Saxofon-Spielen via Internet

von Redaktion

So funktioniert der Unterricht an der Musikschule in der Coronakrise

Kolbermoor – Martin Stolz (56) ist seit knapp 30 Jahren Lehrer an der Musikschule in Kolbermoor. Bis zur Coronakrise traf er sich mit seinen rund 20  Schülern in der Musikschule. Dass ist seit der Ausgangsbeschränkung nicht mehr möglich, denn die Einrichtung hat geschlossen. Dennoch wollte Stolz am Unterricht festhalten. Und das funktioniert auch: Via Internet unterrichtet er jetzt seine Schüler, die zwischen sechs und 70 Jahre alt sind. „Das klappt sehr gut und es ist noch keine Stunde ausgefallen.“

Alles kommt
ins Notizbuch

Am Dienstag um 11 Uhr beginnt der Unterricht: Schüler und Lehrer loggen sich via Internet in dem Kommunikationskanal Teams ein. Und dann geht es los: Der Schüler spielt das gelernte Stück zu Hause vor, Stolz hört in seinem zu Hause zu. Danach geht es an die Noten, der Schüler schreibt sie auf, Stolz korrigiert – alles werde in einem Kursnotizbuch aufgeschrieben. In Corona-Zeiten ist das zum Notenheft dazugekommen. Und so sei es fast genauso wie „Auge in Auge“, sagt der Lehrer, der neben Saxofon auch Querflöte und Klarinette unterrichtet. Mit diesem Kanal klappe das perfekt. Allerdings ist nur Einzelunterricht möglich, denn die gespielte Melodie oder das gesprochene Wort kommen etwas zeitversetzt beim Adressaten an. Deshalb fällt auch Stolz‘ Unterricht der Orchester-Kinder sowie die Bläserklasse der Adolf-Rasp-Schule derzeit aus.

Auf die Idee gekommen ist der Musiklehrer, der in Bad Aibling wohnt, durch seinen ehemaligen Musikschüler Stefan Ettinger aus Brannenburg. Ettinger ist mittlerweile auch Musiklehrer und unterrichtet seit 2019 online Klavier. Stolz kontaktierte Ettinger und sie machten sich gemeinsam ans Werk: „Binnen einer Woche konnten wir es umsetzen“, sagt Stolz. Als die Technik stand, wurden die Kolbermoorer Musikschüler über die neue Möglichkeit informiert. „Dass der Unterricht weitergeht, finden sie toll“, sagt Stolz.

Aber wie ist das mit der Technik? Kommt da jeder mit? „Die Grundschüler werden beispielsweise von den Eltern unterstützt, die daneben sitzen“, sagt er. Und bei den betagteren Musikschülern funktioniert es auch ohne Probleme. Und weil es so gut läuft, hat Stolz seinen Schülern auch angeboten, den Unterricht in den Ferien weiterzuführen. „Vielen fällt ja derzeit die Decke auf den Kopf“, sagt er. Und er kann der derzeitigen Krise auch etwas Positives abgewinnen – vor allem aus gesundheitlicher Sicht: Wenn ein Schüler stark erkältet ist, kommt er in den meisten Fällen trotzdem zum Unterricht. Dann fliegt „ein Sprühnebel an Viren durch den Raum – und manchmal werde ich dann auch krank“. Sollte das auch nach der Coronakrise der Fall sein, könne man in so einem Fall via Internet unterrichten. Das ist aber auch das einizig Positive,  sagt Stolz.

Früherziehung
geht derzeit nicht

Derzeit ist es mucksmäuschenstill in der Musikschule in Kolbermoor – nur das Büro ist besetzt, sagt Leiter Günther Obermeier. 23 von 27 Lehrern der Einrichtung bieten ihren Schülern Online-Betreuung in unterschiedlichen Formen und über verschiedenste Kanäle. Aber: „Manche haben nur Gruppen- oder Ensembleunterricht, zum  Beispiel ,Musikalische Früherziehung‘ – das geht derzeit einfach nicht.“ Und wie viele Schüler nehmen das Online-Angebot wahr? „Es werden jeden Tag mehr. Genaue Zahlen habe ich im Moment nicht“, so Obermeier.

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