Kolbermoor – Keine Termine hat derzeit Rathauschef Peter Kloo (57). Im bisherigen Sinne zumindest. Denn die Treffen sind abgesagt, dennoch hat Kloo Besprechungen wie Videokonferenzen oder Telefonate zu führen. Denn es muss ja weiterlaufen – trotz Krise. „Die Stadt steht nicht still“, sagt er.
Wie geht es Ihnen im Schatten der CoronaKrise?
Gut!
Sie arbeiten jetzt auch ab und zu im Homeoffice, wie läuft es?
Was heißt Homeoffice? Es ist halt nicht zwingend notwendig, im Büro zu sein, und von dort aus zu arbeiten, da derzeit ja keine Termine anstehen. Das bedeutet, ich muss nicht um Punkt 8 Uhr da sein, und habe jetzt einfach die Zeit, vieles abzuarbeiten.
Im Wasserburger Rathaus werden teilweise Schutzmasken getragen. Ist das in Kolbermoor auch der Fall?
Bei uns trägt niemand eine Schutzmaske. Wir haben aber die Mitarbeiter, die zu zweit in einem Büro sitzen, räumlich getrennt. So arbeitet beispielsweise eine Mitarbeiterin des Bauamtes derzeit im Besprechungszimmer. Obendrein werden zeitliche Trennungen vorgenommen. So arbeitet eine Mitarbeiterin an einem Tag im Büro, während die andere an dem Tag von zu Hause aus tätig ist – und umgekehrt. Wir haben jetzt mehr Lizenzen für Softwareprogramme, was uns ermöglicht, von zu Hause aus zu arbeiten. Teilweise werden jetzt auch Überstunden abgebaut.
Aus Ihrer Sicht: Welche Einschränkungen gibt es?
Im Rathaus eigentlich keine, alle arbeiten weiter. Allerdings gibt es derzeit keine Team-Meetings mehr. Die Mitarbeiter sind diszipliniert und bleiben im Türrahmen stehen, wenn sie etwas zu besprechen haben oder telefonieren mehr. Man muss auch in diesen Zeiten die Kirche im Dorf lassen und ruhig bleiben: Beim Einkaufen trifft man ja auf viel mehr Menschen.
Wie ist das mit Videokonferenzen?
Ich hatte jüngst beispielsweise eine Videokonferenz mit der Firma Quest. Wir besprechen, wie es mit dem Spinnereigelände weitergeht.
Welche Auswirkungen hat die Krise finanziell auf die Stadt?
Sehr große! Zum Beispiel die Kindergärten, die ziehen jetzt einen Monat keine Gebühren ein. Das sind in Kolbermoor rund 30 000 Euro plus 8000 Euro Mittagsbetreuung. Man muss dann schauen, wer das Defizit übernimmt. Es erreichen uns auch viele Stundungsanträge. Es betrifft auch die Gewerbesteuer, die sicherlich um ein Viertel einbrechen wird. Es wird zu Einbußen kommen.
Sie haben in den Sitzungen oft gesagt „Jetzt sprudelt das Geld, aber wer weiß, wie lange wir das alles noch zahlen können“. Ist es jetzt soweit?
Die Krise ist eine kleine Chance, sich darauf zu besinnen, was wichtig ist. Denn auch die Einkommenssteuer 2021 wird einbrechen. Es wird zu härteren Verhandlungen kommen – wer bekommt wie viel Geld. Aber es gibt natürlich auch wirtschaftliche Gewinner, wie die Verpackungsbranche, die erlebt einen Boom. Aber auch die werden das nicht kompensieren können. Diese Krise wird bis in die nächsten Jahre spürbar sein.
Bis in die nächsten Jahre?
Sicher. Die Frage ist auch, wer kommt für die Extra-Kosten der Briefwahl am Sonntag auf. Diese hat die Stadt über 20 000 Euro gekostet. Denn es mussten ja an alle wahlberechtigten Bürger Unterlagen gesendet werden. Bei anderen Wahlen sind es um die 1500 Briefwahlunterlagen, die verschickt werden.
Was steht derzeit in der Stadt still?
Schulen, Kindergärten, Bücherei-Verkehr, Volkshochschule, Musikschule. Obwohl die Musikschullehrer jetzt vermehrt Online-Unterricht anbieten. Auch das Rathaus ist für dringende Angelegenheiten da. Sonst steht nichts still.
Auch die Baumaßnahme der Tonwerkunterführung soll jetzt starten.
Das glaube ich erst, wenn die Arbeiten beginnen, denn es ist eine österreichische Firma. Auch an anderen Baustellen wird noch gearbeitet. Es hängt jetzt davon ab, wie lange das Material noch ausreichend vorhanden ist.
Wollen Sie den Kolbermoorern noch etwas mit auf den Weg geben?
Zum einen möchte ich ein Lob aussprechen, dass sich ein großer Teil der Kolbermoorer vernünftig verhält. Zum anderen Mut machen und sagen, dass wir nach der Krise zu einem normalen Leben zurückfinden werden.
Interview: Ines Weinzierl