Mitarbeiter Rücksicht nehmen. Denn das ist eine enorme Belastung für den Arbeitgeber. Die Löhne müssen weiterbezahlt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und auch die bayerische Staatsregierung hat eine Soforthilfe „Corona“ zur Verfügung gestellt. Diese kann seit 18. März online beantragt werden. Aber ob das reichen wird?

Gerade für die Kleinen
wird es schwierig

Jedes Unternehmen hat mehr oder weniger hohe monatliche Fixkosten zu tragen, und keiner weiß, wie lange es dauert, bis wieder ein wenig Normalität einkehrt. Viele haben Existenzängste. Nicht jeder hat ein hohes finanzielles Polster. Gerade für die kleinen Unternehmen wird es schwierig. „Aber wir werden diese Krise überwinden“, da ist sich Artmeier ganz sicher. „Weiter geht es immer irgendwie“ sagt er. Und vielleicht ist dasder Zeitpunkt, einmal über das Leben der letzten Jahre, die rasante Geschwindigkeit, immer weiter, immer höher, nachzudenken. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, einen Gang zurückzuschalten und sich wieder mehr auf das Wesentliche zu besinnen. Jede Krise muss ja auch etwas Gutes haben“, sagt er und schmunzelt. Seinen Humor hat er noch nicht verloren.

Handwerker im Einsatz

So wie Josef Artmeier handhaben es im Moment viele heimische Handwerker. Unsicher, was die Krise noch bringen wird, da sich die Situation täglich, fast stündlich ändert. Und natürlich immer in enger Anlehnung an die Empfehlungen der jeweiligen Innungen.

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