Kolbermoor – Was machen Menschen, die einander zugetan sind, aber derzeit in einer Fernbeziehung leben müssen? Sie telefonieren, schicken Mails, auch Videobotschaften und auch mal einen Brief. Genauso halten es derzeit die Mitarbeiter der Kolbermoorer Kindergärten, um mit dem Nachwuchs in Kontakt zu bleiben. Und anders als bei den Schulen, wo Arbeitsblätter verschickt werden, geht es bei den Kindergärten vorrangig darum, dass man dem anderen zeigen möchte, dass man ihn nicht vergessen hat, sondern an ihn denkt.
Briefe nach
Hause geschickt
„Tipps, wie die Kinder jetzt zu unterhalten wären, muss man nicht verschicken“, sagt Claudia Essbach, Leiterin des AWO-Kindergartens am alten Tonwerk, „die gibt es zuhauf im Internet.“ Und Claudia Bühler, stellvertretende Leiterin des Montessori-Kindergartens, meint: „Wir halten uns mit dem pädagogischen Angebot bewusst zurück, sie sollen nicht in die Belanglosigkeit abgleiten. Vorschläge sollen dabei nicht als Arbeitsauftrag verstanden werden.“
Spaziergang
als Erinnerung
Der Montessori-Kindergarten verschickt derzeit unter anderem an die Kinder eigens gefertigte Ausmalbilder. In die Umschläge legen die Mitarbeiter auch eine Briefmarke. So können die Mädchen und Buben die fertigen Bilder gleich weiterveschicken. Primär geht es darum, den Kindern zu zeigen, dass man an sie denkt.
Und die Tatsache, von „ihrem“ Kindergarten Post oder zumindest Nachrichten zu bekommen, ist für die Kleinen wichtig, sie wollen den Kontakt, brauchen die Gewissheit, dass er bestehen bleibt. Das sehen die Betreuerinnen schon allein daran, dass sie öfter Eltern sehen, die mit ihren Kleinen an den Kindergärten vorbeispazieren, ihnen sozusagen einen Besuch abstatten.
So auch beim Kindergarten von Wiederkunft Christi, den die Mitarbeiterinnen derzeit vongrund auf neu gestalten. Kein Raum, der nicht eine neue Bemalung bekommt und viele Eltern und Kinder schauen, ob man vielleicht durch die Türen und Fenster einen Blick erhaschen kann, „die Abdrücke auf Kindernasenhöhe an den Glastüren sind da ein untrüglicher Beweis“, sagt Leiterin Mona Kahl und lacht.
Das ist übrigens etwas, was in vielen Kindergärten derzeit passiert: Umgestalten, renovieren. Im Montessori-Kindergarten unter anderem das Büro, womit man beim nächsten Punkt ist, mit der die Mitarbeiter Zeit füllen: Aufarbeiten des ganzen Papierkrams, aber auch schon Arbeiten an neuen Konzepten.
„Auch da sprühen die Ideen“, sagt Mona Kahl von Wiederkunft Christi und sie spricht sicher auch für die anderen Kindergärten, wenn sie meint: „Es ist, als ob der Enthusiasmus wieder neu aufblüht, mit dem jede von uns in den Beruf einmal einstieg. Weil man jetzt die Zeit hat, Ideen auch wirklich umzusetzen.“
Bis zu 20 Kinder
in Notgruppen
Viele Kindergärten, wie etwa die evangelischen oder die der Arbeiterwohlfahrt sind auch dazu übergegangen, die Kinder anzurufen, um zu fragen, was sie denn so machen und wie es ihnen geht. Und natürlich auch, um sich zu erkundigen, ob die Eltern in irgendeiner Form Rat bräuchten. Das aber, so berichtet Frank Deininger, der Leiter der evangelischen Kindergärten, sei eher selten nötig, die meisten kämen sehr gut zurecht.
Hervorragend scheint auch die Betreuung in den jeweiligen „Notgruppen“ der Kindergärten zu laufen, in denen in ganz Kolbermoor insgesamt rund 15 bis 20 Kinder betreut werden. Übrigens: Bei allen Trägern gibt es Notgruppen. Im Montessori-Kindergarten mit seinen 16 Kindern nicht. Das sei nicht erforderlich gewesen.
Die Sorge, die Kinder könnten außerhalb ihrer Gruppe fremdeln, ist offenbar unbegründet: Im Kindergarten Wiederkunft Christi zum Beispiel kennen sich alle, weil man auch im normalen Betrieb bemüht ist, die Kinder untereinander in Kontakt zu bringen.
Auch bei den evangelischen Kindergärten, wo Kinder aus den verschiedenen Einrichtungen in einem Kindergarten „gesammelt“ werden, ist das kein Problem, weil man, wie Deininger erklärt, darauf achtet, dass die Kinder ihre angestammte Betreuerin und damit die wichtigste Bezugsperson sozusagen mitbringen. Ansonsten gilt, da sind sich alle Kindergärten mit Notgruppen einig, dass sich der Nachwuchs bei der intensiven Betreuung, die derzeit möglich ist, fühlen „wie Henne und Hahn im Korb“, so Kahl. Auch für die Betreuer sei die Arbeit mit den wenigen Kindern intensiv und ein positives Erlebnis.