Kolbermoor – Pfarrer Maurus Scheurenbrand (57) hat schon viele Osterfeiertage in Kolbermoor gefeiert, aber in diesem Jahr ist alles anders. Der 57-Jährige zelebriert zwar den Gottesdienst, aber nur im „allerkleinsten Rahmen“, sagt er, „mit Mesner und Lektoren.“ Aber wenn die Glocken läuten, „wissen die Menschen, dass in der Kirche das Gloria erklingt und wo ich bin“, sagt der Geistliche. Im Interview spricht Scheurenbrand über seinen derzeitigen Alltag, schmerzliche Erfahrungen und die Angebote der Stadtkirche an Ostern.
Herr Pfarrer Scheurenbrand, wie geht es Ihnen in Zeiten der CoronaKrise?
Gut! Aber ich spüre noch nichts von Ruhe.
Wie sieht derzeit Ihr Alltag aus?
Im Grunde nicht anders als sonst. Allerdings bin ich jetzt immer alleine in den Pfarrämtern, da jetzt alle Kollegen im Homeoffice arbeiten. Ich mache die Post, betreue die Homepage und telefoniere viel mit den Kollegen. So können wir uns Angebote überlegen, wie wir die Bürger trösten.
Wie bringen Sie den Glauben trotz allem zu den Kolbermoorern?
Das ist derzeit keine leichte Aufgabe, da wir keinen direkten Kontakt zu den Gläubigen haben. Wir legen in den Kirchen natürlich Angebote aus, aber das kann unmöglich den Kontakt ersetzen. Das ist sehr schmerzlich.
Melden sich derzeit viele Gläubige bei Ihnen telefonisch?
Ja, einige. Sie rufen an, weil beispielsweise ein Familienmitglied schwer erkrankt ist. Für mich ist das sehr belastend, da ich nicht einfach hinfahren kann. Aber auch in diesen Zeiten darf ich beispielsweise ins Krankenhaus fahren, wenn jemand im Sterben liegt. Und ich würde das natürlich auch machen.
Fehlen den Menschen die Gottesdienste?
Natürlich. Aber ich bin sichtbar, bin auch in den Kirchen anzutreffen. Und ich werde dann auch angesprochen. Wir beten dann gemeinsam den Rosenkranz – aber mit Sicherheitsabstand.
Die Türen der Gotteshäuser stehen derzeit weit offen.
Ja, so wissen die Menschen, dass wir da sind. Die Mesner sperren jeden Tag die Kirchen auf, zünden die Kerzen an und ich stelle Weihrauch auf den Altar.
Ostern ist ein hohes Fest – ohne Gottesdienst unvorstellbar?
Das sagen auch viele Gläubige. Aber ich werde das Triduum feiern, die Gottesdienste an Ostern von Gründonnerstag bis Ostersonntag. Ich feiere im kleinsten Kreis mit Mesner und zwei Lektoren – mehr ist ja nicht erlaubt. Die Glocken werden läuten, wenn das Gloria erklingt. In diesem Moment wissen die Kolbermoorer, wo ich gerade bin.
Was bietet die Kolbermoorer Stadtkirche an den Ostertagen?
Am Palmsonntag haben die Ministranten und ein Ehepaar Palmbuschen gebunden. Obendrein gibt es selbst gestaltete Osterkerzen. Aber die Bürger können ihre Osterkerzen auch in die Kirchen bringen, sie werden dann gesegnt. Ebenso wichtig ist die Weihe der Speisen, die ja heuer ausfällt. Aber es stehen Glasfläschchen mit Weihwasser für die Bürger bereit. Dann können sie ihre Osterspeisen selbst weihen.
Lesen Sie eigentlich täglich in dem Kirchenbuch, in das die Bürger ihre Wünsche und Gebete an Gott richten können?
Nicht täglich, aber die meisten Einträge handeln davon, dass sich die Menschen wünschen, dass die Krise bald vorbei ist.
Können Sie den Kolbermoorern Mut machen?
Sie dürfen den Mut nicht verlieren – das Leben geht weiter. Ostern ist ja eine aufblühende Zeit, das Leben blüht.
Aber im Moment ist das schwierig zu vermitteln, oder?
Das Leben nach der Krise wird sicherlich ein anderes sein. Viele werden bewusster leben, sich die Zeit bewusster einteilen.
Interview: Ines Weinzierl